Stellungnahme zur Antwort Martin Kinds auf unseren offenen Brief vom 07.02.13

Zu Punkt 1:

Erstens haben die Verbände im Zuge des Konzeptpapiers “Sicheres Stadionerlebnis” versucht, die Sportgerichtsbarkeit auch auf Fans auszuweiten. Zweitens hat Martin Kind mit der von ihm veranlassten Kollektivstrafe für Besucher des Blockes N16/17 Strafen der Sportgerichtsbarkeit teilweise an Fans weitergegeben. Fans sind also sehr wohl von negativen Entscheidungen betroffen.

 Zu Punkt 2:

Mit keiner Silbe wird darauf eingegangen, dass – wie in unserem Brief dargelegt – sowohl die Datenlage als auch maßgebliche Expertenmeinungen dieser Einschätzung widersprechen.

 Zu Punkt 3:

Uns gegenüber kann also, nachdem die Geschehnisse nun 11 Tage zurückliegen, diesbezüglich keine Stellungnahme abgegeben werden. Gegenüber Pressevertretern kann aber eine solche Stellungnahme in einer in unseren Augen nicht angemessenen Wortwahl und Schärfe und ohne vorherige Prüfung der Faktenlage abgegeben werden. Und zwar bereits wenige Stunden nach dem Ereignis. Mittlerweile hat sich herausgestellt, dass die polizeilichen Maßnahmen massiv überzogen waren. Eine rechtliche Prüfung des Einsatzes läuft bereits. Vielleicht wäre eine Entschuldigung angebracht, Herr Kind?!

 Zu Punkt 4:

Wenn der Dialog ein Monolog wird, wenn Absprachen scheinbar nur solange eingehalten werden, bis man vor dem nächsten Mikrofon steht, wenn Vereinbarungen nicht schriftlich festgehalten werden dürfen, wenn die Autorität von Fanvertretern durch despektierliche Äußerungen immer wieder untergraben wird, wenn man nicht gewillt ist, auf die Argumente der Gegenseite einzugehen, kann man dann überhaupt noch von einem Dialog sprechen? Oder handelt es sich dann um eine Alibi-Veranstaltung? Herr Kind scheint noch immer nicht begriffen zu haben, dass seine Maßnahmen bei einer breiten Masse von Fans auf Unverständnis stoßen – in allen Stadionbereichen!

 Zu Punkt 5:

Fans, sei es organisiert oder unorganisiert, können vom Verein nicht dafür herangezogen werden, Straftaten im Stadion zu ermitteln, aufzuklären oder zu verhindern. Hierfür sind die Polizei und die Ordnungskräfte des Vereins verantwortlich. Es sei an diesem Punkt nochmals darauf hingewiesen, dass Stadionbesuche in Hannover, wie in der ganzen Bundesrepublik, sicher sind und es kein übermäßig hohes Gewaltaufkommen in Zusammenhang mit Fußballspielen im Vergleich zu anderen Großveranstaltungen gibt. Martin Kind im speziellen, genauso wie die Vereine und Verbände im allgemeinen, müssen ihre Haltung in Fanfragen grundsätzlich überdenken, wenn sie ernsthaft daran interessiert sind, einen wahrhaften Dialog zu führen (an dieser Stelle sei auf ein zu dieser Thematik geführtes Interview vom 11.12.12 mit dem Kriminologen Prof. Dr. Thomas Feltes verwiesen: http://www.spiegel.de/sport/fussball/dfl-sicherheitspapier-thomas-feltes-uebt-kritik-a-871717.html). Der derzeit beschrittene Weg ist eine Sackgasse und wird die Fankultur und den Verein Hannover 96 nachhaltig schädigen.

 Zusammenfassend bleibt zu sagen, dass Martin Kind die Tragweite der Problematik nicht erfasst zu haben scheint und viele unserer Argumente entweder nicht verstanden hat oder bewusst missachtet. Wirft man einen Blick auf unsere Unterstützerliste von mittlerweile über 1700 Personen (wir sind zuversichtlich schon bald 1896 Unterschriften gesammelt zu haben), so wird man feststellen, dass das Spektrum überaus vielfältig ist. Es reicht von Rentnern, die schon die erste Meisterschaft von Hannover 96 bewusst miterlebt haben, bis zu Familien mit Kleinkindern, die regelmäßig ohne Angst ins Stadion gehen. Es reicht vom Arbeitssuchenden bis zum Akademiker. Es zieht sich über sämtliche Tribünen. Angst haben sie ausschließlich vor dem Aktionismus eines Martin Kind, seinem Rechtsverständnis, das mit unserer persönlichen Auffassung von Recht und Gerechtigkeit nicht vereinbar ist, und seinem Umgang mit den eigenen Fans.

 Das Team von „Brief an Kind“

Hannover, den 12.02.2013

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