Offener Brief zum Thema „viagogo“

20 Aug

Sehr geehrter Herr Kind,

Ob viagogo der richtige Partner ist, kann man diskutieren“ waren Ihre Worte im Juli diesen Jahres (Quelle: http://www.welt.de/wall-street-journal/article118120701/Bundesliga-Klubs-kuendigen-Viagogo-die-Treue.html ). Auch wir haben uns Gedanken zu diesem Thema, welches mittlerweile viele Fans in ganz Deutschland betrifft, gemacht und schreiben Ihnen diesen öffentlichen Brief, um Ihnen unsere Meinung über die sogenannte Wiederverkaufsplattform viagogo mitzuteilen.

Wir stimmen der Meinung von Herrn Meier (Leiter Ticketing) zu, dass wir einen „sicheren und seriösen Ticket-Zweitmarkt(…)“ (Quelle: http://www.hannover96.de/CDA/tickets/viagogo-ticketboerse.html) für die Fans von Hannover 96 benötigen. Gerade die Möglichkeit, seine Dauerkarte weiterzugeben, wenn man unseren Verein mal nicht unterstützen kann, ist sehr fanfreundlich. Jedoch sehen wir in dem Partner viagogo den falschen Dienstleister für diesen Ticket-Zweitmarkt!

Um allen einen Einblick in die Kooperationsvereinbarungen von viagogo zu geben, nennen wir zunächst einmal die Fakten, die wir den Medien entnehmen konnten und die unsere Recherchen ergaben. Unabhängig von der Anzahl der verkauften Eintrittskarten erhält der Verein Hannover 96 pro Saison, in der eine Zusammenarbeit mit viagogo stattfindet, eine bisher nicht veröffentlichte Einmalzahlung. Nennenswerte Beispiele sind dazu vom Hamburger SV (800.000 €) und vom FC Schalke 04 (1.200.000 €) bekannt (Quellen: http://www.abendblatt.de/sport/fussball/hsv/article113314269/Ticket-Boerse-Viagogo-will-den-HSV-verklagen.html / http://www.11freunde.de/interview/schalke-fans-gegen-viagogo). Dieses Modell mag für Außenstehende erst mal sehr verlockend klingen – jedoch wird dieser finanzielle Vorteil auf Kosten der treuen Fans und Mitglieder erzielt! Die Ticketbörse viagogo erhält für jedes Bundesliga-Heimspiel direkt von Hannover 96 Eintrittskarten, die mit einem Aufschlag von bis zu 100 % (zzgl. Gebühren) verkauft werden dürfen. An den dadurch entstehenden höheren Erlösen wird der Verein wiederum prozentual beteiligt. Unsere Recherchen auf www.viagogo.de ergaben, dass pro Spiel an die 500 Karten von Hannover 96 in verschiedenen Stadionbereichen für den Verkauf bei viagogo bestimmt sein müssten (eine genaue, offizielle Anzahl ist Seitens Hannover 96 noch nicht veröffentlicht worden).

500 Karten pro Spiel in einem 49.000 Zuschauer fassenden Stadion klingt zunächst nach einem äußerst geringen Anteil. Wenn man aber von 49.000 Plätzen die bislang ca. 24.700 verkauften Dauerkarten (zzgl. die gegen Ende des Jahres in den Verkauf gehenden Rückrundendauerkarten), mindestens 4.900 Karten für Gästefans und etliche Sponsorenkarten abzieht, bleibt nur noch eine deutlich kleinere Anzahl an Karten für den freien Verkauf – da fallen die ca. 500 viagogo-Karten doch stark ins Gewicht. Dadurch wird den Mitgliedern des Vereins, die alle ein Vorkaufsrecht besitzen, und weiteren Fans die Möglichkeit genommen, Tageskarten zum regulären Preis erwerben zu können.

Laut dem Anfangs genannten Artikel auf der Homepage von Hannover 96 möchte man Fans durch viagogo die Möglichkeit geben, auch noch Eintrittskarten für bereits „ausverkaufte“ Spiele erwerben zu können. Warum werden diese Karten nicht im normalen (Vor)Verkauf direkt von der Ticketabteilung abgesetzt? Hier kommt der Verdacht auf, dass dadurch gezielt eine heimliche Preiserhöhung und damit ein höherer Umsatz erzielt werden soll.

Sie sagten im Gespräch mit Journalisten der HAZ, dass viagogo nur Eintrittskarten verkauft, die es auch tatsächlich gibt (Quelle: http://www.haz.de/Nachrichten/Sport/Fussball/Hannover-96/Kartenboerse-viagogo-Hannover-96-haelt-sich-bedeckt-beim-Kartentausch). Leider gibt es genügend Beispiele, bei denen dies nicht der Fall ist, da viagogo keine Kenntnis darüber hat, ob der Verkäufer tatsächlich gültige Eintrittskarten (mit Ausnahme von Dauerkarten und dem Kontingent vom Verein) vorliegen hat. In diesen Fällen verspricht viagogo zwar, den Käufern den ausgegeben Betrag zu erstatten, das Fußballspiel aber (um das es dem Käufer ging) kann dieser nicht sehen. Auch kommt es vor, dass der Käufer einen vorher nicht vereinbarten Drittort für die Übergabe von „Ersatztickets“ aufsuchen muss. Zudem ist der Kundenservice für einen seriösen Partner sehr dubios, wie man z.B. an der Übergabe der Karten bei anderen Veranstaltungen sieht. Hier haben wir Ihnen nur zwei Beispiele rausgesucht, an denen Sie diese Punkte bestätigt sehen:

Nicht nur die Sicherheit des Kartenerwerbs sondern auch die Sicherheit im Stadion wird durch viagogo eingeschränkt. So ist es möglich, als Gästefan Eintrittskarten im gesamten Stadion, auf allen Tribünenteilen, zu erwerben. Die Fantrennung, gerade in dieser Derbysaison, wird dadurch nur erschwert.

Außerdem fragen wir uns, wie es möglich sein kann, dass eine seriöse und legale Ticketbörse schon Karten verkaufen kann, die es noch gar nicht im Verkauf gibt, bzw. für die es noch gar keine feststehenden Preise gibt? Dies ist erst kürzlich beim DFB geschehen. Der DFB-Präsident Wolfgang Niersbach findet diese „Vorgehensweise (…) unseriös“ (Quelle: http://www.spiegel.de/sport/fussball/dfb-erwaegt-rechtliche-schritte-gegen-viagogo-a-914705.html). Der Bundesligist Bayer Leverkusen hat bereits juristische Wege gegen viagogo eingeleitet, Eintrittskarten des Vereins dürfen nun nicht mehr vor dem offiziellen Verkauf angeboten werden. Dass dennoch Eintrittskarten bei viagogo verkauft werden „dürfen“, liegt an einer juristischen Grauzone (Quelle: http://www.ksta.de/fussball/ticketboerse-viagogo-der-moderne-schwarzmarkt,15189340,22690896.html). Leverkusens Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser spricht sogar offen von einem „blühenden Schwarzmarkt für Fußballtickets auf viagogo“ (Quelle: http://www.spiegel.de/sport/fussball/bayer-leverkusen-erwirkt-einstweilige-verfuegung-gegen-viagogo-a-915138.html).

Der Fußballverein Schalke 04 hat nach nur neun Tagen Laufzeit den Vertrag mit viagogo fristlos gekündigt, da sich diese auch nach mehrfacher Aufforderung nicht an Abmachungen, die Schalke 04 an diese gestellt hat, hielt (Quelle: http://www.spiegel.de/sport/fussball/schalke-kuendigt-vertrag-mit-tickethaendler-viagogo-a-910209.html): Ein finanziell angeschlagener Verein wie Schalke 04 muss schon sehr gute Gründe haben, einen solchen Vertrag, der (auf kurze Sicht) finanziell betrachtet zu Gunsten des Vereins ist, zu kündigen. Mittlerweile kündigte Schalke 04 sogar an, in den nächsten Tagen eine Schadensersatzklage gegen Viagogo einzureichen (Quelle: http://www.spiegel.de/sport/fussball/bundesliga-schalke-will-viagogo-verklagen-a-917407.html).

Bei Hannover 96 ist das anders. Im Gespräch mit dem Wall Street Journal sagten Sie: „Bei uns war es keine wirtschaftliche Frage, die Partnerschaft einzugehen. Es ging und es geht um die Bekämpfung des Schwarzmarktes“ (Quelle: http://www.welt.de/wall-street-journal/article118120701/Bundesliga-Klubs-kuendigen-Viagogo-die-Treue.html ).

Nach unserer Recherche am 18.08.2013 hält viagogo die vereinbarte Preissteigerung von maximal 100% pro Karte bei Heimspielen sehr penibel ein – wenn man mal von den horrenden Gebühren absieht. Sollten wir dort in Zukunft Ungereimtheiten feststellen, so werden wir diesbezüglich direkt mit Herrn Meier Kontakt aufnehmen. Warum aber erlauben Sie diese 100% Preissteigerung? Warum sehen Sie nicht einen Ticket-Weiterverkauf zum ursprünglichen Preis vor, ohne Preissteigerung, wie es z.B. der VfB Stuttgart mit viagogo handhabt (Quelle: ebd.)? So widersprechen sich Ihre mit viagogo vertraglich vereinbarten Konditionen unserer Meinung nach doch sehr mit Ihrem Zitat „keine wirtschaftliche Frage“ und „Bekämpfung des Schwarzmarktes“. Auch widersprechen sich diese mit Ihren Allgemeinen Ticket-Geschäftsbedingungen. In diesen heißt es in Punkt 10, Absatz 2b, es sei untersagt, „Tickets zu einem höheren als dem bezahlten Preis weiterzugeben; ein Preisaufschlag von bis zu 10% zum Ausgleich entstandener Transaktionskosten ist zulässig“ (Quelle: http://www.hannover96.de/CDA/fileadmin/php/download.php?file=fileadmin/user_upload/Faninfos/AGB_Tageskarten_13-14.pdf ).

Lassen Sie uns noch näher auf die Ticketpreise eingehen, die man, auch als Fan von Hannover 96, bei viagogo bezahlen muss – auch wenn Sie eigentlich schon jetzt bemerkt haben müssten, dass diese Ticketbörse nicht der richtige Partner für einen Bundesligisten, geschweige denn für unseren Verein ist!

Von den maximal 100% Preiserhöhung auf Karten für Heimspiele unserer Roten mal abgesehen, lenken wir unseren Blick auf die Auswärtsspiele unserer Mannschaft. Hannover 96 bekommt für seine Fans vom ausrichtenden Verein im offiziellen Auswärtsbereich des jeweiligen Stadions Karten zum Verkauf überlassen. Für uns Fans ist es absolut unverständlich, wie sich die Preise für einige dieser Auswärtsspiele bei viagogo gestalten. Als Beispiel haben wir drei Spiele ausgewählt, die Sie im Anhang dieser E-Mail durch Screenshots von http://www.viagogo.de belegt finden.

Als erstes das Pokalspiel bei Victoria Hamburg: Die Stehplatzkarten wurden inklusive Vorverkaufsgebühr für 16,50 € über Hannover 96 verkauft. Bei viagogo wurden die Stehplatzkarten für 49,94 € (Vollzahlerkarte, zzgl. Gebühren) zum Verkauf angeboten. Also für mehr als das Dreifache!

Nicht nur die Länderspiele des DFB sondern auch unsere Auswärtsspiele sind von dem Ticketverkauf über viagogo vor dem eigentlichen Vorverkauf seitens des Vereins betroffen. Unsere Gastspiele in Wolfsburg und in Braunschweig sind noch nicht einmal fest terminiert, da sie erst in der Rückrunde stattfinden. Wenn man aber bei viagogo nach den Spielen sucht, wird man jetzt schon fündig. Für ein Stehplatzticket im Gästeblock des VfL Wolfsburg soll man dort 99,00 € (Vollzahlerkarte, zzgl. Gebühren in Höhe von 27,80 € netto) aufbringen. Die selbe Ticketkategorie wird im offiziellen Verkauf lediglich 15,00 € (zzgl. VVK Gebühren) kosten!

Doch der absolute Höhepunkt ist unser Gastspiel Braunschweig. Wie lange mussten wir auf dieses Derby warten! Absolut verständlich, dass ein großes Interesse an Gästekarten für dieses Spiel besteht. Überhaupt nicht verständlich ist der Preis, den viagogo für diese Karten verlangt: 195,00 € (zzgl. Gebühren in Höhe von 42,20 € netto) für ein Vollzahler-Stehplatzticket im Gästeblock. Der reguläre Preis beträgt dort 23,00 € (zzgl. VVK-Gebühren). Also verlangt viagogo in diesem Fall mehr als das Achtfache (ohne Gebühren)!

Kann man bei diesen Preisen noch immer von Fanfreundlichkeit sprechen, Herr Kind?

Da es in Ihrem und in unserem Interesse ist, einen „sicheren und seriösen“ Ticketweiterverkauf zu gewährleisten und somit den Schwarzmarkt (sei es vor dem Stadion oder auf diversen Internetplattformen) zu bekämpfen, sollte unserer Meinung nach die Errichtung einer fairen, serviceorientierten Ticketbörse der beste Weg und zugleich eines der Ziele dieser offenen E-Mail sein. Wir haben zum Beispiel noch das Angebot der Roten Kurve im Kopf, die es ihren Dauerkarteninhabern ermöglicht hat, für bis zu fünf Spiele pro Saison den eigenen Dauerkartenplatz zurück in den freien Verkauf im Fanladen zu geben und so – wenn sich ein Käufer für diesen Platz finden ließ – ein siebzehntel des Dauerkartenpreises erstattet zu bekommen. Dass die Umsetzung dieses Angebotes auch durch einen Verein mit Dauerkarteninhabern im fünfstelligen Bereich möglich sein kann, zeigt sich am Beispiel des Hamburger SV (Quelle: http://www.hsv.de/ticket/ticketboerse/). Dies wäre auch ohne großen Aufwand auf die Tageskarten erweiterbar.

Gerne zitieren wir nun Ihre Worte: „Ob Viagogo der richtige Partner ist, kann man diskutieren“ und „Wir werden das Ganze analysieren und prüfen“ (Quelle: http://www.haz.de/Nachrichten/Sport/Fussball/Hannover-96/Kartenboerse-viagogo-Hannover-96-haelt-sich-bedeckt-beim-Kartentausch). Ja, dies ist unsere Bitte an alle Beteiligten im Verein! Am besten nicht hinter verschlossenen Türen, sondern in Zusammenarbeit mit uns, den Fans von Hannover 96!

Eine sofortige Kündigung des Vertrags mit viagogo wäre wünschenswert. Auf jeden Fall appellieren wir an Sie, den zum Saisonende auslaufenden Vertrag nicht zu verlängern!

Denn dies ist im Sinne unserer Stadt, unseres Vereins und unserer Leidenschaft!

Mit schwarz-weiß-grünen Grüßen

Ihr Team von „Brief an Kind“

Diesen Brief haben wir auch an Herrn Meier sowie diverse Pressevertreter geschickt. Eine Veröffentlichung erfolgt auf unserem Blog www.brief-an-kind.de.

Anhang:

Beispiel Braunschweig

Beispiel Braunschweig

Beispiel Victoria Hamburg

Beispiel Victoria Hamburg

Beispiel Wolfsburg

Beispiel Wolfsburg

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Kind muss weg! – Aber warum?

8 Aug

Die aktive Fanszene in Hannover lehnt Martin Kind als Vereinspräsidenten inzwischen größtenteils ab. Dies wurde gegen Ende der vergangenen Saison auch in Gesängen und auf Spruchbändern bei Heimspielen im Niedersachsenstadion und bei Auswärtsspielen in der ganzen Republik kundgetan. Zugegebenermaßen führte dies zu Unverständnis bei anderen Stadionbesuchern und 96-Fans, die immer wieder auf die Verdienste Kinds um den Verein in der sportlich und wirtschaftlich schwierigen Zeit der 90er Jahre verwiesen, welche auch von unserer Seite nicht geleugnet werden. In vielen persönlichen Gesprächen haben wir versucht, über unsere Beweggründe aufzuklären und vielfach stieß man hierbei auf Verständnis. Die breite Masse an Stadionbesuchern und Fans erreichte man auf diese Art und Weise allerdings nicht. Daher wollen wir versuchen, unseren Standpunkt zu verschriftlichen und die vielen Vorfälle und Argumente, die uns zu unserer Haltung brachten und darin bestärken, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen.

Die Schwierigkeit hierbei besteht darin, einen Zeitpunkt zu setzen, ab dem sich das Verhältnis zwischen Fans und Vereinsführung eklatant verschlechterte, denn Unstimmigkeiten gab und gibt es immer wieder – bei jedem Verein. Vorfälle, die so schwer wiegen, dass von Fanseite die Ablösung des Vereinsvorstandes gefordert wird, sind hingegen eher selten. Wir beschränken unsere Schilderungen daher zunächst auf die Ereignisse rund um die Saison 2012/13, da diese erstmals aus den üblichen Unstimmigkeiten herausragten und schließlich zum Status Quo führten, in dem die Vereinsführung keine Ansprechpartner mehr auf Fanseite hat, den Fandachverband zur Auflösung gedrängt hat und weiterhin versucht, kritische Meinungsäußerung im Stadion zu unterbinden. Abschließend gibt es einen Ausblick auf die Jahre 2017/18 und die Bedeutung der 50+1-Regel für den Hannoverschen Sportverein von 1896 e.V.

Der Fall Haarmann

Aber fangen wir vorne an: Zu Beginn der Saison 2012/13 stand das Heimspiel gegen Schalke 04 an. In der Nordkurve wurde neben vielen anderen auch eine Fahne mit dem Konterfei Fritz Haarmanns geschwenkt. Fritz Haarmann ist eine Person der hannoverschen Stadtgeschichte, die sowohl im Tourismus- wie Marketinggeschäft der Stadt Hannover seit vielen Jahren Verwendung findet (Stadtführungen, Adventskalender u.v.m.). Auch die Fahne in der Nordkurve war keineswegs neu, sondern seit über 5 Jahren häufig bei Heim- und Auswärtsspielen in Gebrauch – sogar im europäischen Ausland. Neu hingegen war die Empörung, die diese Fahne auf einmal hervorrief. In einem Bild-Artikel (auf eine Verlinkung zu Bild-Artikeln verzichten wir aus Überzeugung!) wurde massiv gegen die Fahne gewettert. Noch vor Veröffentlichung des Artikels hatten Fanvertreter, Fanbetreuung und führende Mitarbeiter von Hannover 96 in Gesprächen ein gemeinsames Vorgehen abgesprochen. Vereinspräsident Martin Kind hingegen, auf die Fahne angesprochen, versprach, diese in Zukunft aus dem Stadion zu verbannen, anstatt die Fahne und die Person Fritz Haarmann in den zugrundeliegenden Kontext einzuordnen und so die vorgeschobene Empörung der Lächerlichkeit preiszugeben. Darüber hinaus drohte er an, den Personen, die diese Fahne schwenken, in Zukunft den Zutritt zum Stadion zu verwehren. Kurz nach dieser medialen Äußerung wurde jedoch gegenüber Vertretern der aktiven Fanszene in einem persönlichen Gespräch diese Drohung relativiert (siehe Link am Ende des Absatzes). Trotzdem wurde die angekündigte Maßnahme kurz darauf umgesetzt (Quelle: http://www.11freunde.de/artikel/zum-stimmungsboykott-bei-hannover-96, Stand: 07.08.13, 14 Uhr). Die Fanszene wurde hiervon wenige Stunden vor dem Europapokal-Heimspiel gegen UD Levante überrascht, widersprach dieses Vorgehen doch vorher getroffenen Übereinkünften mit der Vereinsführung. Die Folge war ein Stimmungsboykott, der aufgrund der Kurzfristigkeit nicht mehr ausreichend kommuniziert werden konnte. Vom darauf folgenden Heimspiel gegen Dortmund war einer der Haarmann-Fahnen-Schwenker weiterhin ausgeschlossen. Die aktive Fanszene hatte unterdessen einen Flyer ausgearbeitet, der über die Vorkommnisse informieren sollte. Darin wurde erklärt, dass mit dem willkürlichen Verbot von Material eine Grenze überschritten sei, die das Ausleben des Fandaseins faktisch unmöglich mache.

Fest stand, dass das Schwenken der Haarmann-Fahne keine strafrechtliche Relevanz besaß. Über eine Frage des guten Geschmacks ließe sich sicherlich streiten, und das wurde auch innerhalb der Fanszene intensiv getan. Doch was erhebt die Bild-Zeitung und die Vereinsführung zum moralischen Sittenwächter? Es bestand also die Gefahr, dass in Zukunft jedwedes Material der willkürlichen Begutachtung der Vereinsführung zum Opfer fallen könnte. Dies wäre das Ende für die kritische und freie Meinungsäußerung, die nach unserem Verständnis auch beim Fußball und in einem Stadion ihren Platz haben muss. Dass unsere Befürchtungen nicht aus der Luft gegriffen waren bestätigte sich quasi im Handumdrehen, als der besagte Informations-Flyer kurzum verboten wurde. Eine Verteilung im Stadion sowie dessen direktem Umfeld war somit nicht mehr möglich. Ein weiterer Versuch, eine kritische Gegenöffentlichkeit mundtot zu machen. (Eine Chronologie der Ereignisse rund um die Haarmann-Fahne aus Sicht der Ultras Hannover: http://www.ultras-hannover.de/wordpress/wp-content/uploads/2012/10/Chronologie.pdf, Stand: 07.08.13, 14 Uhr)

Das Konzeptpapier „Sicheres Stadionerlebnis“

Schweren Herzens erklärte sich die Fanszene nach Gesprächen bereit, auf die Fahne zu verzichten, denn ein anderes großes fanpolitisches Thema warf bereits seine dunklen Schatten voraus. An den Fans vorbei sollte still und heimlich das sogenannte Konzeptpapier „Sicheres Stadionerlebnis“ verabschiedet werden. An dieser Stelle verzichten wir darauf, die kompletten Ereignisse und Proteste erneut zu thematisieren. Bei Interesse (und dieses sei jedem Leser ausdrücklich ans Herz gelegt) können alle Vorgänge im Detail unter www.12doppelpunkt12.de nachvollzogen werden. Nur durch eine koordinierte Aktion aller Fanszenen bis in die Amateurligen konnte zu dem Zeitpunkt die Umsetzung des ersten Entwurfs des Konzepts verhindert werden. „Unsere“ Vereinsführung hingegen bekleckerte sich in diesem Zusammenhang erneut nicht mit Ruhm. Fanvertretern wurde das Konzeptpapier sogar auf Nachfrage vorenthalten und eine Diskussion über dessen Inhalte wurde abgelehnt. Entgegen einer expliziten Aufforderung durch die Fans lehnte man das Konzeptpapier nicht ab sondern stimmte im Gegenteil in der überwiegenden Zahl der Anträge mit „Ja“. Fans können sich also glücklich schätzen, dass das Papier vor Abstimmung auf dunklen Kanälen seinen Weg an die Öffentlichkeit fand und durch monatelange Proteste schließlich deutlich entschärft werden konnte. Was bleibt ist das fanfeindliche Vorgehen unseres Vereins, dass uns erneut sprachlos zurückließ. (Kommentierte Erstfassung des Konzeptpapiers: http://www.ultras-hannover.de/wordpress/wp-content/uploads/2012/10/Kommentierte+Fassung+DFL+Endfassung.pdf , Stand: 07.08.13, 14 Uhr/ Stellungnahme der Ultras Hannover zur überarbeiteten Version: http://www.ultras-hannover.de/wordpress/wp-content/uploads/2012/11/Stellungnahme-zum-DFL-Konzeptpapier.pdf, Stand: 07.08.13, 14 Uhr)

Die verbalen Entgleisungen des Martin Kind – Teil 1

 In der Zwischenzeit stand das Auswärtsspiel beim VfL Wolfsburg an. Die Freude über einen der – was zu dem Zeitpunkt niemand wissen konnte – wenigen Auswärtssiege der Saison wurde allerdings durch Aussagen „unseres“ Präsidenten getrübt. Nachdem ein Teil der mitgereisten Fans den vor der Saison nach Wolfsburg gewechselten Emanuel Pogatetz mit unschönen aber in deutschen Fußballstadien sicherlich nicht untypischen Worten beleidigt hatten, ließ sich Martin Kind gegenüber der Presse dazu herab, von Teilen der Fans als „Arschlöcher“ zu sprechen. Dies allein ist sicherlich weniger dramatisch. Wer häufiger zum Fußball fährt, der ist auch etwas deftigere Sprache gewöhnt. Ob sich dies für einen Vereinspräsidenten gehört, ist natürlich eine andere Frage. Völlig daneben und in keinster Weise zu tolerieren waren aber die weiteren Aussagen Kinds in diesem Zusammenhang: „Da müssen wir prüfen, inwiefern wir Strafen und Stadionverbote aussprechen können, ohne dass man es im Einzelfall zu einhundert Prozent beweisen kann.“, ließ er sich zitieren (Quelle: http://www.reviersport.de/206558—h96-kind-will-strafen-ohne-100-prozentigen-beweis.html, Stand: 07.08.13, 14 Uhr). Eine Aussage die wir hinsichtlich des Gedankens an Recht und Gerechtigkeit unkommentiert lassen wollen, zumal es dazu eigentlich keine zwei Meinungen geben kann.

ACAB?

Zu Beginn der Rückrunde wandte sich die Gewerkschaft der Polizei (GdP) Niedersachsen an die vier niedersächsischen Profi-Vereine mit der Bitte, das Buchstabenkürzel ACAB (engl. All Cops are Bastards) im Stadion zu verbieten. Von den Vieren hielt es anfangs nur einer für nötig, auf das Anschreiben der Populisten von der GdP zu reagieren. Hannover 96 vermeldete in Person von Martin Kind umgehend die Hausordnung ändern und die Buchstabenkombination verbieten zu wollen (Quelle: http://www.tagesspiegel.de/sport/hannover-96-polizisten-beleidigen-verboten/7678086.html , Stand: 07.08.13, 14 Uhr). Dass besagtes Kürzel in der Vergangenheit so gut wie keine Verwendung in der Fanszene gefunden hatte, spielte keine Rolle. Stattdessen gab es ein erneutes willkürliches Verbot, mit dem man sich abzufinden hatte. Es kam also wie es kommen musste: aus Protest und Provokation wurde beim folgenden Heimspiel gegen Wolfsburg ein Transparent mit der entsprechenden Buchstabenkombination gezeigt. Als Ordner das Transparent entfernten, kam es zu einer Auseinandersetzung woraufhin ein Fan festgehalten wurde, da er die Begrenzung zum Stadioninnenraum überwand. Die entsprechende Fangruppierung entschloss sich daraufhin, geschlossen und friedlich das Stadion zu verlassen. Die Fans wurden daran allerdings von der Polizei gehindert. Mit welcher Begründung ist fraglich. Im Zuge dieser Maßnahmen soll auch ein gehbehinderter Fan, welcher mit Gehhilfen unterwegs war, von der Polizei angegangen worden sein. Es entwickelte sich eine weitere Auseinandersetzung, in die auch andere Fans eingriffen. In diesem Zusammenhang muss das Vorgehen der Polizisten kritisiert werden, die eine Fangruppe am friedlichen Verlassen des Stadions hinderten, äußerst aggressiv auftraten und auch Personen, die fixiert auf dem Boden lagen, mit Tritten und Schlägen traktiert haben sollen. Aber auch einige Fans setzten sich mit Mitteln zur Wehr, die weit über das gerechtfertigte Maß hinausgehen.

Achim und die verbalen Entgleisungen des Martin Kind – Teil 2

In der darauf folgenden Woche stand die Reise zum Auswärtsspiel nach Bremen auf dem Programm. Erwartungsgemäß machten sich zu diesem Freitagabendspiel viele Hannoveraner per Zug auf den Weg. Nur widerwillig setzte die Bahn einen Entlaster ein. Trotzdem waren sowohl dieser als auch alle Regelzüge gnadenlos überfüllt. Für die Bremer Innenstadt war per Allgemeinverfügung (Quelle: http://www.werder.de/media/native/fankurve/fanbrief_der_polizei_bremen_96.pdf, Stand: 07.08.13, 14 Uhr) ein Betretungsverbot für größere Gruppen von Gästefans erlassen worden. Die Anreise zum Stadion war lediglich vom Hauptbahnhof über die bereitstehenden Shuttle-Busse gestattet. Der Weg zum Hauptbahnhof, sprich die Wahl der Zugverbindung, war allerdings freigestellt. Aus diesem Grund verließ eine Gruppe von 434 Personen am Bahnhof Achim einen überfüllten Regionalexpress, um mit einem der folgenden Züge die Fahrt nach Bremen fortzusetzen. Laut Zeugenaussagen soll das Bahnpersonal auch zum Verlassen des Zuges und Umsteigen aufgefordert haben, da der zunächst genutzte Zug maximal überlastet war. Diese 434 Personen setzten sich aus großen Teilen der aktiven Fanszene aber auch zahlreichen Gelegenheitsfahrern bis hin zu Minderjährigen zusammen. Es wurde dieser Gruppe allerdings nicht gestattet, ihre Fahrt wie geplant fortzusetzen. Stattdessen wurde sie von eilig zusammengezogenen Polizeikräften noch auf dem Bahnsteig eingekesselt und zwei Feuerwerkskörper wurden gezündet. Vertreter der aktiven Fanszene riefen aber über ein mitgeführtes Megaphon alle Reisenden zur Ruhe auf, um die Reise in Kürze doch fortsetzen zu können. Diesem Aufruf wurde seitens der Fans Folge geleistet. Die Polizei jedoch verhinderte, dass die Fans einen der nachfolgenden Züge bestiegen, indem diese nicht mehr im Bahnhof Achim hielten. Stattdessen wurden alle 434 Personen gewaltsam in einen Zug gedrängt, der sie zurück nach Hannover bringen sollte. Während des gesamten Aufenthalts in Achim, der mehrere Stunden dauerte, waren sowohl Toilettengänge als auch Einkäufe von Nahrungsmitteln nicht gestattet. Stattdessen soll die Polizei die Betroffenen aufgefordert haben, in der Menschenmenge auf die Gleise zu urinieren. In Hannover angekommen wurden alle Personen einzeln in die Katakomben des Hauptbahnhofs geführt, um ihre Personalien abzugeben und fotografiert zu werden. Auch diese Maßnahme erstreckte sich über mehrere Stunden bis weit nach Mitternacht. Essen und Trinken wurde weiterhin nicht bereit gestellt und die selbstständige Beschaffung von Verpflegung wurde untersagt. Die Verweigerung von Toilettengängen sowie die Verwehrung von Getränken und Essen für sich in Gewahrsam befindliche Personen verstößt dabei gegen diverse Polizeigesetze und stellt einen erheblichen Eingriff in die Grundrechte der Betroffenen dar.

Bereits wenige Stunden nach diesen Vorfällen – am Samstag – verurteilte Martin Kind in einem Interview mit dem NDR das Verhalten der Fans (Quelle: http://www.ndr.de/regional/niedersachsen/oldenburg/randale201.html,Stand: 07.08.13, 14 Uhr). Ganz offensichtlich hatte er sich nicht über den wahren Ablauf der Ereignisse informiert. Stattdessen lobte er pauschal das harte Vorgehen der Polizei.

Im Verlauf meldeten sich auch viele Eltern von Minderjährigen, die von der Maßnahme betroffen gewesen waren, zu Wort und äußerten ihr Unverständnis und ihre Wut über das unverhältnismäßige und fragwürdige Vorgehen der Polizei. Als Reaktion auf die immer lauter werdende Kritik sollte es einen Informationsabend mit Vertretern von Polizei und Verein geben, um die Geschehnisse des Abends aufzuarbeiten. Der Polizeivertreter zeigte sich auf dieser Veranstaltung wenig einsichtig, musste sich aber von erbosten Eltern und Anwälten unangenehme Fragen gefallen lassen. Er gab jedoch auch an, dass gegen alle 434 Personen schwerwiegende Vorwürfe wie “Landfriedensbruch” erhoben und somit gegen alle Beteiligten Ermittlungsverfahren eingeleitet würden. Die überwiegende Zahl dieser Verfahren musste allerdings schon kurz darauf aufgrund von Haltlosigkeit der Anschuldigungen eingestellt werden. In der Tat ist uns aktuell nicht bekannt, ob überhaupt noch Verfahren in dieser Angelegenheit laufen.

Auf eine Entschuldigung Kinds wegen seiner undifferenzierten Worte vom Samstag und seinem bedingungslosen Gehorsam gegenüber dem Vorgehen der Polizei warten die Betroffenen bis zum heutigen Tag. Stellt sich also die Frage, was der Grund für das Vorgehen der Polizei war. Eine Gefahr ging von Seiten der Fans am Bahnhof Achim nicht aus. Ganz im Gegenteil wurde von Fanseite deeskalierend agiert. Es liegt also der Schluss nahe, dass es sich bei dem Vorgehen um eine gezielte Datensammelaktion der Ermittlungsbehörden handeln könnte. Dafür sprechen die Personalienfeststellungen und die Anfertigung von Fotos. Eine Maßnahme diesen Ausmaßes verdachtsunabhängig durchzuführen ist ein weiterer schwerwiegender Eingriff in die Grundrechte der 434 betroffenen Personen. Dass Martin Kind dieses Vorgehen pauschal und unkritisch stützt, anstatt sich als Vereinspräsident zunächst bei Fanvertretern direkt oder gegebenenfalls über das Mittel der Fanbetreuung detaillierte Informationen einzuholen, ist ein weiterer kaum zu entschuldigender Fehltritt. Darüber hinaus gelten die Vorfälle von Achim wider besseren Wissens in der hannoverschen Presselandschaft nach wie vor als Beleg für ausufernde Fangewalt und die Bundespolizei Bremen rühmt sich in einer die Wahrheit verzerrenden Pressemitteilung auf ihrem Presseportal noch immer mit ihrem „konsequenten Handeln“ (Quelle: http://www.presseportal.de/polizeipresse/pm/70255/2409020/bpol-hb-abschlusspressemitteilung-fussballfans-von-hannover-96-behindern-bahnverkehr, Stand: 07.08.13, 14 Uhr). Auch diese Zustände sind entschieden zu kritisieren.

Martin Kinds „Selektive Kollektivstrafe“

Doch damit nicht genug. Bereits kurz zuvor hatte das Ticketing von Hannover 96 angekündigt, für das Europapokal-Heimspiel gegen Anschi Machatschkala die Preise im Rote Kurve-Block (Mittelteile von N16 und N17), in dem sich große Teile der aktiven Fanszene einfinden, um 5 Euro anzuheben, während sie im Rest des Stadions unverändert blieben. Martin Kind sprach in diesem Zusammenhang von einer „selektiven Kollektivstrafe“ (Quelle: http://www.rotekurve.de/2013/02/stellungnahme-zur-fanrunde-am-11-02-2013/, Stand: 07.08.13, 14 Uhr) und kam zu der Einschätzung „Kollektivstrafen sind manchmal nötig“ (Quelle: http://www.spiegel.de/sport/fussball/kollektivstrafe-96-fans-muessen-hoehere-eintrittspreise-zahlen-a-878868.html, Stand: 07.08.13, 14 Uhr). Bestraft werden sollte hierbei die Anwendung von Pyrotechnik (ebd.). Bedenklich hierbei ist, dass eine große Masse von Fans, nämlich alle in den entsprechenden Blöcken, für die „Taten“ einiger weniger in Haftung genommen werden sollen. Dass diese Art von Kollektivstrafe rechtlich wie moralisch fragwürdig ist, ist offensichtlich. Darüber hinaus machten die Ultras Hannover kurz darauf öffentlich, dass es eine geheime Absprache mit Martin Kind gegeben haben soll, die das Zünden von Pyrotechnik in einem gewissen Rahmen (fünfmal pro Saison plus einmal nach Abpfiff beim letzten Saisonspiel) „gestatten“ sollte, ohne dass Kind dafür spezifische auf das hannoversche Umfeld bezogene Strafen umsetzt (Quelle: http://www.goal.com/de/news/827/bundesliga/2013/02/11/3743467/pyro-absprachen-zwischen-96-und-den-ultras-hannover, Stand: 07.08.13, 14 Uhr). Dieser Kompromiss kam über einen Mittelsmann im Verein zustande. Selbst wenn Martin Kind diese Absprache nicht bekannt war, wie er später behauptete, so muss er sich zumindest Fragen über die Arbeit seiner Mitarbeiter und Angestellten, die diese Abmachung aushandelten, gefallen lassen. Fakt ist jedenfalls, dass sich die Fanszene in der Vergangenheit an die Vorgaben gehalten hat und bis heute hält, auch wenn die Vereinbarung einseitig von Martin Kind aufgekündigt worden ist. Wer Art und Umfang von Pyro-Aktionen der hannoverschen Fanszene genauer betrachtet, dem wird darüber hinaus bewusst, dass sich die Häufigkeit (sechsmaliger Einsatz von Pyrotechnik bei 49 bzw. 50 Spielen in den letzten zwei Spielzeiten siehe „geheime“ Vereinbarung) sehr in Grenzen hält. Außerdem hält man sich in Hannover an die selbst auferlegten Grundsätze zum sicheren Umgang mit Pyrotechnik der Initiative „Pyrotechnik legalisieren – Emotionen respektieren“ (www.pyrotechnik-legalisieren.de). Warum diese Thematik gerade in Hannover immer wieder die Gemüter der Offiziellen derart erregt, ist daher nicht ersichtlich. Die Sinnlosigkeit und Kurzsichtigkeit der Maßnahme Kollektivstrafe wurde unterdessen dadurch ersichtlich, dass sich die Fanszene für das Anschi-Spiel geschlossen einen anderen Block in dem an diesem Abend mehr als schlecht gefüllten Niedersachsenstadion suchte. Erschreckend viele Plätze, selbst ganze Blöcke, blieben bei diesem Europapokal-Sechzehntelfinale – immerhin erst dem zweiten der Vereinsgeschichte – unbesetzt.

Kurz darauf wandten wir uns mit einem Offenen Brief an Martin Kind, indem wir unseren Unmut über sein Vorgehen mitteilten und Anregungen gaben, wie das Verhältnis unserer Meinung nach zu verbessern sei. Diesen Brief unterzeichneten über 1800 Fans. Vom Schulkind bis zum Rentner. Von der Nord- bis zur Südtribüne. Seine Antwort zeugte von der völligen Ignoranz der Schwierigkeit der Lage und dem völligen Desinteresse an einer ernsthaften Auseinandersetzung mit Faninteressen (Offener Brief, Unterstützerunterschriften und Kinds „Antwort“ sind nachzulesen unter: www.brief-an-kind.de).

Die verbalen Entgleisungen des Martin Kind – Teil 3

 Den nächsten Fehltritt leistete sich Vereinspräsident Martin Kind, als er Hannover 96 auf einer Veranstaltung des elitären „Fanclubs“ „Rote Reihe“ als „Scheißverein“ bezeichnete und damit das Gelächter der honorigen Gesellschaft aus hannoverscher High Society auf seiner Seite hatte. „Scheißverein“ wohl gemerkt nur, bis er selbst – Martin Kind – vor mittlerweile über 17 Jahren das Ruder übernahm (Quelle: http://www.haz.de/Nachrichten/Sport/Fussball/Hannover-96/Martin-Kind-Hannover-96-ist-ein-Scheissverein-gewesen, Stand: 07.08.13, 14 Uhr). Wieder einmal solch eine Aussage von unnachahmlicher Kurzsicht. Nicht nur verleugnete er damit die – bisher einzig vorweisbaren – Titelgewinne (nämlich die Meisterschaften ’38 und ’54 sowie den Pokalsieg ’92), die Amateurmeisterschaften der Jahre ’60, ’64 und ’65 sowie zahlreiche Erfolge im Badminton und der Leichtathletik. Auch zieht er das Engagement von tausenden Ehrenamtlichen und Aktiven in den Dreck, die den Verein in seiner mehr als hundertjährigen Tradition mit Herzblut aufgebaut und geformt haben.

Die verbalen Entgleisungen des Martin Kind – Teil 4 und 5

Nachdem Martin Kind den Ultras Hannover die Nutzung der Container im Stadion genauso verboten hatte wie die Vorbereitung der großen Choreos oder das Zeigen kritischer Spruchbänder, hatten diese schon bald verkündet, in Zukunft den Gesprächen mit dem Verein fernzubleiben. Bald darauf gab auch die Rote Kurve, der über 5000 Mitglieder zählende Fandachverband, bekannt, keine Grundlage mehr für Gespräche mit der Führungsriege von Hannover 96 zu sehen. Im letzten Gespräch mit Martin Kind leistete sich dieser noch einmal Ungeheuerliches. Verdienten Fanvertretern, die teilweise seit Jahrzehnten kein Heimspiel der Roten mehr verpasst hatten, soll er nahe gelegt haben, sich ein neues „Hobby“ zu suchen. Dem Vorstand der Roten Kurve schlug er vor, künftige Verbandsstrafen durch persönliche Bürgschaften zu begleichen. Es wurde also deutlich, dass er den Weg der Kollektivstrafen bei gleichzeitigem Versuch der Haftbarmachung von Fanvertretern weitergehen wollte. Zudem wurde ein Maßnahmenkatalog öffentlich, den die Vereinsführung zur Umsetzung bereithielt (Der Maßnahmenkatalog sowie Stellungnahmen von Fanvertretern zur Thematik finden sich im RK-Magazin Nr. 36:http://www.rotekurve.de/upload/RK-Magazin_36.pdf#page=30, Stand: 07.08.13, 14 Uhr; siehe auch Protokoll der Fanrunde vom 11.02.13: https://briefankind.files.wordpress.com/2013/07/protokoll-der-fanrunde-vom-11-02-13.pdf, Stand: 07.08.13, 14 Uhr). Im Maßnahmenkatalog zu finden war auch eine Drohung, den privat bewirtschafteten Fanladen an der Clausewitzstraße, der auch die Geschäftsstelle des Rote Kurve e.V. beherbergte, zu kündigen. Auch in der Vergangenheit waren den Betreibern schon ohne vorherige Ankündigung durch 96 Ticketkontingente entzogen oder vorenthalten worden, sodass man unter Einnahmeausfällen zu leiden hatte. Auf diese Art und Weise der Willkür ausgesetzt und in ihrer Existenz bedroht, sahen die zwei Betreiber des Ladens keine andere Möglichkeit, als den Laden von sich aus zu schließen. Konsequenz: zwei Arbeitslose! Einer davon junger Familienvater. Darüber hinaus fiel in kürzester Zeit die Anlaufstelle von tausenden Fans weg, wenn es darum ging Eintrittskarten oder Auswärtsfahrten zu organisieren. Die Fanbetreuung fand im Fanladen in der Clausewitzstraße so direkt, unkompliziert und persönlich statt, wie es Hannover 96 nicht wird organisieren können. Auch wenn Martin Kind, so auch auf der Hannover 96-Mitgliederversammlung, gerne immer wieder betont, dass die Betreiber des Fanladens von sich aus ihr Geschäft einstellten, was er persönlich sehr bedauerlich fände, so war einzig und allein die Bedrohung durch die Willkürmaßnahmen der Vereinsführung hierfür ausschlaggebend.

Dass derlei Vorgehen kein Einzelfall darstellte, beweist der Fall eines Rote Kurve-Beirat-Mitglieds. Dieses, angestellt bei einem Großsponsor von Hannover 96, traf auf einer Veranstaltung auf Martin Kind und kam mit ihm ins Gespräch. Kind soll hierbei gedroht haben, dessen Arbeitgeber, zu dem Kind guten persönlichen Kontakt habe, über das Engagement des RK-Aktiven in der Fanszene zu informieren… Kein Kommentar!

Die Schließung des Fanladens und die Drohungen seitens der Vereinsführung gegen Aktive der Roten Kurve (sei es die Denunziation oder die Haftbarmachung für Verbandsstrafen) führten schließlich dazu, dass der Rote Kurve e.V. auf seiner Mitglieder-Versammlung am 17. April beschloss, den e.V. zum Ende des Jahres 2013 aufzulösen (Quelle: http://www.rotekurve.de/2013/04/mitgliederversammlung-vom-17-04-2013/, Stand: 07.08.13., 14 Uhr / Protokoll der Mitgliederversammlung: http://www.rotekurve.de/wp-content/uploads/Protokoll-MGV-RK-2013.pdf, Stand: 07.08.13, 14 Uhr). Die Führung von Hannover 96 hat somit die Zerschlagung dieses über 5000 Mitglieder zählenden Vereins der Faninteressenvertretung zu verantworten. Die aktive Fanarbeit geht allerdings weiter. Zwar nicht als eingetragener Verein sondern über viele kleinere und größere persönliche Initiativen, die sich immer wieder neu orientieren und erfinden können, um verschiedene Projekte der Fanarbeit zu realisieren. Martin Kind und der Rest der Vereinsführung haben mit den Ultras und der Roten Kurve ihre wichtigsten Ansprechpartner in der Fanszene verloren und sich dabei alle Türen selbst zugeschlagen, abgeschlossen und die Schlüssel weggeworfen. Herzlichen Glückwunsch! Fraglich ist darüber hinaus, wie sich Martin Kind in diesem Punkt an die Lizenzierungsordnung der DFL halten kann. Diese verlangt in §5 Abs. 11 von der Vereinsführung, „sich nach besten Kräften zu bemühen, mit Vertretern seiner organisierten Fanszene einen offenen, regelmäßigen und verbindlichen Dialog zu etablieren“ (Quelle: http://static.bundesliga.de/media/native/autosync/lizenzierungsordnung_lo_2012-12-13_stand.pdf, Stand: 07.08.13, 14 Uhr). Nach aktuellem Stand sind derartige Bemühungen nicht erkennbar!

Kinds Kampf gegen 50+1

Aber auch abseits der fanpolitischen Themen machte Martin Kind als Vereinspräsident alles andere als eine gute Figur. Es ist bekannt, dass er seit langer Zeit an der Abschaffung der 50+1-Regel arbeitet. Diese Regel verhindert, dass Unternehmen oder Einzelpersonen die Stimmenmehrheit an den Kapitalgesellschaften übernehmen, in die die Fußballabteilungen der deutschen Profivereine in der Regel ausgegliedert sind. Vereinsfremde Anteilseigner können somit derzeit nicht nach Belieben schalten und walten, sie sind – zumindest auf dem Papier – von den Entscheidungen des e.V. abhängig. Die Kapitalmehrheit darf hingegen schon heute in der Hand privater Investoren liegen. Bei Hannover 96 betrifft dies alle Mannschaften von den Profis bis zur C-Jugend, die aus dem e.V. herausgelöst und in der „Hannover 96 GmbH & Co. KGaA“ zusammengefasst wurden.

Nach einem Urteil des Ständigen Lizenzliga-Schiedsgerichts steht Kind mit diesem Vorhaben jetzt auch kurz vor dem Erfolg (Quelle: http://www.zeit.de/sport/2011-08/vereinsuebernahmen-fussball-hannover96, Stand: 07.08.13, 14 Uhr). Bei der Deutschen Fußball Liga wurde ein entsprechender Antrag eingereicht, der in Kürze auf einer DFL-Mitgliederversammlung behandelt werden soll. Mit einem „Konsensmodell“ (Quelle: http://www.hannover96.de/CDA/fileadmin/_recycler_/Zusammenfassung_Konsensmodell_Hannover_96.pdf, Stand: 07.08.13, 14 Uhr) wirbt Kind für die Abschaffung der 50+1-Regel und führt die Beispiele Hoffenheim, Leverkusen und Wolfsburg als Vorbilder an. Demnach sollen Unternehmen, Gruppen und Einzelpersonen, die sich länger als 20 Jahre in einem Verein engagieren, künftig auch die Stimmenmehrheit an den Kapitalgesellschaften übernehmen können. Konkret ist für das Jahr 2018 von Kind der Verkauf der im e.V. noch verbliebenen Kapitalanteile und des Stimmrechts an der aus dem Verein ausgegliederten Profiabteilung geplant.

Bereits jetzt halten Martin Kind und seine Mitgesellschafter mittelbar mit 86 % einen Großteil der Kapitalanteile. Die Geschäftsführung – und damit das alleinige Stimmrecht – obliegt hingegen durch das gewählte Modell einer GmbH & Co. KGaA nach wie vor dem e.V., womit die 50+1-Regel gewahrt wird. Da Martin Kind in Personalunion jedoch sowohl der Vorsitzende des e.V. als auch der Geschäftsführer aller Gesellschaften und zudem der federführende Investor ist, ist diese Unterscheidung derzeit hinfällig.

Den Bedenken, dass sich Fremdinvestoren bei Hannover 96 einkaufen könnten, wie es bei zahlreichen Vereinen im Ausland der Fall ist, tritt er mit dem Argument entgegen, dass in Deutschland das erwähnte zwanzigjährige Engagement nachgewiesen werden muss und die Investoren im Fall von Hannover 96 eng verbunden mit dem Verein und der Stadt und Region Hannover seien. Zahlreiche Prüfmechanismen sollen verhindern, dass Investments kurzfristig und wettbewerbsverzerrend platziert werden. Aber warum überhaupt soll die bestehende Regelung, die dazu geführt hat, dass in Deutschland vergleichsweise solide gewirtschaftet wird, aufgeweicht werden und der deutsche Profifußball für potentiell risikobehaftete Investments geöffnet werden? Ist die Axt erstmal angesetzt, wer garantiert, dass nach Kind nicht andere Kläger die vermeintlichen Sicherheitsmechanismen auf dem Rechtsweg überwinden oder andere Schlupflöcher finden?

Von so einem Schlupfloch profitiert nämlich auch die Gesellschaftergruppe um Kind. Betrachtet man das Geschäftskonstrukt, das die Übernahme bei 96 anstrebt, nämlich genauer, wird der Haken an der Sache offensichtlich. Nicht alle Investoren der Gruppe können das zwanzigjährige Engagement nachweisen. Allerdings wurde 1998 eine Holding – die „Hannover 96 Sales & Service GmbH & Co. KG“ – gegründet, die die Investorenanteile an der Lizenzspielerabteilung hält. Im Zuge der Umstrukturierungen bei Hannover 96 in den wirtschaftlich schwierigen Zeiten Ende des vergangenen Jahrhunderts erwarb diese Holding die Markenrechte vom Verein und beteiligte sich an der neuen Gesellschaft, was den hochverschuldeten e.V. sanieren und dessen Haftung beschränken sollte. Eben diese Holding kann im Jahre 2018 die zwanzigjährige Aktivität nachweisen. Die Gesellschafter dieser Holding haben in dieser Zeit jedoch mehrfach gewechselt. Die heute wichtigsten Gesellschafter neben Martin Kind sind erst seit wenigen Jahren aktiv. Erst im vergangenen Jahr kamen die neuen Großinvestoren Roßmann und Meyer hinzu, die zusammen 45% der Anteile an dieser Holding halten, und bis dahin nicht für ihr Engagement in erheblichem Umfang durch Sponsoring o.ä. bekannt waren. Die Anteile an dieser Holding sind mehr oder weniger frei veräußerlich. Einer Fremdübernahme steht somit eigentlich nichts im Wege (Quelle: http://www.wallstreetjournal.de/article/SB10001424127887324474004578446593596071254.html, Stand: 07.08.13, 14 Uhr). Kind argumentiert, dass die anderen Investoren ein Vorkaufsrecht haben, sollte einer der Anteilseigner seine Anteile verkaufen wollen. Nun sind die Investoren aber überwiegend im fortgeschrittenen Alter. Zudem halten sie die Anteile nicht grundsätzlich als Privatpersonen sondern zumindest teilweise – wie zum Beispiel im Fall von Dirk Roßmann – über Beteiligungsgesellschaften, welche wiederum mit ihren eigenen Unternehmen verknüpft sind (Quelle:http://www.wallstreetjournal.de/article/SB10001424127887324474004578446582953853460.html, Stand: 07.08.13, 14 Uhr). Was passiert also, wenn eines der im Hintergrund stehenden Unternehmen in Schieflage gerät? Was passiert, wenn – wie es zwangsläufig passieren muss – einer der Investoren irgendwann das Zeitliche segnet? Wer garantiert, dass die Anteile an Hannover 96 nicht zum Spielball von Erbstreitigkeiten werden? Wer garantiert, dass die Anteile nicht Teil einer Insolvenzmasse werden? Wer garantiert, dass eventuelle Erben die gleichen vermeintlich redlichen Ziele verfolgen wie ihre Väter oder Großväter und ihr Erbe und damit die Existenz des Hannoverschen Sportvereins von 1896 bewahren? Um zu wissen, was hierzu im Gesellschaftsvertrag der Holding steht, müsste man diesen einsehen. Auch die im „Konsensmodell“ erwähnten Prüfmechanismen stellen keine Sicherheiten dar, sondern lediglich eine Einschränkung eines neuen vorher nicht existenten Risikos. Für den Bestand dieser Einschränkung gibt es darüber hinaus keine Garantie.

Hannover 96 ist zudem mehr als nur die Profi-Fußball-Sparte. Was wird aus den Angeboten und dem Leben des Gesamtvereins, wenn erst die Investoren das Sagen haben und der lukrative Profifußball ohne das lästige Anhängsel einer Vereinsstruktur auskommt?

Warum macht man nicht weiter wie bisher? Kind sagt hierzu, dass ein Investor über sein eingesetztes Kapital bestimmen möchte, was ohne Stimmrechte jedoch nicht möglich sei. Unter diesen Voraussetzungen sei niemand dazu bereit, in Hannover 96 zu investieren. Es geht also um Machterhalt und darum, sich nicht mehr vor einer Mitgliederversammlung verantworten und von dieser wählen lassen zu müssen. Es stellen sich zwangsläufig die Fragen, warum dennoch bereits im letzten Jahr eine massive Kapitalerhöhung innerhalb der bestehenden Strukturen durchgeführt werden konnte und welchen Wettbewerbsvorteil Hannover 96 letztlich hat, wenn allen anderen Bundesligisten auf diesem Wege prinzipiell ebenfalls mehr Geld zur Verfügung stünde.

Zu groß sind die Risiken, die sich mit dem Wegfall der 50+1 Regel für den Traditionsverein Hannover 96 ergeben. Erfolgreiches Wirtschaften kann und muss auch mit Erhalt der traditionellen Vereinsstrukturen möglich sein. Positives Gegenbeispiel zu Kinds Plänen stellt z.B. Borussia Dortmund dar, das in derselben Gesellschaftsform organisiert ist wie Hannover 96, und im Rahmen der Diskussionen um 50+1 in seiner Vereinssatzung die Unveräußerlichkeit der Stimmrechte an der eigenen Profigesellschaft festgeschrieben hat. Demokratische Kontrolle ist der Grundpfeiler einer gesunden sportlichen und wirtschaftlichen Entwicklung. Niemand kann und will wohl Investitionen und Sponsoring verbieten oder abschaffen. Vereinsstrukturen dürfen aber nicht völlig aus dem deutschen Profisport hinausgedrängt werden. Daher gilt auch und vor allem in diesem Punkt, dass Martin Kind mit seinen Vorhaben gestoppt und die 50+1-Regel zum Schutz der Vereine erhalten und gestärkt werden muss.

Fazit

Die Verfehlungen Kinds und der übrigen Führungsriege bei Hannover 96, die unter Kinds Regie agiert, sind vielfältig und in ihrem Ausmaß derzeit wohl einmalig im deutschen Profifußball. Ein differenzierter Umgang mit Faninteressen ist in Hannover nicht mehr zu beobachten. Kind hat durch seine Willkürmaßnahmen jegliche Grundlage für Gespräche vernichtet. Sein Umgang mit der Gesamtheit der Fans und auch mit einigen herausstechenden Einzelpersonen war an Respektlosigkeit und Geschmacklosigkeit nicht zu überbieten und seiner Rolle als Präsident des Hannoverschen Sportverein von 1896 nicht würdig. Freie und kritische Meinungsäußerung wird im Niedersachsenstadion verboten und mit allen Mitteln bekämpft. Die Differenzen zwischen Fanszene und Vereinsführung gehen weit über das Normalmaß an Meinungsverschiedenheiten hinaus. Vielmehr machen sie eine weitere Zusammenarbeit unmöglich. Hinzu kommen die Bestrebungen Kinds und seiner Gesellschaftergruppe, die Vereinsstruktur bei Hannover 96 auszuhebeln und damit das Gesamtbild Hannover 96 nachhaltig zu verändern und unwiederbringlich zu schädigen. Dieses vereinsschädigende Verhalten wiegt noch viel schwerer als all die persönlichen Verfehlungen Kinds gegenüber der Fanszene, denn es bedroht die Basis unseres Fantums – den Verein!

Die Alternative Amateurfußball

2 Aug

An diesem Wochenende beginnt die neue Spielzeit in der Regionalliga-Nord, in der sich auch die Amateure von Hannover 96 zu beweisen haben. Unser Team hat sein erstes Spiel zwar erst nächstes Wochenende, aber wir wollen euch schon heute auf das etwas andere Fußballerlebnis Amateurfußball aufmerksam machen.

Der Autor dieses Gastbeitrags, Niki, hat in der vergangenen Saison neben allen Spielen der Profimannschaft auch noch einen Großteil (der nach Ansetzung möglichen) Partien der Amateure besucht. Über seine Eindrücke berichtet er hier.

2013-04-19-0152Sandstrand in Wilhelmshaven

Gegen den modernen Fußball!“, eine Äußerung, die einem in der letzten Zeit immer häufiger zu Ohren kommt. Doch was ist der moderne Fußball, warum hegt man Antipathien gegen ihn und was für Alternativen gibt es?

In sportlicher Hinsicht zählt der moderne Fußball, den man besonders in Europa momentan zu sehen bekommt, sicherlich zu den attraktivsten Sportarten dieser Welt. Schnell, dynamisch und auf besonders hohem Niveau. Doch warum findet sich bei einer wachsenden Zahl von Anhängern dann eine solche Abneigungen gegen diesen Sport? Oder ist diese eher gegen andere Facetten des Profifußballs gerichtet?

Gerade in der aktuellen Zeit beweist der Fußball in den oberen deutschen und europäischen Ligen, dass dieser immer mehr ein Unterhaltungsevent einer Premium-Marke ist und nicht mehr der Volkssport, den er früher einmal dargestellt hat. Daraus stellt sich die Frage, an welchem Punkt der erste Schritt auf dem Weg vom Traditionsverein zur Premium-Marke ist? – Bei der Umwandlung einer Fußballmannschaft in ein Wirtschaftsunternehmen! Hier werden dann Punkte wie Marketing und Merchandising wichtiger als die Bewahrung von Traditionen, die den Verein überhaupt erst dahin gebracht haben, wo er heute steht. An erster Stelle steht nun das Geld. Wenn der Betrag hoch genug ist, wird der Stadionname, die Trikotfarbe und in besonders schlimmen Fällen auch der Name, das Wappen oder die Farben des Vereins geändert.

Aus einem normalen Fußballstadion mit günstigen Stehplatzrängen, die den Fans gewisse Freiheiten bieten, werden moderne Hochsicherheitsarenen, in denen am besten jeder seinen festen personalisierten Sitzplatz einnimmt und dabei jede Sekunde von einer Kamera überwacht wird. Da es auch im Stadion in erster Linie um die Vermehrung des Kapitals geht, wird jede freie Fläche an irgendein privates Unternehmen verkauft, welches dann für sein Getränk, seine Versicherung oder sein zweifelhaftes Geflügelfleisch werben kann.

Selbst bei den menschlichen Grundbedürfnissen ist die Profitgier ausgereift. In diversen Stadien der oberen europäischen Ligen ist es den Zuschauern untersagt, Speisen und Getränke mit in das weite Rund der Arena zu nehmen. Stattdessen wird ihnen an den vielen Verkaufspunkten der halbe Liter Bier für vier bis fünf Euro und die Stadionwurst für weitere drei Euro angeboten. Hinzu kommen natürlich noch die Eintrittspreise, bei denen eine vierköpfige Familie für durchschnittliche Sitzplätze einen dreistelligen Betrag löhnen muss. Dabei ist auch noch die Leibesvisitation am Stadioneingang inklusive, die es einer ganz normalen Person von nebenan, durch Ordnerweste gekennzeichnet, erlaubt, andere Personen am ganzen Körper zu berühren und den privaten Inhalt ihrer Taschen zu durchsuchen. In Hannover hat man, sofern man seine Karte für bestimmte Blöcke des Stadions hat, mittlerweile auch noch das Glück, diese Prozedur gleich zwei Mal über sich ergehen zu lassen. Bei der zweiten Durchsuchung darf natürlich ein Metalldetektor auch nicht fehlen. Zuvor durfte man sich noch in eine überfüllte Straßenbahn quetschen oder einen überteuerten Parkplatz in Stadionnähe nutzen, wobei man ständig unter den strengen Augen diverser vollgepanzerter Hundertschaften steht, die den Eindruck verschaffen, man stünde kurz vor einem Bürgerkrieg. In verschiedenen Situationen machen die Polizisten auch noch von ihrem fadenscheinigen Recht Gebrauch, ganzen Personengruppen von über 100 Leuten ein Platzverbot auszusprechen, beziehungsweise ihnen zu verbieten, einen bestimmten Ort zu verlassen. Man denke hierbei vor allem an das Heimspiel gegen Brügge.

Wer von diesen ganzen Umständen noch nicht abgeschreckt genug ist, macht sich zusätzlich noch auf den Weg, seine Mannschaft bei Auswärtsspielen zu begleiten. So etwas wie Gastfreundschaft scheint es aber bei diesen „Events“ nicht zu geben. Es gibt vorgeschriebene Anreisewege in überfüllten Zügen und Bussen, oft keine Möglichkeiten, sich während der Fahrt mit Nahrung und Getränken auszustatten und ausreichende Sanitäranlagen sind hierbei im Normalfall auch nicht vorhanden. Wenn man dann die Arena erreicht hat, sieht man sich den üblichen Kontrollen gegenüber gestellt. Durch diese soll unter anderem verhindert werden, verbotene Pyrotechnik oder Fahnen mit ins Stadion zu nehmen. Da das Thema rund um Feuerwerkskörper im Stadion schon genug thematisiert wurde, will ich es hier mal außen vor lassen. Die Thematik rund um die Fahnen jedoch nicht. Jeder Verein nutzt eine Fankurve, die voll mit Fahnen ist, für eigene Werbe- und Marketingzwecke, lobt das schöne Bild und die sensationelle Stimmung und sorgt dafür, dass die Fernsehkameras das auch alles mitschneiden. Auf der anderen Seite ist es Auswärtsfans in den meisten Fällen vorgeschrieben, wie viele Fahnen welcher Größe sie mitnehmen dürfen, worin sich ein klarer Widerspruch zu den Ambitionen der Vereine finden lässt. Ganz abgesehen davon, dass es zu nahezu kompletten Materialverboten (ausgenommen Trikots und Schals) nach vermeintlichem Fehlverhalten der Fans kommen kann. Dass diese Verbote eigentlich sinnlos sind, zeigt sich jedes Wochenende wieder, wenn ein Block mit vermeintlichem Materialverbot den ganzen Zaun vollhängt oder sogar Blockfahnen hochzieht.

Bei dieser Thematik darf aber auch das Problem der Kollektivstrafen nicht vergessen werden. Bestraft werden meist ganze Blöcke, beziehungsweise ganze Anhängerschaften eines Vereins, da es der Strafverfolgung nicht möglich ist, die „schuldigen“ Personen zu identifizieren. Dies wäre genau so, als würde man einer kompletten Belegschaft eines Betriebes den Lohn streichen, weil eine oder zwei Personen während ihrer Schicht geraucht haben. Wie groß der mediale Aufschrei in so einer Situation wäre, kann sich jeder vorstellen, aber so lange es nur bei Fußballfans passiert, trifft es doch bestimmt die Richtigen…

Will man nach dem Spiel die entspannte Rückreise antreten, ist man beim Profifußball leider auch fehl am Platz. So besteht, wie auf der Hinfahrt, meist eine Einschränkung in der Wahl des Reisemittels, der -route und des -zeitpunktes. Desweiteren hat es sich wohl gerade in Hannover etabliert, dass die hannoverschen Fußballfans von einer Armada von Polizeikräften am heimischen Hauptbahnhof erwartet werden, sodass teilweise der komplette Ernst-August-Platz von vermeintlichen Ordnungshütern besiedelt wird.

Doch warum tun sich so viele Personen diese Schikanen Woche um Woche wieder an? Zum einen ist dies damit zu begründen, dass diese Jungs und Mädels sich nicht einfach unterdrücken lassen und einen Gegenpol zur aktuellen Entwicklung stellen wollen. Zum anderen macht jede Reise trotz allem noch Spaß, solange man mit den richtigen Leuten unterwegs ist.

FCO (3)Zu Gast beim FC Oberneuland

Doch wo kann man diesen Volkssport noch sehen, von dem ich eingangs sprach? Wohin kann man gehen, wenn man eine tiefe Verbundenheit zu einem bestimmten Verein verspürt, aber sich lösen will von albernen Halbzeitspielchen, dauerhaften akustischen und visuellen Werbebotschaften und eskalierenden Stadionsprechern? Wer diesen ganzen negativen Begleiterscheinungen des „modernen Fußballs“ – vielleicht auch nur zeitweise – entfliehen möchte, dem sei der Amateurfußball ans Herz gelegt. In unserem Fall kann man dort in der vierten Liga, also der Regionalliga Nord, unsere Amateure Woche für Woche im „heimischen“ Stadion in Ricklingen (wobei hier klargestellt werden sollte, dass die Nachwuchskicker in das Eilenriedestadion gehören) oder in kleineren Sportstätten in Norddeutschland antreten sehen. Bei Heimspielen beträgt der günstigste ermäßigte Eintrittspreis faire 2,50€. Obwohl man sich hier leider auch einem immer größer werdenden Sicherheitswahn gegenübersieht (Fahnen- und Personenkontrollen am Eingang, Sperrung der Sitzplätze direkt hinter der Trainerbank der Gastmannschaft und strikte Fantrennung), ist die Atmosphäre doch eine ganz andere, einem Spiel mit 500 Leuten beizuwohnen, von denen man mindestens die Hälfte wenigstens vom Sehen her kennt. Durch die Nähe zum Spielfeld hören die Spieler es auch, wenn man ihnen Lob oder Kritik zuruft, was für zusätzlichen Ansporn sorgen kann.

Noch attraktiver als ein Heimspiel der Amateure ist es, die Mannschaft bei ihren Auswärtsspielen zu begleiten – wenn es die Terminierung zulässt und sich keiner beim NFV (Norddeutscher Fußball-Verband) oder der Polizei für die kurzfristige Verlegung von Spielen einsetzt. Hierbei finden sich meistens die gleichen bekannten Gesichter zusammen, die in einer Gruppe von zehn bis sechzig Leuten, je nach Attraktivität der Reise, des Gegners und des Stadions, zu den Spielen fahren. Bereits im Zug merkt man dann schon die riesigen Unterschiede zu den Auswärtsspielen der ersten Bundesliga. Wenn man nicht gerade in den Berufsverkehr gerät, gibt es kein Gedränge, kein Geschubse und für jeden einen Sitzplatz. Desweiteren steht man oftmals nicht unter den strengen Augen der Staatsmacht, die zusätzlich für noch weniger Platz in vollen Zügen sorgt. Die Reiseroute ist frei wählbar und wenn man keine Lust auf Shuttlebusse hat, läuft man eben zu Fuß, wie es in einem Land mit Meinungs- und Bewegungsfreiheit eigentlich sein sollte. Wenn man an einem Bahnhof noch einkaufen möchte, kann man das, solange die Zeit es zulässt, unbeirrt tun, genauso wie das Aufsuchen sanitärer Anlagen. Am Stadion angekommen kann man sich ohne Probleme mit Eintrittskarten (zumeist zu humanen Preisen) eindecken und nach eher kurzen Personendurchsuchungen dieses auch betreten. Der Mitnahme von Speisen und Getränken (in weniger gefährlichen Behältnissen) steht hier im Normalfall auch nichts im Wege. Sonst gibt es im Stadion im Regelfall auch die Möglichkeit, sich für 2€ ein Bier oder für 1,50€ eine Bratwurst zu kaufen, was in etwa der Hälfte des Preises in einer Profiarena entspricht. In der Sportstätte finden sich insgesamt meist eine drei- bis vierstellige Zahl Zuschauer ein. Sensationsgeiles, konsumorientiertes Eventpublikum wird man hier nur in besonderen Ausnahmen antreffen. Fahnen können ohne Probleme am Zaun aufgehängt werden und oft kann sich relativ frei im Stadion bewegt werden, wie zum Beispiel vor ein paar Monaten in dem eigentlich schon relativ modernen, dennoch sehr schönen Jadestadion in Wilhelmshaven. Aber auch Stadien wie das Emslandstadion in Meppen oder das Hoheluft Stadion in Hamburg, das ja auch bald mit den Profis besucht werden darf, sind hierbei als schönere Stadien zu erwähnen.

2013-04-24-0194Stadion Hoheluft Hamburg

Nach dem Spiel ist es für die Mannschaft selbstverständlich, bis an den Block zu kommen, um sich persönlich bei den Mitfahrern zu bedanken, dass sie die teilweise „weite“ Anreise nach Wilhelmshaven oder Kiel auf sich genommen haben, nur um sie spielen zu sehen und zu unterstützen. Hier entwickelt man auch schnell einige Kontakte zwischen Fans und Spielern. So ist es auch nicht unwahrscheinlich, dass die Spieler fragen wann man mal wieder mit auswärts fahren kann oder man sich über Sachen unterhält, die gerade nicht so gut laufen. So letzte Saison beim Spiel in Hamburg gegen die zweite Delegation von St. Pauli geschehen, als es am Zaun zu einem klärenden Gespräch mit Lars Fuchs kam. Dass so ein Verhalten im Profifußball bei einer Zuschauerzahl von 50000 und mehr nicht möglich ist, dürfte klar sein. Dennoch sollte man von den überbezahlten Profifußballern erwarten können, dass sie zum Beispiel bei Spielen in Moskau die Reisestrapazen der Anhänger wenigstens etwas würdigen und Dankbarkeit für die Unterstützung zeigen. Auch könnte man von Spielern in den oberen Ligen erwarten, dass sie sich bei Meinungsverschiedenheiten in einen konstruktiven Dialog mit ihren Anhängern begeben.

Während das Geschäft „Profifußball“ boomt, sieht sich der Amateurfußball im allgemeinen mit immer weniger Zuschauern konfrontiert, da sich das eventorientierte Publikum lieber die internationalen Spiele der europäischen Ligen auf irgendeinem Bezahlsender anstatt echten Fußball auf dem Sportplatz um die Ecke anschaut. Mit der Motivation das zu ändern, haben sich in Göttingen einige Fans zusammengeschlossen, um die Leute wieder für den Amateurfußball zu begeistern. Die Initiative „Glotze aus, Stadion an!“ (http://gasa.blogsport.de/) steckt momentan noch in den Kinderschuhen, aber ist vom Gedanken her auf jeden Fall ein guter Ansatz, die Attraktivität des deutschen Amateurfußballs zu unterstreichen.

Abschließend gesehen bieten natürlich die Spiele in der ersten Bundesliga und gerade auch in Europa weiterhin einen besonderen Reiz, wenn man sieht, wie viele Menschen sich für die Spiele eines Vereins begeistern können, obwohl dieses Erlebnis zusehends durch negative Begleiterscheinungen geschmälert wird. Wem also die Werte des Sports, das Erlebnis Fußball und die Verbundenheit mit dem eigenen Verein mehr bedeuten als große Namen und Showeinlagen, dem bieten die Spiele der Amateure hier Woche um Woche eine echte Alternative, bei der man im freundschaftlichen Kreis zu günstigeren Preisen Fußballspiele des eigenen Vereins sehen und dabei auch Wertschätzung seitens der Spieler erwarten kann.

2013-04-19-0163Jadestadion Wilhelmshaven

„Fußball ist etwas anderes als Opernfestival“ – BaK-Interview mit Wilhelm Nöthel

3 Jul

Als wir unsere Brief-an-Kind-Aktion starteten, kam eine der ersten Unterstützermails von Wilhelm Nöthel. Herr Nöthel ist 85 Jahre alt, 96-Fan seit 1934 und hat zusammen mit Tochter und Enkelin eine Dauerkarte im Zentrum der Nordkurve. Sein großer Traum ist es, eines Tages mit vier Generationen im Stadion zu sitzen. Es machte uns unglaublich stolz, dass jemand mit einer derartigen Historie unser Anliegen unterstützt und so beschlossen wir, Herrn Nöthel nach seiner persönlichen Geschichte zu fragen. Im Interview sprach er über seine ersten Jahre mit Hannover 96, historische Spiele, die Entwicklung von Stimmung und Fankultur im Fußball und die aktuellen Ereignisse rund um unseren Verein.

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Das Interview führten Bentscho und Besco nach dem Spiel gegen den VfB Stuttgart in der Rückrunde der Saison 12/13.

 Die Mutter hat das Radio in der Küche auf „Vollgas“ gestellt und wir Kinder haben auf dem Hinterhof am Fenster das Spiel verfolgt.

Herr Nöthel, berichten Sie uns doch bitte von Ihren ersten Erfahrungen mit Hannover 96!

Ich bin damals durch meinen Vater zu 96 gekommen. Er hat mich 1934 im Alter von sechs Jahren das erste Mal zu 96 mitgenommen, vorher war er auch lange nicht beim Fußball. Hannover 96 spielte in der Gauliga, wir befanden uns ja gerade im Nationalsozialismus. Zusammen sind wir mit dem Fahrrad, dem sog. „Ewigtreter“ aus Ahlem zum Hindenburgstadion gefahren. Das war das erste Erlebnis bei einem Fußballspiel, an das ich mich erinnern kann. Es mag sein, dass der Gegner Eintracht Braunschweig hieß, schon damals war es interessant, gegen die zu spielen. Wie ich später erfuhr, waren diese Begegnungen auch zum damaligen Zeitpunkt brisant. Gut möglich, dass mein Vater gesagt hat: „Das Spiel gucken wir uns an, dann siehst du gleich was los ist.“ Im Stadion habe ich versucht zwischen den Leuten durchzugucken, irgendwie habe ich dort wohl Feuer gefangen.

Erinnern Sie sich an die Eintrittspreise in den ´30er-Jahren?

Ich weiß es nicht mehr exakt. Ich bin mir aber sicher, dass ich entweder kostenlos reingekommen bin oder maximal 50 Pfennig zahlen musste. Mein Vater mag vielleicht 2 Mark bezahlt haben. Das war für die Stehplätze gängige Praxis, die Leute haben ja auch nicht viel verdient. Mein Vater hatte damals ungefähr 50 Mark im Monat verdient. Als Vergleich: Der Laib Brot lag bei ca. 90 Pfennig.

1938 hat Hannover 96 im Wiederholungsspiel gegen den hohen Favoriten Schalke 04 die erste deutsche Meisterschaft gewonnen. Wie haben Sie dieses Spiel erlebt?

Natürlich erinnere ich mich, ich war ja schon 96-Anhänger geworden. Wir besaßen weder ein Radio, geschweige denn einen Fernseher. Ich kannte jedoch einen Freund, dessen Eltern hatten einen dieser Volksempfänger. Die Mutter hat das Radio in der Küche auf „Vollgas“ gestellt und wir Kinder haben auf dem Hinterhof am Fenster das Spiel verfolgt. Wir waren hellauf begeistert! Die Mannschaftsaufstellung konnte ich bestimmt 40 Jahre lang aufsagen, das waren die berühmten Namen um Pritzer, Sievert, Deicke, Petzold und die Brüder Meng.

Machte sich dieser Erfolg im Stadtbild bemerkbar oder blieb es bei der Begeisterung einzelner?

Damals war es noch sehr moderat. In der Summe war das keine überquellende, monatelange Begeisterung. Zumal 96, glaube ich, auch schnell wieder dafür gesorgt hat, dass das Ergebnis in Vergessenheit gerät, da sie sehr schlecht in die nächste Saison gestartet sind.

Können Sie sich noch an die internationalen Spiele in den 1930ern erinnern?

Als Österreich an Deutschland angeschlossen wurde, wurden auch Spiele zwischen deutschen und österreichischen Mannschaften vereinbart. Hannover 96 bestritt ein Freundschaftsspiel gegen Rapid Wien, die damals bekannteste Vereinsmannschaft aus Österreich. Im Tor spielte Raftl und vorne der Mittelstürmer Franz „Bimbo“ Binder. Ich erinnere mich noch an die Szene, als der Binder aufs 96er Tor schoss, aus locker 30 Metern, eine richtige Granate. Ludwig Männer, der damals schon einen sehr kahlen Schädel hatte, flog waagerecht über den Boden und köpfte den Ball raus. Das werde ich nie vergessen.

Wir sprechen über eine Zeit, in der das deutsche Vereinswesen größtenteils von nationalsozialistischer Gleichschaltung geprägt wurde. Wie haben Sie die Verbindung zwischen Sport und Politik in Hannover erlebt?

Große Aufmärsche habe ich während der Zeit nicht mitbekommen. Ich habe aber später gelesen, dass Hannover 96 bei den Märschen am 01. Mai auch eine Abordnung gestellt hat. Intern hat es gerade bei 96 ein Problem gegeben mit den Nationalsozialisten. Die Vereinsführung war immer vorne dabei, hier wurden die Nazis auch bewusst unterstützt. Später gab es keinen Vorsitzenden mehr, sondern einen Vereinsführer. Ich meine, dass Hannover 96 das mit als erste umgesetzt hat, wobei die Arbeitervereine ein bisschen zurückhaltender waren.

Was änderte sich nach dem Krieg, wie lässt sich das Verhalten der Anhänger am ehesten beschreiben?

Natürlich schon begeisternd. Allerdings nicht organisiert, vielmehr spontan. Heute ist das deutlich alles strukturierter und teilweise ausufernd. Was ich feststellen muss: Es verhielt sich damals fairer, da wurden keine Spieler beleidigt. Wenn ein Spieler verletzt am Boden lag, wurde nicht „Auf Wiedersehen“ gesungen. Auch das Verhalten gegenüber den Schiedsrichtern war sportlicher und respektvoller. Gesänge, Fahnen und Trommeln? Das kam alles erst später auf.

Wie verhielt es sich mit der regionalen Konkurrenz der Roten?

In den 50er-Jahren war Arminia Hannover durchaus ein Konkurrent, die hatten eine tolle Mannschaft. Ich bin derzeit sowohl zu 96, als auch regelmäßig zur Arminia gegangen. Die besaßen gute Spieler, u.a. Lothar Ulsaß und Fritz Apel. Wir wohnten damals am Goetheplatz, schräg gegenüber führte der Arminia-Spieler Werner Grabitz sein Tabakgeschäft. Grabitz war in den 1950er-Jahren der Torwart von Arminia überhaupt. Ich hatte inzwischen angefangen zu rauchen und kaufte meine Zigaretten bei ihm. Dort standen immer drei bis vier Leute in der total verqualmten Bude und diskutierten über Fußball. So hatte ich auch meinen Bezug zu Arminia, bin aber eigentlich immer wieder bei 96 gelandet.

Die zweite deutsche Meisterschaft war eine noch größere Sensation als die Erste. 1954 gewann unsere Mannschaft vor knapp 100.000 Zuschauern in Hamburg mit 5:1 gegen den haushohen Favoriten aus Kaiserslautern. Wie haben Sie das Spiel und die Feierlichkeiten wahrgenommen?

Dieser Nachmittag war ein Musterbeispiel dafür, wie ein Verein mit mannschaftlicher Geschlossenheit und dem unbedingten Siegeswillen, einen solch haushohen Favoriten schlagen kann. Als sich das angebahnt hat, waren wir zu Hause alle angetan. Ich hing bald „unter der Lampe vor Begeisterung, meine Frau war da sicherlich etwas zurückhaltender. Gleich am nächsten Morgen bin ich zu meiner damaligen Chefin gegangen und habe um Urlaub gebeten, somit konnte ich die Ankunft der Mannschaft miterleben. Die wurde mit offenen Wagen durch die Straßen in Richtung Stadion gefahren, der Bahnhofsvorplatz wirkte schwarz vor Menschen. Hinzu kam, dass die Mannschaft von Viktoria Linden –wie ich meine- am gleichen Wochenende die Deutsche Meisterschaft im Rugby gewann, Hannover hatte sich kurzzeitig als führende Sportstadt etabliert.

1956 wurde das Eilenriedestadion zum neuen Sportgelände des Vereins, die Heimspiele wurden aber größtenteils im Niedersachsenstadion ausgetragen. Für welches Stadion konnten sich die Fans damals mehr begeistern?

Das Niedersachsenstadion war nach Eröffnung eigentlich immer eins der meistbesuchten Stadien im Norden, nicht nur beim Fußball, auch bei Leichtathletikveranstaltungen. Ich war beim Eröffnungsspiel anwesend, ebenfalls keine Fußballveranstaltung, sondern ein Handballspiel: Das Stadion wurde offiziell eröffnet mit der Handball-Begegnung zwischen Deutschland und Norwegen, vor sicherlich 20.000 Zuschauern. Ich habe dort viele Spiele gesehen, Pokalendspiele, Halbfinals und ein Länderspiel gegen Ungarn. Ich stand oben auf dem riesigen Wall der heutigen Westtribüne, damals noch ohne Dach. Imposant, eine tolle Sache!

Hat man die Tatsache, dass keiner der hannoverschen Meisterschaftshelden bei der WM-Endrunde in der Schweiz für Deutschland nominiert war, als Ungerechtigkeit empfunden?

Ja, man hat sicherlich zunächst gehetzt. Aber: Man hat ja dann doch anerkannt, dass die anderen etwas draufhaben. Ich habe mich zuvor mal bei einem Auswahlspiel der Deutschen im Hindenburgstadion über einen Außenspieler einer westdeutschen Mannschaft geärgert und erlaubte mir den Kommentar: „Menschenskind, da hätten sie mal den Heinz Wewetzer aufstellen sollen!“.

 Dann kam Bremen, wo ich zum ersten Mal das Fahnenschwenken während eines Spiels erlebte. Das gab es vorher so nicht.

Zur Saison 63/64 wurde die Bundesliga eingeführt, was änderte sich fortan für Sie persönlich? Unter mysteriösen Umständen wurde Hannover 96 nicht zum Gründungsmitglied der Bundesliga, ausgerechnet der regionale Konkurrent Eintracht Braunschweig profitierte von dieser Entwicklung. Für einige Anhänger gilt dies als „Gründungsmythos“ der Rivalität beider Vereine, haben Sie die Feindseligkeiten um 1963/64 bereits wahrgenommen?

Ich fand das natürlich auch enttäuschend. Wenn ich nun rückblickend überlege, weiß ich aber nicht, ob das zu dieser Rivalität hätte führen müssen. Eintracht Braunschweig konnte ja nun eigentlich auch nichts dafür. Das waren die Regeln, die der Deutsche Fußballbund festgelegt hat, da musste man sich auf beiden Seiten mit abfinden. Ich finde es heute noch schade, dass sich diese Rivalität in der Form fortgesetzt hat und hoffe, dass das in der nächsten Saison nicht eskaliert. Ich wünsche mir, dass es richtig tolle Derbys werden, an denen jeder seinen Spaß haben wird. Aber das ist wohl eine vergebliche Hoffnung, es wird wohl richtig zur Sache gehen.

Wie haben Sie das „Wunder von Wuppertal“ (1973) erlebt?

Das Spiel habe ich in Hänigsen im Schwimmbad verfolgt, es war ein ziemlich heißer Tag. Einer hatte da so ein Kofferradio auf seiner Decke, um ihn herum standen die fußballbegeisterten Männer und haben sich die Übertragung angehört. Eine bewegende Sache, dass 96 das noch geschafft hat.

Gab es zu dieser Zeit schon eine wahrnehmbare Auswärtskultur?

Persönlich habe ich fast keine Auswärtsspiele gesehen, damals fehlte mir das nötige Geld. Eine Ausnahme bildete das Spiel 1964 in Bremen. 1964/65 war die erste Saison, in der 96 Bundesliga spielte, der SV Werder Bremen wurde anschließend Meister. Hannover war mit Siegen gegen Köln und Dortmund toll gestartet, verlor dann aber das dritte Spiel in Nürnberg. Dann kam Bremen, wo ich zum ersten Mal das Fahnenschwenken während eines Spiels erlebte. Das gab es vorher so nicht. Beim Spiel in Bremen war ein 96er, der intensiv seine Fahne schwenkte, sodass man zeitweise gar nichts sehen konnte. Zeitgleich wurde es auch unfairer mit den Zwischenrufen. Ich kann mich noch gut an den Bremer Klaus Matischak erinnern, ein toller Mittelstürmer. Mit einmal brüllten einige Hannoveraner um uns herum „Matischak, alter Sack!“.

Zu ihrem Leidwesen?

Ja, eigentlich schon. Allgemein empfand ich das Klima früher als sportlicher und fairer. Wer selbst aktiver Sportler war, weiß, dass man Schmähungen nicht so gerne hat.

Als größter Erfolg der jüngeren Vereinsgeschichte gilt der Gewinn des DFB-Pokals 1992 in Berlin. Wie haben Sie den Weg ins Finale und den Pokalsieg wahrgenommen?

Ein Freund ehemaliger Tage hatte nach dem Krieg eine polnische Frau geheiratet. Wir hatten nach der Wende, inzwischen waren über 40 Jahre vergangen, zum ersten Mal wieder Kontakt. Der kannte Roman Wojcicki und rief mich nach dem Spiel an und sagte „Mensch, was war das denn für ein Spiel!“. Insofern habe ich noch viel mehr über dieses Spiel gelesen und es natürlich auch vor dem Fernseher verfolgt. Es war ja insofern interessant, weil wir vorher eine Reihe von Bundesligisten ausgeschaltet hatten. Dadurch wuchs die Spannung immer mehr. Jedes Mal dachten wir: „Ach, jetzt kommt wieder ein Bundesligist, werden wir wohl nicht schaffen“.

Pünktlich zum 100-jährigen Vereinsjubiläum stand der Verein sportlich und finanziell am Abgrund. Wie besorgt waren Sie, als Hannover 96 in der Saison 1995/96 aus der Zweiten Bundesliga abstieg?

Große Sorgen habe ich mir um Hannover 96 eigentlich nie gemacht. Ich hatte immer im Hinterkopf, dass der Verein Hannover 96 nicht untergehen würde. Wir haben sehr viel Krisenjahre und finanzielle Probleme überwunden, immer wieder gab es aber auch gute Leute wie Franz Gerber, die es irgendwie geschafft haben.

Ihr prägendstes Ereignis der jungen Vergangenheit?

Generell sind mir am meisten die Aufstiege in Erinnerung geblieben, auch das Aufstiegsjahr 2002 unter Ralf Rangnick. Ich fühlte mich zurückversetzt in die Saison 1963/64 und die Ereignisse um das Aufstiegsendspiel gegen Hessen Kassel. Vor sicherlich 60.000 Zuschauern haben wir damals im Niedersachsenstadion gesungen:„So ein Tag, so wunderschön wie heute“, wohlgemerkt ohne einen Vorsänger. Walter Rodekamp war ein toller Spieler, den habe ich noch gut in Erinnerung. Horst Podlasly im Tor war super, auch der hat mir immer viel Spaß gemacht.

Vor dem Radio hörten wir, dass Hannover 96 das erste Spiel der Oberliga Nord gegen den Hamburger Sportverein mit 0:10 verloren hat. Aber es wurde besser: Beim nächsten Spiel gegen den FC St. Pauli verloren wir lediglich mit 0:5.

Die Mannschaft von 1963/64 also ihre Lieblingself?

Schwer zu sagen, es waren ja auch immer mehr als Elf. Die 1964er-Mannschaft mochte ich aber schon ganz gerne, die Aufstiegself von Ralf Rangnick allerdings genauso gerne. Deshalb sage ich ja, die Aufstiegsjahre, die haben mir immer besonders gut gefallen. Unter Rangnick habe ich das 6:0 gegen Schweinfurt gesehen, wieder kamen die Gesänge: „Ein Tag, so wunderschön wie heute“.

Wie regelmäßig haben Sie die Roten über die Jahrzehnte im Stadion verfolgt?

Eine Dauerkarte habe ich überhaupt erst seit dem Aufstieg 2002, seitdem aber auch kontinuierlich. Davor war das sehr unterschiedlich, manchmal habe ich fünf Spiele pro Saison gesehen, manche Jahre auch gar keine im Stadion. Gerade zu den Zeiten, als ich selbst noch sportlich aktiv war und sonntags Handball gespielt habe, war das nicht immer ganz einfach. Später wurden auch andere Sachen wichtig, beispielsweise die Erziehung der Kinder. Dann konnte es gut sein, dass man ein ganzes Jahr lang kein 96-Spiel im Stadion gesehen hat. Aber verfolgt habe ich es natürlich immer.

Also gab es auch Höhen und Tiefen hinsichtlich ihres Fandaseins?

Ganz klar! Die Höhen gab es sicherlich gleich nach dem Krieg, als das Vereinsleben so langsam wieder in den Gang kam. Sonnabends haben wir regelmäßig im Dorfkrug „Zur Linde“ getanzt, irgendwann kamen dann die Nachrichten und wir alle versammelten uns am Tresen vor dem Radio. Dort hörten wir, dass Hannover 96 das erste Spiel der Oberliga Nord gegen den Hamburger Sportverein mit 0:10 verloren hat. Aber es wurde besser: Beim nächsten Spiel gegen den FC St. Pauli verloren wir lediglich mit 0:5.

Registrierten Sie spürbare Veränderungen hinsichtlich des Stadionbesuches?

Als das Niedersachsenstadion gebaut war, gab es überwiegend Stehplätze. Anschließend an die Laufbahn gab es in den ersten Reihen zwar auch Sitzplätze, der riesige Wall hingegen bestand größtenteils aus Stehplätzen. Als junger Mann hat man das damals noch gut ertragen, mit heute über 85 Jahren könnte ich das nicht mehr.

„Wisst ihr, Fußball ist etwas anderes als Opernfestival. Da ist Stimmung, da wird eine andere Sprache gesprochen, die so mancher auch gar nicht versteht…“

Wie verhielt es sich mit der Stimmung, den Emotionen?

Stimmungsmäßig war es damals noch nicht so ausufernd wie heute. Heute existiert mehr Stimmung, weil mehr Stimmung veranstaltet wird. Was der Block der Roten Kurve da heute macht, an Stimmung in Gang bringt, dass finde ich schon toll. Wenn das nicht wäre, dann würde das alles wesentlich langweiliger ablaufen, das hat man ja jetzt auch während des Boykotts gespürt. Bei uns ist es so, dass wir uns in der Reihe inzwischen alle so lange kennen, dass wir fast gleichmäßig Stimmung machen und mitsingen. Wir erfreuen uns an den Gesängen, auch wenn der Kern mal nicht mitmacht, bei uns wird trotzdem gesungen, wenn auch nicht so laut. Wir kennen uns gut und sind manchmal richtig freundschaftlich verbunden.

Inwiefern hat sich das Publikum verändert?

Wir saßen kurz nach dem Aufstieg mal eine Zeit auf der Westtribüne, das war ganz anders. Wir haben uns dann, als die Nordtribüne fertig umgebaut war, entschieden, zurückzugehen, auch wegen der Atmosphäre. Auf der Westtribüne erlebten wir überwiegend Leute, die nur knitterig waren und immer meckerten. Das war so nicht zu ertragen.

Erleben Sie Rücksicht der jüngeren Stadionbesucher?

In der Nordkurve habe ich es besonders gut, die Jungs sind alle sehr nett zu mir. Oft erlebe ich vollgestellte Mundlöcher, wenn ich vor Spielbeginn mit meinem Gehstock das Stadion erreiche. Dann sagt immer mal einer: „Kommt, macht mal Platz!“ und hilft mir gegebenenfalls. Fantastische Leute, die Jungs und auch die Frauen, für mich ein ganz anderes Erlebnis als auf der Westtribüne.

Den Wandel der Fankultur über die Jahrzehnte, wie würden Sie den grob beschreiben?

Grundsätzlich als positiv. Das Anheizen, die Stimmung, das gefällt mir doch deutlich besser. Früher stand dort natürlich keiner mit einem Megafon, auch Trommeln gab es zunächst nicht. Solange das alles nicht ausufert, finde ich das super. Ich habe überhaupt keinen Grund, mich über die Situation heute zu beschweren. Selbst dann nicht, wenn ab und an mal Pyrotechnik eingesetzt wurde.

Gab es Ausnahmen?

Ich bin noch nie in Verlegenheit gekommen, ängstlich zu sein. Auch nicht beim Verlassen des Stadions, auf dem Weg zu meinem Parkplatz an der Lavesallee, wo wir häufiger auf auswärtige Gästefans stoßen. Das läuft immer problemfrei. Ich betone es auch jetzt immer wieder, gerade weil man auch oft mit Leuten zusammenkommt, die nur aus der Presse meinen zu wissen, was bei solchen Spielen los ist. Diesen Leuten muss ich erklären, dass das, was sie zuvor in den Medien mitbekommen haben, größtenteils gar nicht stimmt. Ich sage dann immer: „Wisst ihr, Fußball ist etwas anderes als Opernfestival. Da ist Stimmung, da wird eine andere Sprache gesprochen, die so mancher auch gar nicht versteht. Das ist alles sehr viel rustikaler und hemdsärmeliger, aber das ist ja gerade die Stimmung, die man dort braucht.“ Insofern besteht da ein großer Unterschied zu den Dingen, die in den Medien dargestellt werden und denen, die tatsächlich stattfinden. Ich hatte auch bei dem Einsatz von Pyrotechnik nie das Gefühl, dass ich oder auch die, die dort gezündelt haben, gefährdet sind. Ich muss das auch nicht unbedingt haben und empfinde es als störend, wenn man den Qualm hinterher einatmen muss. Aber ich kann es ertragen und irgendwo gehört es auch dazu. Ich kann nicht nachvollziehen, dass das so rigoros verboten wird.

Stimmen die Verhältnismäßigkeiten in den Beurteilungen dieser Aktionen?

Nein, auch solche Sachen wie die Streitereien um die Haarmann-Fahne. Mein Gott, was ist dabei? Haarmann ist immer eine hannoversche Institution gewesen, das gehört auch mit zum Fußball. Auch wenn das nicht immer schön ist: Das muss man wissen, wenn man zum Fußball geht.

In der Summe ist eine traurige Situation entstanden. Um das wieder aufzulösen, bräuchte es auch ein Entgegenkommen seitens des Vereins, nicht aber weitere Maßnahmen, die mit Fußball nichts mehr zu tun haben.

Wir haben uns über die Protestaktion „Brief an Kind“ kennengelernt. Wie sind Sie darauf gestoßen?

Ich habe den im Internet entdeckt, ihn dann ausgedruckt und in Ruhe gelesen. Nachdem ich versucht habe, alle Argumente nachzuvollziehen, habe ich mit meiner Tochter gesprochen. Wir waren beide der Meinung, dass wir das zutreffend finden und haben unterschrieben. Gerade nach der Achim-Geschichte, die nach den ersten Pressemitteilungen ganz anders zu verstehen war. Langsam klärte sich jedoch auf, dass es um sich eine Aktion der Polizei handelte, die in meinen Augen unmöglich war. Nur weil es einzelne Vorkommnisse gab, kann man doch nicht mehrere Hundert Leute in Haft nehmen! Das verhielt sich genauso, wie die pauschale 5 Euro-Geschichte beim Heimspiel gegen Anzhi. Diesen Aufschlag habe ich schriftlich gegenüber Hannover 96 moniert und habe angemerkt, dass man die Eintrittskarten für die nächste Auswärtsfahrt um 5 Euro ermäßigen müsse.

Gab es eine Reaktion?

Es folgte überhaupt keine Antwort! Eine Reaktion habe ich in einem anderen Fall erhalten, als ich die Schwierigkeiten beim Zugang zu meinem Block N15 bemängelt habe. Damals habe ich, auch wenn sie meine Argumente nicht verstanden haben, wenigstens das Gefühl gehabt, dass sich gekümmert wurde. Das war immerhin eine Antwort, wegen der 5-Euro-Sache habe ich jedoch gar keine Rückmeldung bekommen. Deswegen habe ich auch gesagt, ich unterschreibe diesen Brief. Meine Tochter sowie meine Enkeltochter im Übrigen auch.

Was haben Sie sich von der Protestaktion versprochen?

Ich hab eigentlich nur auf eine vernünftige Antwort gewartet, aber die hat es ja nie gegeben. Das Antwortschreiben von Herrn Kind ist mir bekannt, das ist in der Form enttäuschend. Nun ist es natürlich auch so, dass der Verein das gar nicht groß aufgreifen will. Da denkt man schon: Die wollen uns als Fans gar nicht mehr haben. Im Grunde genommen sind wir schmückendes Beiwerk.

Woran liegt das?

Die verstehen uns gar nicht. Zumindest Herr Kind versteht einfach nichts von Fankultur. Der führt seinen Verein wie ein Unternehmen und ist damit ja auch erfolgreich gewesen. Nur muss er das immer unter Rücksicht und im Zwiegespräch mit seinen „Kunden“ machen. Das begreift er offenbar nicht. Schade!

Fühlen Sie sich nach fast 80 Jahren weiterhin erwünscht oder sehen Sie sich als eine Art notwendiges Übel?

Ich hatte mich damals eigentlich gefreut, als bei meiner Anmerkung zum erschwerten Erreichen des Blockes eine Antwort kam. Herr Ebert begegnete mir da in vernünftiger, sachlicher Art und Weise, auch wenn wir inhaltlich nicht übereinstimmten. Das war eine Reaktion, wie sie sich gehörte. In dem Fall des offenen Briefes war die Reaktion unmöglich. Das ist ungerecht, gerade weil die Leute schon so viel auf die Beine gestellt haben für den Verein. Und das unter großen persönlichen und finanziellen Opfern, wie das ja auch in dem Brief beschrieben wurde. Wie hätte das denn in Sevilla funktionieren können, wenn diese Begleitung nicht stattgefunden hätte? Nicht begreifbar, dass die das nicht sehen wollen und meinen, sie könnten so ein Fußballspiel wie einen Opernbesuch abwickeln.

Die organisierte und zum Teil auch kritische Fankultur fühlt sich missverstanden und klagt über eine geringe Wertschätzung seitens des Vereins. Wie empfinden Sie das Verhältnis zwischen Teilen der Anhängerschaft und Hannover 96?

Man kann überhaupt nicht verstehen, dass ein Präsident seine Anhänger pauschal beleidigt. Im Grunde genommen sind für ihn ja alle im Bereich N16/17 „Arschlöcher“, er hat da ja keine Einschränkungen gemacht. Wenn man sich diese Entwicklung fortsetzen sieht, muss das irgendwann schiefgehen. Es ist ganz typisch gewesen: Immer wenn es bei 96 sportlich nicht lief, kam nur noch der harte Kern, der immer zu Hannover 96 stand. Teilweise waren das 2.500 Leute bei einem Heimspiel. Bei Ausbleiben des sportlichen Erfolges würde der Zuschauerschnitt in Hannover schnell wieder sinken.

Hannover 96 ist also nicht das viel zitierte Premiumprodukt?

Man guckt ja auch mal in andere Foren, da wird Hannover 96 überwiegend als „Gurkentruppe“ bezeichnet. Die allgemeine, bundesweite Wahrnehmung von Hannover 96 ist noch nicht die eines Spitzenvereins. Da muss noch viel getan werden, was allerdings nicht klappt, wenn man schon die eigenen Anhänger so verärgert.

Gemeinsame Gesprächsrunden wurden beendet, der Versuch über einen offenen Brief zu kommunizieren, scheint ebenfalls gescheitert. Welche Möglichkeiten bestehen überhaupt noch, das angesprochene Verhältnis zu retten?

Ich weiß nicht, ob es innerhalb des Vereins Leute gibt, die in der Lage sind, das Verhältnis zu verbessern. Oder ob da jemand mäßigend auf Herrn Kind einwirken kann. Er müsste eigentlich lernen, dass es mehr Verständnis braucht, um mit den Leuten zu diskutieren. Da war die Rote Kurve als Organ eigentlich schon der richtige Ansprechpartner, um mit den gemäßigten Vertretern des Vereins zu diskutieren. Wahrscheinlich gibt es aber auch zu wenige Möglichkeiten, die hannoversche Presse dort miteinzubeziehen. Die Leute, die dort schreiben, sind ja irgendwo auch abhängig von Martin Kind. Ein Spruch aus dem Internetforum „das-fanmagazin“ ist mir da besonders hängen geblieben: „Die KGaA hat immer recht.“

Ermüdend?

Es ist doch klar, dass die Leute der Roten Kurve, die sich dort aktiv mit einbeziehen und vom Verein nicht wahrgenommen werden, irgendwann abbrechen. Das Ganze lebt nur von denen paar Leuten, die sich engagieren. Die Masse wartet immer auf Leute, die mit positivem Beispiel vorangehen. Das kann man aber von keinem erwarten, der dass hobbymäßig nebenbei betreibt. Da kann ich jeden gut verstehen, der irgendwann die Lust verliert. In der Summe ist eine traurige Situation entstanden. Um das wieder aufzulösen, bräuchte es auch ein Entgegenkommen seitens des Vereins, nicht aber weitere Maßnahmen, die mit Fußball nichts mehr zu tun haben.

Worauf spielen Sie an?

Man liest ja Sachen, da muss man sich wundern. „Was darf man denn nach Hannover mitnehmen?“, hieß es neulich in einem Forum. Dass da Kataloge aufgeführt werden, was erlaubt ist und in welcher Größe,…. ist das nicht grausam? Wenn ich etwas zu melden hätte, würde ich auf diese Kontrollmaßnahmen verzichten und bestimmte, geschulte Mitarbeiter an den richtigen Stellen postieren. Wenn etwas passiert, sollten diese auch die Möglichkeit haben, einzugreifen. Diese blödsinnigen Kontrollen frustrieren mich, ich als alter Knabe kann doch sowieso alles mit reinnehmen.

Die Heimspiele verfolgen Sie seit vielen Jahren aus dem Block N15, so auch in der nächsten Saison?

Es ist so, dass ich Probleme mit meiner Arthrose im Knie habe. Das Laufen über den holprigen Schützenplatz ist für mich nicht mehr so ganz ungefährlich. Wenn man anschließend noch lange bei der Kontrolle ansteht, ist das auch nicht besonders schön. Das ist ein Grund, weshalb ich überlege, die Dauerkarte zu verlängern. Der Zweite ist, dass ich mir sage: „Mensch, hier wird etwas kaputtgemacht, willst du das noch unterstützen?“. Da bin ich im Zweifel, gerade gestern habe ich darüber mit meiner Frau gesprochen, die sagt dann: „Sprich mal mit deiner Tochter, die wird dich schon überzeugen!“. Wenn ich ehrlich bin, weiß ich es nicht. Ich weiß es echt noch nicht. Auf der einen Seite ist es trotz der körperlichen Einschränkungen immer noch schön, aber diese Art und Weise, wie die Vereinsführung mit den Fans umgeht, finde ich einfach abscheulich. Das ist nicht in Ordnung.

Sie haben an zwei Meisterschaften, einem Pokalsieg und diversen Wendepunkten der Vereinsgeschichte teilhaben können. Gibt es auf sportlicher und privater Ebene trotzdem noch etwas, was Sie sich für Hannover 96 wünschen und gerne miterleben würden?

Rein sportlich würde ich mir wünschen, dass Hannover 96 auf Dauer in der Ersten Bundesliga bleibt. Europa League ist schön, muss aber nicht sein. Es gibt genügend Vereine, die vorgemacht haben, dass man auch ohne große finanzielle Hintergründe durchaus erfolgreich sein kann. Als Beispiel nenne ich gerne den SC Freiburg, was dort geleistet wird, ist klasse.

Und persönlich?

Ich wünsche mir, dass diese Querelen zwischen Fans und Vereinsführung ein Ende haben. Auch für Sie wünsche ich mir, dass Sie wieder Lust entwickeln, mitzumachen und positiv auf das Ganze einzuwirken.

Herr Nöthel, vielen Dank!

 

Der große BaK-Kunstwettbewerb

13 Mai

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Zur bevorstehenden Sommerpause lädt das Brief-an-Kind-Team zum großen BaK-Kunstwettbewerb! Werdet kreativ, künstlerisch, innovativ, verliebt, träumerisch, emotional, erfinderisch, abenteuerlich, visionär…

Schickt uns eure schönsten Fotos, Kunstwerke, Collagen rund um Hannover und 96!

Hinweis: Die Bilder müssen keinen „Not My President“-Sticker enthalten, allerdings freuen wir uns auch sehr über Bilder all der gewöhnlichen und außergewöhnlichen Orte, wo eben diese in der schönsten Stadt der Welt mittlerweile zu finden sind…

Die 3 besten Einsendungen werden von einer hochkarätig besetzten BaK-Jury prämiert und erhalten kleine aber feine Preise. Seid gespannt!

Wir freuen uns auf eure Einsendungen per Mail an brief-an-kind@gmx.de !

Nur der HSV!

PS: Wir distanzieren uns natürlich aufs allerschürfste von Sachbeschädigungen jeglicher Art! Außerdem ist der Rechtsweg ausgeschlossen und BaK-Teammitglieder dürfen nur außer Konkurrenz am Wettbewerb teilnehmen 😛

PPS: Wir planen alle Einsendungen zu veröffentlichen (die Rechte bleiben natürlich bei euch!). Wenn ihr was dagegen habt, dann sagt uns Bescheid!

PPPS: Der Einsendeschluss ist der 01.07.13 – Ihr habt also noch reichlich Zeit Inspiration zu sammeln und dann künstlerisch aktiv zu werden!!!

Die Rote Kurve ist tot! Lang lebe die Rote Kurve! – Ein Appell an die aktive Fanszene Hannover

18 Apr

Auf der Mitgliederversammlung des Rote Kurve e.V. am 17.04.13 stimmten die anwesenden Mitglieder mit großer Mehrheit für die Liquidation der Roten Kurve als eingetragener Verein zum Jahresende und die Umwandlung in eine Interessengemeinschaft. Die Gründe hierfür sind vielfältig und werden in den kommenden Tagen detailliert unter www.rotekurve.de nachzulesen sein. So drastisch dieser Schritt scheinen mag, so unausweichlich war er auch. Die Entwicklungen rund um Hannover 96 haben dazu geführt, dass die Fortführung des gegenwärtigen Modells nicht mehr möglich war. Die Schließung des Fanladens hätte die Mitgliederbetreuung eines Vereins mit über 5000 Mitgliedern zu einem Ding der Unmöglichkeit werden lassen, zumal sich auch die Frage stellt, welche „Leistungen“ die Rote Kurve ihren Mitgliedern in Zukunft überhaupt hätte bieten können. Die Selbstverwaltung des RK-Blocks wurde „uns“ mit dem Start der Dauerkarten-Wandlung zur Saison 13/14 quasi bereits genommen. Auch der Verkauf von Tageskarten für Heim- und Auswärtsspiele durch die Rote Kurve an ihre Mitglieder steht zur Disposition und wurde in der Vergangenheit nicht nur einmal als Druckmittel seitens der KGaA eingesetzt. Was bleibt ist ein Gefühl der Ohnmacht, dass sich ein wichtiges Organ der Fanselbstverwaltung aufgrund der Willkür der KGaA und ihrer Offiziellen gezwungen sah, eine Struktur, die über Jahre aufgebaut worden war und aus der Einzigartiges hervorging, aufzugeben und zukünftig neue Wege zu gehen.

Mit Willkür meinen wir den Maßnahmenkatalog, der seitens der KGaA entwickelt worden ist, noch weit vor Ereignissen wie dem „Skandalspiel“ von Düsseldorf, Sicherheitskonferenzen mit Innenministern oder dem Pokalspiel gegen Dresden. Dieser Maßnahmenkatalog hätte die Rote Kurve unverschuldet zur Handlungsunfähigkeit verdammt. Mit der Liquidation kommt der e.V. also durch eigenen Beschluss quasi nur der Zerschlagung durch Fremdeinwirkung zuvor.

Mit Willkür meinen wir aber auch die Versuche der KGaA, die Aktiven der Roten Kurve – sprich Vorstand und Beirat – einzuschüchtern und zu diskreditieren. Einerseits umfasste dies, sie mit ihrem Privatvermögen für Strafen, die Hannover 96 auferlegt werden, haftbar machen zu wollen. Andererseits gab es Drohungen, Aktive der Roten Kurve beispielsweise bei ihren Arbeitgebern in Misskredit zu bringen.

Auch die freiwillige Schließung des Fanladens war nur ein Vorgriff auf die durch die KGaA avisierte Kündigung und die ständig im Raum stehende Bedrohung durch den Entzug der Lebensgrundlage. Die KGaA ist somit mehr als indirekt Schuld an der Zerstörung von Existenzgrundlage, Arbeitsplatz und Berufung zweier Personen, die sich wie wenige andere um die Rote Kurve und die Fanszene Hannover verdient gemacht haben. Kein Wunder, dass sie mit die ersten Opfer der Willkür wurden.

Der Eingriff in Privatwelt und Unversehrtheit aktiver Mitglieder der Fanszene durch die KGaA und ihre Offiziellen ist ein ungeheuerlicher Vorgang, dem wir mit Entschlossenheit und Einigkeit begegnen müssen. Auch wenn Martin Kind nicht allein verantwortlich ist, so ist er Kopf und Motor dieses hannoverschen Klüngels, der diese Entwicklung vorantreibt und unseren Verein Hannover 96 von uns entfremdet. Daher: KIND MUSS WEG!

Auch wenn es derzeit schwer fällt dies zu sehen, so ist die Liquidation der Roten Kurve und ihre Umformung in eine Interessengemeinschaft auch eine große Chance. Es ist die Chance, sich völlig neu zu erfinden und in Fanarbeit, Fankultur und Fanszene sowohl bewährte Strukturen zu erhalten und zu beleben, als auch völlig neue Wege zu gehen. Das Spaß gegen Stumpf-Festival, Trinkbecher für Trinkwasser, die Spendensammlung für das Waisenhaus in Poltawa und jüngst die Aktion „Fanszene hilft“ im Kampf gegen Blutkrebs sind Projekte, wie sie auch künftig initiiert, geplant und durchgeführt werden sollen. Die Rote Kurve als Interessengemeinschaft wird wieder mehr ein Teil von uns. Es hängt von jedem einzelnen ab, sich vermehrt zu engagieren und seine Kreativität und Motivation einzubringen. Die Möglichkeiten sind so vielfältig, dass wir uns selbst keine Grenzen zu setzen brauchen. Was uns begrenzt ist lediglich unsere Vorstellungskraft.

Wir wollen also den Appell an die Fans von Hannover 96 richten, die Zukunft aktiv mitzugestalten – jeder nach seinen Vorlieben, jeder nach seinen Möglichkeiten. Lasst uns die Machenschaften der KGaA und ihrer Offiziellen kritischer denn je beobachten. Lasst uns weiter für Fanrechte und -interessen arbeiten, argumentieren und – wenn nötig – kämpfen. Lasst uns das Zünglein an der Waage sein, wenn das Spiel auf Messers Schneide steht. Lasst uns Grenzen setzen und Barrieren niederreißen. Lasst uns unseren Block, unsere Kurve, unser Niedersachsenstadion nach unseren Vorstellungen gestalten und mit Leben füllen!

Alles für Hannover! Nur der HSV!

Stellungnahme zur Antwort Martin Kinds auf unseren offenen Brief vom 07.02.13

12 Feb

Heute gegen 12 Uhr erhielten wir eine Mail von Martin Kind, in der er auf den von uns verfassten offenen Brief antwortet. Eine Ausfertigung in Papierform ist auf dem Postweg unterwegs zu uns. Zunächst einmal möchten wir Herrn Kind recht herzlich danken, dass er sich die Mühe gemacht hat, uns persönlich zu antworten. Im Folgenden möchten wir eine kurze Stellungnahme zu diesem Schreiben abgeben und es hiermit veröffentlichen (https://briefankind.wordpress.com/antwort-von-martin-kind/), da wir der Meinung sind, dass es allen Unterzeichnern des offenen Briefes zugänglich sein sollte. Die von uns erwähnten Punkte nehmen dabei direkten Bezug zur Antwort Martin Kinds.    Zur Stellungnahme: https://briefankind.wordpress.com/unsere-stellungnahme/

Offener Brief an Martin Kind, Präsident Hannoverscher Sportverein von 1896 e.V.

7 Feb

Sehr geehrter Herr Kind,

wir schreiben Ihnen, da wir angesichts der aktuellen Entwicklungen rund um unseren Verein sehr besorgt sind! Wir sind Schüler und Studenten, Angestellte, Arbeiter, Beamte, Akademiker und Arbeitssuchende. Wir sind Männer und Frauen. Uns alle verbindet in erster Linie die Leidenschaft für Hannover 96 und den Fußballsport. Viele von uns besitzen seit vielen Jahren Dauerkarten auf der Nord- oder Westtribüne. Andere können aus den unterschiedlichsten Gründen nur gelegentlich das Stadion besuchen. Einige von uns reisen der Mannschaft überall hinterher. Gerade jetzt, in den schönen Zeiten des Europapokals, kommen da immense Jahreskilometerleistungen zusammen, von den Kosten ganz zu schweigen. Viele geben für ihre Leidenschaft Hannover 96 mehr Geld aus, als sie haben. Gesamtjahresreisekosten von mehreren tausend Euro sind wohl eher die Regel als die Ausnahme bei vielen von uns. Für Geringverdiener, Schüler, Studenten und Familien ist dies nur schwer zu finanzieren. Und doch schaffen wir es irgendwie und wir beschweren uns nicht, denn wir tun es für unsere Liebe und unsere Leidenschaft.

Derzeit hinterfragen viele allerdings ihr persönliches Engagement rund um Hannover 96, da sie von den von Ihnen ergriffenen Maßnahmen gegen 96-Fans teilweise persönlich betroffen sind, aber auch, weil wir diese Maßnahmen grundsätzlich vollumfänglich ablehnen, da sie mit unserem Rechtsverständnis unvereinbar sind und das Stadionerlebnis, wie wir es lieben und schätzen gelernt haben, in seiner Existenz gefährden.

Unser Rechtsverständnis:

Kollektivstrafen oder Sippenhaft sind im deutschen Rechtssystem nicht vorgesehen. Fußballfans sehen sich aber durch Verbände und Vereine immer wieder Bestrebungen ausgesetzt, derartiges Vorgehen außerhalb der gültigen Rechtsnormen zu etablieren. Die Diskussionen rund um das Konzeptpapier “Sicheres Stadionerlebnis” haben gezeigt, dass es seitens der Verbände und einiger Vereine Ansätze gibt, eine Parallelgerichtsbarkeit zur geltenden Strafgerichtsbarkeit des Bundes und der Länder aufzubauen, die auch in hoheitliche Bereiche vordringt und ihr eigentlich angestammtes Gebiet, nämlich die Sportgerichtsbarkeit, unrechtmäßig verlässt. Auch aus der Politik kamen Forderungen, die weder mit einem demokratischen Rechtsstaat wie unserem, noch mit der Realität in deutschen Stadien vereinbar sind. So forderte der scheidende niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann Richter und Staatsanwälte im Stadion, „damit es so schnell wie möglich zu Verurteilungen und Stadionverboten kommt.“ (Quelle: Echo-Online.de, 05.12.12). Hierzu erübrigt sich jeder weitere Kommentar!

Leider sind es aber nun Sie, Herr Kind, der sich an einer Kollektivstrafe versucht, obwohl sogar das schlussendlich verabschiedete und von Ihnen unterschriebene Papier zum „Sicheren Stadionerlebnis“ sich ausdrücklich gegen Kollektivstrafen und für täterorientierte Ansätze ausspricht. Die von Ihnen ergriffene Maßnahme ist weder angemessen noch effektiv und hat dazu geführt, dass viele Besucher auch aus anderen Stadionteilen das nächste Europa-League-Heimspiel nicht besuchen werden. Viele haben dies bereits in verschiedenen Foren angekündigt und auch in persönlichen Schreiben dem Verein mitgeteilt.

Auch die häufig praktizierte Weitergabe von persönlichen Daten, sei es von der Polizei an Vereine oder andersherum, ist mit geltendem Recht unvereinbar, wird jedoch regelmäßig betrieben. Datenschützer und Fananwälte weisen seit Jahren wiederholt auf diese Missstände hin.

Darüber hinaus wurden innerhalb des letzten Jahres mehrfach Spruchbänder und Flyer von Ihnen bzw. Ihren Mitarbeitern verboten, die sich kritisch mit den Aktivitäten des “Vereins” auseinandersetzten. Strafrechtliche Relevanz besaßen diese nicht, sondern sie waren Ausdruck einer kritischen Gegenöffentlichkeit, die man durch Verbote im Stadion mundtot zu machen versucht. Eine starke und pluralistische Gesellschaft lebt von Kritik und Kritikfähigkeit, Konflikt und Kompromiss. Dies gilt unserer Meinung nach auch für den Verein und diese Überzeugung endet nicht am Stadiontor.

Unser Stadionerlebnis:

Die einzelnen Unterzeichner dieses Briefs erleben ein Fußballspiel auf ganz unterschiedliche Art und Weise. Die einen verfolgen das Spiel im Sitzen von einer der Tribünen, während andere wiederum im Fanblock stehen, singen und Fahnen schwenken, um die Mannschaft zu unterstützen. Jede Art des Stadionbesuchs hat ihre Daseinsberechtigung und diese Vielfalt ist das, was Stadionbesuche in Deutschland einzigartig macht. Der Stadionbesuch wird dadurch zum Kulturgut, das es zu schützen und zu bewahren gilt – mit seiner Vielfalt und seinen unterschiedlichen Charakteren. Für uns sind Fußball und Hannover 96 kein Premiumprodukt, kein Investment, keine Marke. Für uns ist es mehr! Für die einen die schönste Nebensache der Welt. Für die anderen gar das Leben. Die von Medien und Politik häufig propagierte Gewaltproblematik in deutschen Stadien gibt es nicht. Der Besuch eines Fußballspiels ist heute so sicher wie nie zuvor. Es kommt zwar gelegentlich zu gewalttätigen Auseinandersetzungen, allerdings geschieht dies meist auf der An- und Abreise und höchst selten im Stadion. Dies zu verharmlosen ist ausdrücklich nicht unser Anliegen, doch muss auch festgehalten werden, dass es derartige Vorfälle gibt, seit es den Fußball als Volkssport gibt und diese sich bei den vielen Millionen Besuchern, die die Spiele der Bundesligen jährlich besuchen, leider niemals auf null werden reduzieren lassen. Die Daten der „Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze“ (ZIS), die angeblich eine Eskalation der Gewalt belegen sollen, sind zudem von Experten mehrfach als manipulativ und nicht aussagekräftig entkräftet worden. Es besteht also kein Grund für Aktionismus, sondern eine realitätsnahe und unvoreingenomme Betrachtung der Faktenlage ist angezeigt.

Die aktuellen Geschehnisse:

Vergangenen Freitag (01.02.13) stand das Bundesliga-Auswärtsspiel in Bremen an. Ein Ziel, das immer von besonders vielen 96-Fans angefahren wird. Doch im Auswärtsblock war dieses Mal ungewöhnlich viel Platz, ist er doch sonst bei unseren Besuchen regelmäßig überfüllt. Einige hundert Fans hatten das Reiseziel nicht erreicht. Sie waren in Achim aus dem Regionalexpress gestiegen, um mit einer anderen Bahn des Regelverkehrs die Reise nach Bremen fortzusetzen. Am nächsten Tag war in der Presse von Randale in den Zügen und am Bahnhof Achim zu lesen. Die Fans, die dort ausgestiegen waren, wurden anschließend zurück nach Hannover gefahren. Am Hauptbahnhof wurden von allen die Personalien aufgenommen, sowie Fotos angefertigt. Eine Maßnahme, die sich, laut offiziellem Polizeibericht, bis weit nach Mitternacht erstreckte. In einem Interview mit dem NDR am 02.02.13 lobten Sie, Herr Kind, das konsequente Vorgehen der Polizei und kündigten an zu erwägen, einer bestimmten Fangruppierung in Zukunft keine Karten mehr verkaufen.

Uns liegen diverse Augenzeugenberichte von Betroffenen aus Achim vor, teilweise von Familienvätern mit Dauerkarte auf der Westtribüne – nur damit Sie das einordnen können. Folgendes trug sich demnach zu: Der Regionalexpress Richtung Bremen war, wie zu erwarten, mehr als überfüllt. Das Platzangebot war grenzwertig. Die sanitären Verhältnisse waren schlecht und die Frischluftzufuhr ungenügend. Am Bahnhof Achim stieg eine größere Gruppe aus, um diesen Zuständen und sicherlich auch den wartenden und unserer Meinung nach Viehtransporten gleichenden Shuttle-Bussen am Bremer Hauptbahnhof zu entgehen. Man sollte meinen, dass dies in unserem Land, in dem bekanntlich Reise- und Bewegungsfreiheit herrschen, auch für Fußballfans ohne weiteres möglich sein sollte. Das Gegenteil scheint der Fall. In Windeseile wurden Polizeikräfte zusammengezogen. Es kam zu vereinzelten Rangeleien.

Dabei wurde von der von Ihnen genannten Fangruppierung beschwichtigend auf die Fans auf dem Bahnsteig eingewirkt und durch Megaphon-Durchsagen dazu aufgefordert, Ruhe zu bewahren und das Werfen von Böllern unbedingt zu unterlassen, um in Kürze die Reise fortsetzen zu können. Die Reise ging aber nicht weiter. Stattdessen wurden sämtliche anwesenden Fans von der Polizei eingekesselt und zwei Stunden lang im Regen auf dem Bahnsteig festgehalten. Ohne sanitäre Einrichtungen. Dass einige infolgedessen ihre Notdurft auf dem Bahnsteig verrichten mussten, ja dazu sogar von den eingesetzten Beamten angewiesen wurden, ist zwangsläufig. Dass dies dann als ein Paradebeispiel für die verrohten Sitten unter Fußballfans Einzug in den Polizeibericht hält, ist entlarvend!

Nach zwei Stunden in Regen und Kälte im Polizeikessel fuhr ein Zug ein, der die Fans zurück nach Hannover bringen sollte. Da dies nicht das eigentliche Reiseziel war, ist es verständlich, dass der Zug von einigen nur widerwillig betreten wurde. Die Polizei verstand es aber, nachdrücklich deutlich zu machen, dass eine Fahrt mit diesem Zug alternativlos sei. Zurück in Hannover kam es zu den oben beschriebenen Personalien- und Fotoaufnahmen von allen Insassen des Zuges. Welche Konsequenzen dies für die unterschiedlichen Personen haben kann, dürfte bekannt sein. Willkürliche Einleitung von Strafverfahren, verbunden mit rechtswidrigen Stadionverboten und Einträgen in die rechtlich mehr als fragwürdige Datei “Gewalttäter Sport” drohen. Außerdem droht die Bundespolizei Bremen mit Strafanzeigen “wegen des Verdachtes gemeinschaftlich begangenen Landfriedensbruchs, Missbrauchs von Nothilfemitteln, Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und Sachbeschädigung”, sowie “zivilrechtlichen Forderungen” aufgrund von Störungen des Bahnverkehrs (Quelle: Pressemitteilung der Bundespolizeiinspektion Bremen, 02.02.13) Und das alles, weil man eine reguläre Umsteigemöglichkeit wählen wollte? Im Endeffekt durften sich die Betroffenen über einen Zeitraum von bis zu acht Stunden weder frei bewegen noch sich verpflegen.

Die Stimmung im Gästeblock in Bremen indes war schlecht. Koordinierte Anfeuerungsrufe gab es nicht. Dafür aber jede Menge stumpfes Gepöbel. Selten hat man so viele rassistische, antisemitische und sexistische Verunglimpfungen in einem Fanblock der Roten hören müssen. Außerdem wurden zwei Böller und ein Bengalo gezündet. Wer war dafür verantwortlich? Die von Ihnen immer wieder gescholtene Personengruppe kann es nicht gewesen sein, denn sie war nach den Vorkommnissen in Achim nicht anwesend.

Die Zukunft:

Es ist mittlerweile so weit gekommen, dass man von zahlreichen Vereinsmitgliedern hört, dass sie erwägen ihre Mitgliedschaft zu kündigen oder dies bereits getan haben. Einige haben dies in Verbindung mit persönlichen Nachrichten an Sie getan. Erkundigen Sie sich dahingehend bei Ihren entsprechenden Angestellten.

Keiner von uns schätzt Ihre Leistungen rund um Hannover 96 gering. In sportlich wie wirtschaftlich schwierigen Zeiten haben Sie sich persönlich um den Verein verdient gemacht und ihn in ein sicheres und zukunftsfähiges Fahrwasser gelenkt. Sie sollten aber nicht vergessen, dass auch wir immer dabei waren. Teilweise schon vor Ihnen. Trotz Abstiegs bis in die Regionalliga waren wir immer an der Seite des Vereins. Nach dem Tod von Robert Enke sind wir in der 96-Familie alle näher zusammengewachsen. In einer großen Kraftanstrengung konnte die Mannschaft auch mit unserer Unterstützung in Bochum am letzten Spieltag den Klassenerhalt sichern und in der Folgesaison sich sensationell erstmalig seit 20 Jahren für einen internationalen Wettbewerb qualifizieren.

Verschiedenste Ereignisse führten dazu, dass die Harmonie und Einigkeit dieser Zeit im vergangenen Jahr verloren ging. Anfangs war da die Diskussion um die Haarmann-Fahne, die seit Jahren in der Fankurve geschwenkt wurde und nun auf einmal von Ihnen zum Politikum gemacht wurde. Entscheidend waren aber wohl die Ereignisse rund um die Einführung des Konzeptpapiers „Sicheres Stadionerlebnis“. Sowohl die Verbände als auch die überwiegende Zahl der Vereine ließen hier die Meinungen, Befürchtungen und Ängste von uns Fans völlig außer Acht und wollten über unsere Köpfe hinweg über ein völlig realitätsfremdes und grundrechtsverletzendes Papier abstimmen. Zum Glück konnte dies in letzter Minute durch einen bundesweiten Fanprotest verhindert und der Inhalt des Papiers deutlich abgemildert werden. Der Schaden aber, den derartige Missachtung in unserer Fanseele hinterlassen hat, war angerichtet. Ihre jüngsten Maßnahmen wie das Verbot kritischer Spruchbänder oder die genannten Kollektivstrafen für den Supporters-Block, sowie Ihre diversen Äußerungen über Fanangelegenheiten in Interviews in Zeitung, Radio und Fernsehen, haben nicht dazu beigetragen, diese Wunden zu heilen, sondern vergrößern nur unser Unverständnis.

Die von Ihnen avisierte Verdrängung organisierter Fanstrukturen wird nicht zu dem von Ihnen gewünschten Ergebnis führen. Ja, die organisierten und aktiven Fans sind kritisch und kompliziert. Doch ihr Wirken setzt Synergieeffekte frei, deren Ausmaß Ihre marktwirtschaftliche Orientierung nicht erfasst. Werfen Sie einmal einen Blick in den aktuellen Fanartikel-Katalog, der mit den Choreographien der vergangenen Saison wirbt. Kein Sponsor ist in der Lage, derartiges auf die Beine zu stellen. Das ist Kunst! Das ist Fankultur! Das ist Fußball! Aktive Fußballfans sind neben ihrem unermüdlichen Einsatz für den Verein für eine Vielzahl karitativer Aktionen verantwortlich. Beispielhaft seien hier die Spendensammlungen für ein Waisenheim im ukrainischen Poltawa, woran auch Sie sich beteiligten, oder für die Stiftung Kinderherz erwähnt. An Kinder und Jugendliche richten sich ebenfalls viele Angebote, ohne dass diese Arbeit an die große Glocke gehängt und in der Hochglanzwelt der Medien ausgeschlachtet wird. Hinzu kommen Veranstaltungen gegen Rassismus, wie ein antirassistisches Fußballturnier, das jährlich in der Sommerpause stattfindet oder das „Spaß gegen Stumpf-Festival“ zu Saisonbeginn im Bereich der Nordkurve.

Unter der Prämisse offener und ehrlicher Gespräche auf Augenhöhe haben sich die verschiedensten Gruppierungen der Hannoverschen Fanszene stets zum Dialog bereit gezeigt. Durch die Verdrängung der organisierten Fans aus dem Stadion berauben Sie sich selbst der wichtigsten Ansprechpartner. Sie, Herr Kind, reißen Lücken, in die Andere vordringen werden, die nicht gesprächsbereit, nicht organisiert und nicht fassbar sind. Auch Rassismus ist leider nicht völlig aus dem Stadion verdrängt, auch in Hannover nicht. Die Zerstörung organisierter Fankultur öffnet menschenverachtenden Ideologien Tür und Tor. Aktuelle Beispiele aus anderen Stadien belegen dies eindrücklich. Die Lösung der aktuellen Probleme ist es nicht, mehr Repressionen gegen Fans durchzusetzen, sondern der offene und ehrliche Dialog mit verbindlichen Abmachungen und die mutige Gewährung zusätzlicher Freiheiten für die aktive Fanszene über jedes bisher dagewesene Maß hinaus. Die Stärkung der Unabhängigkeit der Fanszene wäre visionär für Hannover 96 und würde den Fans die Möglichkeit geben, das Verantwortungsbewusstsein, das sie für sich in Anspruch nehmen, zu beweisen. Werden Sie sich über den Wert dessen, was Sie meinen bekämpfen zu müssen, bewusst. Nehmen Sie uns Fans und unsere Interessen ernst. Gemeinsam können wir Großes erreichen. Gegeneinander gibt es ausschließlich Verlierer!

Mit schwarz-weiß-grünen Grüßen!

 

(Unterschreibt hier: https://briefankind.wordpress.com/unterschreiben/)