Kind muss weg! – Aber warum?

8 Aug

Die aktive Fanszene in Hannover lehnt Martin Kind als Vereinspräsidenten inzwischen größtenteils ab. Dies wurde gegen Ende der vergangenen Saison auch in Gesängen und auf Spruchbändern bei Heimspielen im Niedersachsenstadion und bei Auswärtsspielen in der ganzen Republik kundgetan. Zugegebenermaßen führte dies zu Unverständnis bei anderen Stadionbesuchern und 96-Fans, die immer wieder auf die Verdienste Kinds um den Verein in der sportlich und wirtschaftlich schwierigen Zeit der 90er Jahre verwiesen, welche auch von unserer Seite nicht geleugnet werden. In vielen persönlichen Gesprächen haben wir versucht, über unsere Beweggründe aufzuklären und vielfach stieß man hierbei auf Verständnis. Die breite Masse an Stadionbesuchern und Fans erreichte man auf diese Art und Weise allerdings nicht. Daher wollen wir versuchen, unseren Standpunkt zu verschriftlichen und die vielen Vorfälle und Argumente, die uns zu unserer Haltung brachten und darin bestärken, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen.

Die Schwierigkeit hierbei besteht darin, einen Zeitpunkt zu setzen, ab dem sich das Verhältnis zwischen Fans und Vereinsführung eklatant verschlechterte, denn Unstimmigkeiten gab und gibt es immer wieder – bei jedem Verein. Vorfälle, die so schwer wiegen, dass von Fanseite die Ablösung des Vereinsvorstandes gefordert wird, sind hingegen eher selten. Wir beschränken unsere Schilderungen daher zunächst auf die Ereignisse rund um die Saison 2012/13, da diese erstmals aus den üblichen Unstimmigkeiten herausragten und schließlich zum Status Quo führten, in dem die Vereinsführung keine Ansprechpartner mehr auf Fanseite hat, den Fandachverband zur Auflösung gedrängt hat und weiterhin versucht, kritische Meinungsäußerung im Stadion zu unterbinden. Abschließend gibt es einen Ausblick auf die Jahre 2017/18 und die Bedeutung der 50+1-Regel für den Hannoverschen Sportverein von 1896 e.V.

Der Fall Haarmann

Aber fangen wir vorne an: Zu Beginn der Saison 2012/13 stand das Heimspiel gegen Schalke 04 an. In der Nordkurve wurde neben vielen anderen auch eine Fahne mit dem Konterfei Fritz Haarmanns geschwenkt. Fritz Haarmann ist eine Person der hannoverschen Stadtgeschichte, die sowohl im Tourismus- wie Marketinggeschäft der Stadt Hannover seit vielen Jahren Verwendung findet (Stadtführungen, Adventskalender u.v.m.). Auch die Fahne in der Nordkurve war keineswegs neu, sondern seit über 5 Jahren häufig bei Heim- und Auswärtsspielen in Gebrauch – sogar im europäischen Ausland. Neu hingegen war die Empörung, die diese Fahne auf einmal hervorrief. In einem Bild-Artikel (auf eine Verlinkung zu Bild-Artikeln verzichten wir aus Überzeugung!) wurde massiv gegen die Fahne gewettert. Noch vor Veröffentlichung des Artikels hatten Fanvertreter, Fanbetreuung und führende Mitarbeiter von Hannover 96 in Gesprächen ein gemeinsames Vorgehen abgesprochen. Vereinspräsident Martin Kind hingegen, auf die Fahne angesprochen, versprach, diese in Zukunft aus dem Stadion zu verbannen, anstatt die Fahne und die Person Fritz Haarmann in den zugrundeliegenden Kontext einzuordnen und so die vorgeschobene Empörung der Lächerlichkeit preiszugeben. Darüber hinaus drohte er an, den Personen, die diese Fahne schwenken, in Zukunft den Zutritt zum Stadion zu verwehren. Kurz nach dieser medialen Äußerung wurde jedoch gegenüber Vertretern der aktiven Fanszene in einem persönlichen Gespräch diese Drohung relativiert (siehe Link am Ende des Absatzes). Trotzdem wurde die angekündigte Maßnahme kurz darauf umgesetzt (Quelle: http://www.11freunde.de/artikel/zum-stimmungsboykott-bei-hannover-96, Stand: 07.08.13, 14 Uhr). Die Fanszene wurde hiervon wenige Stunden vor dem Europapokal-Heimspiel gegen UD Levante überrascht, widersprach dieses Vorgehen doch vorher getroffenen Übereinkünften mit der Vereinsführung. Die Folge war ein Stimmungsboykott, der aufgrund der Kurzfristigkeit nicht mehr ausreichend kommuniziert werden konnte. Vom darauf folgenden Heimspiel gegen Dortmund war einer der Haarmann-Fahnen-Schwenker weiterhin ausgeschlossen. Die aktive Fanszene hatte unterdessen einen Flyer ausgearbeitet, der über die Vorkommnisse informieren sollte. Darin wurde erklärt, dass mit dem willkürlichen Verbot von Material eine Grenze überschritten sei, die das Ausleben des Fandaseins faktisch unmöglich mache.

Fest stand, dass das Schwenken der Haarmann-Fahne keine strafrechtliche Relevanz besaß. Über eine Frage des guten Geschmacks ließe sich sicherlich streiten, und das wurde auch innerhalb der Fanszene intensiv getan. Doch was erhebt die Bild-Zeitung und die Vereinsführung zum moralischen Sittenwächter? Es bestand also die Gefahr, dass in Zukunft jedwedes Material der willkürlichen Begutachtung der Vereinsführung zum Opfer fallen könnte. Dies wäre das Ende für die kritische und freie Meinungsäußerung, die nach unserem Verständnis auch beim Fußball und in einem Stadion ihren Platz haben muss. Dass unsere Befürchtungen nicht aus der Luft gegriffen waren bestätigte sich quasi im Handumdrehen, als der besagte Informations-Flyer kurzum verboten wurde. Eine Verteilung im Stadion sowie dessen direktem Umfeld war somit nicht mehr möglich. Ein weiterer Versuch, eine kritische Gegenöffentlichkeit mundtot zu machen. (Eine Chronologie der Ereignisse rund um die Haarmann-Fahne aus Sicht der Ultras Hannover: http://www.ultras-hannover.de/wordpress/wp-content/uploads/2012/10/Chronologie.pdf, Stand: 07.08.13, 14 Uhr)

Das Konzeptpapier „Sicheres Stadionerlebnis“

Schweren Herzens erklärte sich die Fanszene nach Gesprächen bereit, auf die Fahne zu verzichten, denn ein anderes großes fanpolitisches Thema warf bereits seine dunklen Schatten voraus. An den Fans vorbei sollte still und heimlich das sogenannte Konzeptpapier „Sicheres Stadionerlebnis“ verabschiedet werden. An dieser Stelle verzichten wir darauf, die kompletten Ereignisse und Proteste erneut zu thematisieren. Bei Interesse (und dieses sei jedem Leser ausdrücklich ans Herz gelegt) können alle Vorgänge im Detail unter www.12doppelpunkt12.de nachvollzogen werden. Nur durch eine koordinierte Aktion aller Fanszenen bis in die Amateurligen konnte zu dem Zeitpunkt die Umsetzung des ersten Entwurfs des Konzepts verhindert werden. „Unsere“ Vereinsführung hingegen bekleckerte sich in diesem Zusammenhang erneut nicht mit Ruhm. Fanvertretern wurde das Konzeptpapier sogar auf Nachfrage vorenthalten und eine Diskussion über dessen Inhalte wurde abgelehnt. Entgegen einer expliziten Aufforderung durch die Fans lehnte man das Konzeptpapier nicht ab sondern stimmte im Gegenteil in der überwiegenden Zahl der Anträge mit „Ja“. Fans können sich also glücklich schätzen, dass das Papier vor Abstimmung auf dunklen Kanälen seinen Weg an die Öffentlichkeit fand und durch monatelange Proteste schließlich deutlich entschärft werden konnte. Was bleibt ist das fanfeindliche Vorgehen unseres Vereins, dass uns erneut sprachlos zurückließ. (Kommentierte Erstfassung des Konzeptpapiers: http://www.ultras-hannover.de/wordpress/wp-content/uploads/2012/10/Kommentierte+Fassung+DFL+Endfassung.pdf , Stand: 07.08.13, 14 Uhr/ Stellungnahme der Ultras Hannover zur überarbeiteten Version: http://www.ultras-hannover.de/wordpress/wp-content/uploads/2012/11/Stellungnahme-zum-DFL-Konzeptpapier.pdf, Stand: 07.08.13, 14 Uhr)

Die verbalen Entgleisungen des Martin Kind – Teil 1

 In der Zwischenzeit stand das Auswärtsspiel beim VfL Wolfsburg an. Die Freude über einen der – was zu dem Zeitpunkt niemand wissen konnte – wenigen Auswärtssiege der Saison wurde allerdings durch Aussagen „unseres“ Präsidenten getrübt. Nachdem ein Teil der mitgereisten Fans den vor der Saison nach Wolfsburg gewechselten Emanuel Pogatetz mit unschönen aber in deutschen Fußballstadien sicherlich nicht untypischen Worten beleidigt hatten, ließ sich Martin Kind gegenüber der Presse dazu herab, von Teilen der Fans als „Arschlöcher“ zu sprechen. Dies allein ist sicherlich weniger dramatisch. Wer häufiger zum Fußball fährt, der ist auch etwas deftigere Sprache gewöhnt. Ob sich dies für einen Vereinspräsidenten gehört, ist natürlich eine andere Frage. Völlig daneben und in keinster Weise zu tolerieren waren aber die weiteren Aussagen Kinds in diesem Zusammenhang: „Da müssen wir prüfen, inwiefern wir Strafen und Stadionverbote aussprechen können, ohne dass man es im Einzelfall zu einhundert Prozent beweisen kann.“, ließ er sich zitieren (Quelle: http://www.reviersport.de/206558—h96-kind-will-strafen-ohne-100-prozentigen-beweis.html, Stand: 07.08.13, 14 Uhr). Eine Aussage die wir hinsichtlich des Gedankens an Recht und Gerechtigkeit unkommentiert lassen wollen, zumal es dazu eigentlich keine zwei Meinungen geben kann.

ACAB?

Zu Beginn der Rückrunde wandte sich die Gewerkschaft der Polizei (GdP) Niedersachsen an die vier niedersächsischen Profi-Vereine mit der Bitte, das Buchstabenkürzel ACAB (engl. All Cops are Bastards) im Stadion zu verbieten. Von den Vieren hielt es anfangs nur einer für nötig, auf das Anschreiben der Populisten von der GdP zu reagieren. Hannover 96 vermeldete in Person von Martin Kind umgehend die Hausordnung ändern und die Buchstabenkombination verbieten zu wollen (Quelle: http://www.tagesspiegel.de/sport/hannover-96-polizisten-beleidigen-verboten/7678086.html , Stand: 07.08.13, 14 Uhr). Dass besagtes Kürzel in der Vergangenheit so gut wie keine Verwendung in der Fanszene gefunden hatte, spielte keine Rolle. Stattdessen gab es ein erneutes willkürliches Verbot, mit dem man sich abzufinden hatte. Es kam also wie es kommen musste: aus Protest und Provokation wurde beim folgenden Heimspiel gegen Wolfsburg ein Transparent mit der entsprechenden Buchstabenkombination gezeigt. Als Ordner das Transparent entfernten, kam es zu einer Auseinandersetzung woraufhin ein Fan festgehalten wurde, da er die Begrenzung zum Stadioninnenraum überwand. Die entsprechende Fangruppierung entschloss sich daraufhin, geschlossen und friedlich das Stadion zu verlassen. Die Fans wurden daran allerdings von der Polizei gehindert. Mit welcher Begründung ist fraglich. Im Zuge dieser Maßnahmen soll auch ein gehbehinderter Fan, welcher mit Gehhilfen unterwegs war, von der Polizei angegangen worden sein. Es entwickelte sich eine weitere Auseinandersetzung, in die auch andere Fans eingriffen. In diesem Zusammenhang muss das Vorgehen der Polizisten kritisiert werden, die eine Fangruppe am friedlichen Verlassen des Stadions hinderten, äußerst aggressiv auftraten und auch Personen, die fixiert auf dem Boden lagen, mit Tritten und Schlägen traktiert haben sollen. Aber auch einige Fans setzten sich mit Mitteln zur Wehr, die weit über das gerechtfertigte Maß hinausgehen.

Achim und die verbalen Entgleisungen des Martin Kind – Teil 2

In der darauf folgenden Woche stand die Reise zum Auswärtsspiel nach Bremen auf dem Programm. Erwartungsgemäß machten sich zu diesem Freitagabendspiel viele Hannoveraner per Zug auf den Weg. Nur widerwillig setzte die Bahn einen Entlaster ein. Trotzdem waren sowohl dieser als auch alle Regelzüge gnadenlos überfüllt. Für die Bremer Innenstadt war per Allgemeinverfügung (Quelle: http://www.werder.de/media/native/fankurve/fanbrief_der_polizei_bremen_96.pdf, Stand: 07.08.13, 14 Uhr) ein Betretungsverbot für größere Gruppen von Gästefans erlassen worden. Die Anreise zum Stadion war lediglich vom Hauptbahnhof über die bereitstehenden Shuttle-Busse gestattet. Der Weg zum Hauptbahnhof, sprich die Wahl der Zugverbindung, war allerdings freigestellt. Aus diesem Grund verließ eine Gruppe von 434 Personen am Bahnhof Achim einen überfüllten Regionalexpress, um mit einem der folgenden Züge die Fahrt nach Bremen fortzusetzen. Laut Zeugenaussagen soll das Bahnpersonal auch zum Verlassen des Zuges und Umsteigen aufgefordert haben, da der zunächst genutzte Zug maximal überlastet war. Diese 434 Personen setzten sich aus großen Teilen der aktiven Fanszene aber auch zahlreichen Gelegenheitsfahrern bis hin zu Minderjährigen zusammen. Es wurde dieser Gruppe allerdings nicht gestattet, ihre Fahrt wie geplant fortzusetzen. Stattdessen wurde sie von eilig zusammengezogenen Polizeikräften noch auf dem Bahnsteig eingekesselt und zwei Feuerwerkskörper wurden gezündet. Vertreter der aktiven Fanszene riefen aber über ein mitgeführtes Megaphon alle Reisenden zur Ruhe auf, um die Reise in Kürze doch fortsetzen zu können. Diesem Aufruf wurde seitens der Fans Folge geleistet. Die Polizei jedoch verhinderte, dass die Fans einen der nachfolgenden Züge bestiegen, indem diese nicht mehr im Bahnhof Achim hielten. Stattdessen wurden alle 434 Personen gewaltsam in einen Zug gedrängt, der sie zurück nach Hannover bringen sollte. Während des gesamten Aufenthalts in Achim, der mehrere Stunden dauerte, waren sowohl Toilettengänge als auch Einkäufe von Nahrungsmitteln nicht gestattet. Stattdessen soll die Polizei die Betroffenen aufgefordert haben, in der Menschenmenge auf die Gleise zu urinieren. In Hannover angekommen wurden alle Personen einzeln in die Katakomben des Hauptbahnhofs geführt, um ihre Personalien abzugeben und fotografiert zu werden. Auch diese Maßnahme erstreckte sich über mehrere Stunden bis weit nach Mitternacht. Essen und Trinken wurde weiterhin nicht bereit gestellt und die selbstständige Beschaffung von Verpflegung wurde untersagt. Die Verweigerung von Toilettengängen sowie die Verwehrung von Getränken und Essen für sich in Gewahrsam befindliche Personen verstößt dabei gegen diverse Polizeigesetze und stellt einen erheblichen Eingriff in die Grundrechte der Betroffenen dar.

Bereits wenige Stunden nach diesen Vorfällen – am Samstag – verurteilte Martin Kind in einem Interview mit dem NDR das Verhalten der Fans (Quelle: http://www.ndr.de/regional/niedersachsen/oldenburg/randale201.html,Stand: 07.08.13, 14 Uhr). Ganz offensichtlich hatte er sich nicht über den wahren Ablauf der Ereignisse informiert. Stattdessen lobte er pauschal das harte Vorgehen der Polizei.

Im Verlauf meldeten sich auch viele Eltern von Minderjährigen, die von der Maßnahme betroffen gewesen waren, zu Wort und äußerten ihr Unverständnis und ihre Wut über das unverhältnismäßige und fragwürdige Vorgehen der Polizei. Als Reaktion auf die immer lauter werdende Kritik sollte es einen Informationsabend mit Vertretern von Polizei und Verein geben, um die Geschehnisse des Abends aufzuarbeiten. Der Polizeivertreter zeigte sich auf dieser Veranstaltung wenig einsichtig, musste sich aber von erbosten Eltern und Anwälten unangenehme Fragen gefallen lassen. Er gab jedoch auch an, dass gegen alle 434 Personen schwerwiegende Vorwürfe wie “Landfriedensbruch” erhoben und somit gegen alle Beteiligten Ermittlungsverfahren eingeleitet würden. Die überwiegende Zahl dieser Verfahren musste allerdings schon kurz darauf aufgrund von Haltlosigkeit der Anschuldigungen eingestellt werden. In der Tat ist uns aktuell nicht bekannt, ob überhaupt noch Verfahren in dieser Angelegenheit laufen.

Auf eine Entschuldigung Kinds wegen seiner undifferenzierten Worte vom Samstag und seinem bedingungslosen Gehorsam gegenüber dem Vorgehen der Polizei warten die Betroffenen bis zum heutigen Tag. Stellt sich also die Frage, was der Grund für das Vorgehen der Polizei war. Eine Gefahr ging von Seiten der Fans am Bahnhof Achim nicht aus. Ganz im Gegenteil wurde von Fanseite deeskalierend agiert. Es liegt also der Schluss nahe, dass es sich bei dem Vorgehen um eine gezielte Datensammelaktion der Ermittlungsbehörden handeln könnte. Dafür sprechen die Personalienfeststellungen und die Anfertigung von Fotos. Eine Maßnahme diesen Ausmaßes verdachtsunabhängig durchzuführen ist ein weiterer schwerwiegender Eingriff in die Grundrechte der 434 betroffenen Personen. Dass Martin Kind dieses Vorgehen pauschal und unkritisch stützt, anstatt sich als Vereinspräsident zunächst bei Fanvertretern direkt oder gegebenenfalls über das Mittel der Fanbetreuung detaillierte Informationen einzuholen, ist ein weiterer kaum zu entschuldigender Fehltritt. Darüber hinaus gelten die Vorfälle von Achim wider besseren Wissens in der hannoverschen Presselandschaft nach wie vor als Beleg für ausufernde Fangewalt und die Bundespolizei Bremen rühmt sich in einer die Wahrheit verzerrenden Pressemitteilung auf ihrem Presseportal noch immer mit ihrem „konsequenten Handeln“ (Quelle: http://www.presseportal.de/polizeipresse/pm/70255/2409020/bpol-hb-abschlusspressemitteilung-fussballfans-von-hannover-96-behindern-bahnverkehr, Stand: 07.08.13, 14 Uhr). Auch diese Zustände sind entschieden zu kritisieren.

Martin Kinds „Selektive Kollektivstrafe“

Doch damit nicht genug. Bereits kurz zuvor hatte das Ticketing von Hannover 96 angekündigt, für das Europapokal-Heimspiel gegen Anschi Machatschkala die Preise im Rote Kurve-Block (Mittelteile von N16 und N17), in dem sich große Teile der aktiven Fanszene einfinden, um 5 Euro anzuheben, während sie im Rest des Stadions unverändert blieben. Martin Kind sprach in diesem Zusammenhang von einer „selektiven Kollektivstrafe“ (Quelle: http://www.rotekurve.de/2013/02/stellungnahme-zur-fanrunde-am-11-02-2013/, Stand: 07.08.13, 14 Uhr) und kam zu der Einschätzung „Kollektivstrafen sind manchmal nötig“ (Quelle: http://www.spiegel.de/sport/fussball/kollektivstrafe-96-fans-muessen-hoehere-eintrittspreise-zahlen-a-878868.html, Stand: 07.08.13, 14 Uhr). Bestraft werden sollte hierbei die Anwendung von Pyrotechnik (ebd.). Bedenklich hierbei ist, dass eine große Masse von Fans, nämlich alle in den entsprechenden Blöcken, für die „Taten“ einiger weniger in Haftung genommen werden sollen. Dass diese Art von Kollektivstrafe rechtlich wie moralisch fragwürdig ist, ist offensichtlich. Darüber hinaus machten die Ultras Hannover kurz darauf öffentlich, dass es eine geheime Absprache mit Martin Kind gegeben haben soll, die das Zünden von Pyrotechnik in einem gewissen Rahmen (fünfmal pro Saison plus einmal nach Abpfiff beim letzten Saisonspiel) „gestatten“ sollte, ohne dass Kind dafür spezifische auf das hannoversche Umfeld bezogene Strafen umsetzt (Quelle: http://www.goal.com/de/news/827/bundesliga/2013/02/11/3743467/pyro-absprachen-zwischen-96-und-den-ultras-hannover, Stand: 07.08.13, 14 Uhr). Dieser Kompromiss kam über einen Mittelsmann im Verein zustande. Selbst wenn Martin Kind diese Absprache nicht bekannt war, wie er später behauptete, so muss er sich zumindest Fragen über die Arbeit seiner Mitarbeiter und Angestellten, die diese Abmachung aushandelten, gefallen lassen. Fakt ist jedenfalls, dass sich die Fanszene in der Vergangenheit an die Vorgaben gehalten hat und bis heute hält, auch wenn die Vereinbarung einseitig von Martin Kind aufgekündigt worden ist. Wer Art und Umfang von Pyro-Aktionen der hannoverschen Fanszene genauer betrachtet, dem wird darüber hinaus bewusst, dass sich die Häufigkeit (sechsmaliger Einsatz von Pyrotechnik bei 49 bzw. 50 Spielen in den letzten zwei Spielzeiten siehe „geheime“ Vereinbarung) sehr in Grenzen hält. Außerdem hält man sich in Hannover an die selbst auferlegten Grundsätze zum sicheren Umgang mit Pyrotechnik der Initiative „Pyrotechnik legalisieren – Emotionen respektieren“ (www.pyrotechnik-legalisieren.de). Warum diese Thematik gerade in Hannover immer wieder die Gemüter der Offiziellen derart erregt, ist daher nicht ersichtlich. Die Sinnlosigkeit und Kurzsichtigkeit der Maßnahme Kollektivstrafe wurde unterdessen dadurch ersichtlich, dass sich die Fanszene für das Anschi-Spiel geschlossen einen anderen Block in dem an diesem Abend mehr als schlecht gefüllten Niedersachsenstadion suchte. Erschreckend viele Plätze, selbst ganze Blöcke, blieben bei diesem Europapokal-Sechzehntelfinale – immerhin erst dem zweiten der Vereinsgeschichte – unbesetzt.

Kurz darauf wandten wir uns mit einem Offenen Brief an Martin Kind, indem wir unseren Unmut über sein Vorgehen mitteilten und Anregungen gaben, wie das Verhältnis unserer Meinung nach zu verbessern sei. Diesen Brief unterzeichneten über 1800 Fans. Vom Schulkind bis zum Rentner. Von der Nord- bis zur Südtribüne. Seine Antwort zeugte von der völligen Ignoranz der Schwierigkeit der Lage und dem völligen Desinteresse an einer ernsthaften Auseinandersetzung mit Faninteressen (Offener Brief, Unterstützerunterschriften und Kinds „Antwort“ sind nachzulesen unter: www.brief-an-kind.de).

Die verbalen Entgleisungen des Martin Kind – Teil 3

 Den nächsten Fehltritt leistete sich Vereinspräsident Martin Kind, als er Hannover 96 auf einer Veranstaltung des elitären „Fanclubs“ „Rote Reihe“ als „Scheißverein“ bezeichnete und damit das Gelächter der honorigen Gesellschaft aus hannoverscher High Society auf seiner Seite hatte. „Scheißverein“ wohl gemerkt nur, bis er selbst – Martin Kind – vor mittlerweile über 17 Jahren das Ruder übernahm (Quelle: http://www.haz.de/Nachrichten/Sport/Fussball/Hannover-96/Martin-Kind-Hannover-96-ist-ein-Scheissverein-gewesen, Stand: 07.08.13, 14 Uhr). Wieder einmal solch eine Aussage von unnachahmlicher Kurzsicht. Nicht nur verleugnete er damit die – bisher einzig vorweisbaren – Titelgewinne (nämlich die Meisterschaften ’38 und ’54 sowie den Pokalsieg ’92), die Amateurmeisterschaften der Jahre ’60, ’64 und ’65 sowie zahlreiche Erfolge im Badminton und der Leichtathletik. Auch zieht er das Engagement von tausenden Ehrenamtlichen und Aktiven in den Dreck, die den Verein in seiner mehr als hundertjährigen Tradition mit Herzblut aufgebaut und geformt haben.

Die verbalen Entgleisungen des Martin Kind – Teil 4 und 5

Nachdem Martin Kind den Ultras Hannover die Nutzung der Container im Stadion genauso verboten hatte wie die Vorbereitung der großen Choreos oder das Zeigen kritischer Spruchbänder, hatten diese schon bald verkündet, in Zukunft den Gesprächen mit dem Verein fernzubleiben. Bald darauf gab auch die Rote Kurve, der über 5000 Mitglieder zählende Fandachverband, bekannt, keine Grundlage mehr für Gespräche mit der Führungsriege von Hannover 96 zu sehen. Im letzten Gespräch mit Martin Kind leistete sich dieser noch einmal Ungeheuerliches. Verdienten Fanvertretern, die teilweise seit Jahrzehnten kein Heimspiel der Roten mehr verpasst hatten, soll er nahe gelegt haben, sich ein neues „Hobby“ zu suchen. Dem Vorstand der Roten Kurve schlug er vor, künftige Verbandsstrafen durch persönliche Bürgschaften zu begleichen. Es wurde also deutlich, dass er den Weg der Kollektivstrafen bei gleichzeitigem Versuch der Haftbarmachung von Fanvertretern weitergehen wollte. Zudem wurde ein Maßnahmenkatalog öffentlich, den die Vereinsführung zur Umsetzung bereithielt (Der Maßnahmenkatalog sowie Stellungnahmen von Fanvertretern zur Thematik finden sich im RK-Magazin Nr. 36:http://www.rotekurve.de/upload/RK-Magazin_36.pdf#page=30, Stand: 07.08.13, 14 Uhr; siehe auch Protokoll der Fanrunde vom 11.02.13: https://briefankind.files.wordpress.com/2013/07/protokoll-der-fanrunde-vom-11-02-13.pdf, Stand: 07.08.13, 14 Uhr). Im Maßnahmenkatalog zu finden war auch eine Drohung, den privat bewirtschafteten Fanladen an der Clausewitzstraße, der auch die Geschäftsstelle des Rote Kurve e.V. beherbergte, zu kündigen. Auch in der Vergangenheit waren den Betreibern schon ohne vorherige Ankündigung durch 96 Ticketkontingente entzogen oder vorenthalten worden, sodass man unter Einnahmeausfällen zu leiden hatte. Auf diese Art und Weise der Willkür ausgesetzt und in ihrer Existenz bedroht, sahen die zwei Betreiber des Ladens keine andere Möglichkeit, als den Laden von sich aus zu schließen. Konsequenz: zwei Arbeitslose! Einer davon junger Familienvater. Darüber hinaus fiel in kürzester Zeit die Anlaufstelle von tausenden Fans weg, wenn es darum ging Eintrittskarten oder Auswärtsfahrten zu organisieren. Die Fanbetreuung fand im Fanladen in der Clausewitzstraße so direkt, unkompliziert und persönlich statt, wie es Hannover 96 nicht wird organisieren können. Auch wenn Martin Kind, so auch auf der Hannover 96-Mitgliederversammlung, gerne immer wieder betont, dass die Betreiber des Fanladens von sich aus ihr Geschäft einstellten, was er persönlich sehr bedauerlich fände, so war einzig und allein die Bedrohung durch die Willkürmaßnahmen der Vereinsführung hierfür ausschlaggebend.

Dass derlei Vorgehen kein Einzelfall darstellte, beweist der Fall eines Rote Kurve-Beirat-Mitglieds. Dieses, angestellt bei einem Großsponsor von Hannover 96, traf auf einer Veranstaltung auf Martin Kind und kam mit ihm ins Gespräch. Kind soll hierbei gedroht haben, dessen Arbeitgeber, zu dem Kind guten persönlichen Kontakt habe, über das Engagement des RK-Aktiven in der Fanszene zu informieren… Kein Kommentar!

Die Schließung des Fanladens und die Drohungen seitens der Vereinsführung gegen Aktive der Roten Kurve (sei es die Denunziation oder die Haftbarmachung für Verbandsstrafen) führten schließlich dazu, dass der Rote Kurve e.V. auf seiner Mitglieder-Versammlung am 17. April beschloss, den e.V. zum Ende des Jahres 2013 aufzulösen (Quelle: http://www.rotekurve.de/2013/04/mitgliederversammlung-vom-17-04-2013/, Stand: 07.08.13., 14 Uhr / Protokoll der Mitgliederversammlung: http://www.rotekurve.de/wp-content/uploads/Protokoll-MGV-RK-2013.pdf, Stand: 07.08.13, 14 Uhr). Die Führung von Hannover 96 hat somit die Zerschlagung dieses über 5000 Mitglieder zählenden Vereins der Faninteressenvertretung zu verantworten. Die aktive Fanarbeit geht allerdings weiter. Zwar nicht als eingetragener Verein sondern über viele kleinere und größere persönliche Initiativen, die sich immer wieder neu orientieren und erfinden können, um verschiedene Projekte der Fanarbeit zu realisieren. Martin Kind und der Rest der Vereinsführung haben mit den Ultras und der Roten Kurve ihre wichtigsten Ansprechpartner in der Fanszene verloren und sich dabei alle Türen selbst zugeschlagen, abgeschlossen und die Schlüssel weggeworfen. Herzlichen Glückwunsch! Fraglich ist darüber hinaus, wie sich Martin Kind in diesem Punkt an die Lizenzierungsordnung der DFL halten kann. Diese verlangt in §5 Abs. 11 von der Vereinsführung, „sich nach besten Kräften zu bemühen, mit Vertretern seiner organisierten Fanszene einen offenen, regelmäßigen und verbindlichen Dialog zu etablieren“ (Quelle: http://static.bundesliga.de/media/native/autosync/lizenzierungsordnung_lo_2012-12-13_stand.pdf, Stand: 07.08.13, 14 Uhr). Nach aktuellem Stand sind derartige Bemühungen nicht erkennbar!

Kinds Kampf gegen 50+1

Aber auch abseits der fanpolitischen Themen machte Martin Kind als Vereinspräsident alles andere als eine gute Figur. Es ist bekannt, dass er seit langer Zeit an der Abschaffung der 50+1-Regel arbeitet. Diese Regel verhindert, dass Unternehmen oder Einzelpersonen die Stimmenmehrheit an den Kapitalgesellschaften übernehmen, in die die Fußballabteilungen der deutschen Profivereine in der Regel ausgegliedert sind. Vereinsfremde Anteilseigner können somit derzeit nicht nach Belieben schalten und walten, sie sind – zumindest auf dem Papier – von den Entscheidungen des e.V. abhängig. Die Kapitalmehrheit darf hingegen schon heute in der Hand privater Investoren liegen. Bei Hannover 96 betrifft dies alle Mannschaften von den Profis bis zur C-Jugend, die aus dem e.V. herausgelöst und in der „Hannover 96 GmbH & Co. KGaA“ zusammengefasst wurden.

Nach einem Urteil des Ständigen Lizenzliga-Schiedsgerichts steht Kind mit diesem Vorhaben jetzt auch kurz vor dem Erfolg (Quelle: http://www.zeit.de/sport/2011-08/vereinsuebernahmen-fussball-hannover96, Stand: 07.08.13, 14 Uhr). Bei der Deutschen Fußball Liga wurde ein entsprechender Antrag eingereicht, der in Kürze auf einer DFL-Mitgliederversammlung behandelt werden soll. Mit einem „Konsensmodell“ (Quelle: http://www.hannover96.de/CDA/fileadmin/_recycler_/Zusammenfassung_Konsensmodell_Hannover_96.pdf, Stand: 07.08.13, 14 Uhr) wirbt Kind für die Abschaffung der 50+1-Regel und führt die Beispiele Hoffenheim, Leverkusen und Wolfsburg als Vorbilder an. Demnach sollen Unternehmen, Gruppen und Einzelpersonen, die sich länger als 20 Jahre in einem Verein engagieren, künftig auch die Stimmenmehrheit an den Kapitalgesellschaften übernehmen können. Konkret ist für das Jahr 2018 von Kind der Verkauf der im e.V. noch verbliebenen Kapitalanteile und des Stimmrechts an der aus dem Verein ausgegliederten Profiabteilung geplant.

Bereits jetzt halten Martin Kind und seine Mitgesellschafter mittelbar mit 86 % einen Großteil der Kapitalanteile. Die Geschäftsführung – und damit das alleinige Stimmrecht – obliegt hingegen durch das gewählte Modell einer GmbH & Co. KGaA nach wie vor dem e.V., womit die 50+1-Regel gewahrt wird. Da Martin Kind in Personalunion jedoch sowohl der Vorsitzende des e.V. als auch der Geschäftsführer aller Gesellschaften und zudem der federführende Investor ist, ist diese Unterscheidung derzeit hinfällig.

Den Bedenken, dass sich Fremdinvestoren bei Hannover 96 einkaufen könnten, wie es bei zahlreichen Vereinen im Ausland der Fall ist, tritt er mit dem Argument entgegen, dass in Deutschland das erwähnte zwanzigjährige Engagement nachgewiesen werden muss und die Investoren im Fall von Hannover 96 eng verbunden mit dem Verein und der Stadt und Region Hannover seien. Zahlreiche Prüfmechanismen sollen verhindern, dass Investments kurzfristig und wettbewerbsverzerrend platziert werden. Aber warum überhaupt soll die bestehende Regelung, die dazu geführt hat, dass in Deutschland vergleichsweise solide gewirtschaftet wird, aufgeweicht werden und der deutsche Profifußball für potentiell risikobehaftete Investments geöffnet werden? Ist die Axt erstmal angesetzt, wer garantiert, dass nach Kind nicht andere Kläger die vermeintlichen Sicherheitsmechanismen auf dem Rechtsweg überwinden oder andere Schlupflöcher finden?

Von so einem Schlupfloch profitiert nämlich auch die Gesellschaftergruppe um Kind. Betrachtet man das Geschäftskonstrukt, das die Übernahme bei 96 anstrebt, nämlich genauer, wird der Haken an der Sache offensichtlich. Nicht alle Investoren der Gruppe können das zwanzigjährige Engagement nachweisen. Allerdings wurde 1998 eine Holding – die „Hannover 96 Sales & Service GmbH & Co. KG“ – gegründet, die die Investorenanteile an der Lizenzspielerabteilung hält. Im Zuge der Umstrukturierungen bei Hannover 96 in den wirtschaftlich schwierigen Zeiten Ende des vergangenen Jahrhunderts erwarb diese Holding die Markenrechte vom Verein und beteiligte sich an der neuen Gesellschaft, was den hochverschuldeten e.V. sanieren und dessen Haftung beschränken sollte. Eben diese Holding kann im Jahre 2018 die zwanzigjährige Aktivität nachweisen. Die Gesellschafter dieser Holding haben in dieser Zeit jedoch mehrfach gewechselt. Die heute wichtigsten Gesellschafter neben Martin Kind sind erst seit wenigen Jahren aktiv. Erst im vergangenen Jahr kamen die neuen Großinvestoren Roßmann und Meyer hinzu, die zusammen 45% der Anteile an dieser Holding halten, und bis dahin nicht für ihr Engagement in erheblichem Umfang durch Sponsoring o.ä. bekannt waren. Die Anteile an dieser Holding sind mehr oder weniger frei veräußerlich. Einer Fremdübernahme steht somit eigentlich nichts im Wege (Quelle: http://www.wallstreetjournal.de/article/SB10001424127887324474004578446593596071254.html, Stand: 07.08.13, 14 Uhr). Kind argumentiert, dass die anderen Investoren ein Vorkaufsrecht haben, sollte einer der Anteilseigner seine Anteile verkaufen wollen. Nun sind die Investoren aber überwiegend im fortgeschrittenen Alter. Zudem halten sie die Anteile nicht grundsätzlich als Privatpersonen sondern zumindest teilweise – wie zum Beispiel im Fall von Dirk Roßmann – über Beteiligungsgesellschaften, welche wiederum mit ihren eigenen Unternehmen verknüpft sind (Quelle:http://www.wallstreetjournal.de/article/SB10001424127887324474004578446582953853460.html, Stand: 07.08.13, 14 Uhr). Was passiert also, wenn eines der im Hintergrund stehenden Unternehmen in Schieflage gerät? Was passiert, wenn – wie es zwangsläufig passieren muss – einer der Investoren irgendwann das Zeitliche segnet? Wer garantiert, dass die Anteile an Hannover 96 nicht zum Spielball von Erbstreitigkeiten werden? Wer garantiert, dass die Anteile nicht Teil einer Insolvenzmasse werden? Wer garantiert, dass eventuelle Erben die gleichen vermeintlich redlichen Ziele verfolgen wie ihre Väter oder Großväter und ihr Erbe und damit die Existenz des Hannoverschen Sportvereins von 1896 bewahren? Um zu wissen, was hierzu im Gesellschaftsvertrag der Holding steht, müsste man diesen einsehen. Auch die im „Konsensmodell“ erwähnten Prüfmechanismen stellen keine Sicherheiten dar, sondern lediglich eine Einschränkung eines neuen vorher nicht existenten Risikos. Für den Bestand dieser Einschränkung gibt es darüber hinaus keine Garantie.

Hannover 96 ist zudem mehr als nur die Profi-Fußball-Sparte. Was wird aus den Angeboten und dem Leben des Gesamtvereins, wenn erst die Investoren das Sagen haben und der lukrative Profifußball ohne das lästige Anhängsel einer Vereinsstruktur auskommt?

Warum macht man nicht weiter wie bisher? Kind sagt hierzu, dass ein Investor über sein eingesetztes Kapital bestimmen möchte, was ohne Stimmrechte jedoch nicht möglich sei. Unter diesen Voraussetzungen sei niemand dazu bereit, in Hannover 96 zu investieren. Es geht also um Machterhalt und darum, sich nicht mehr vor einer Mitgliederversammlung verantworten und von dieser wählen lassen zu müssen. Es stellen sich zwangsläufig die Fragen, warum dennoch bereits im letzten Jahr eine massive Kapitalerhöhung innerhalb der bestehenden Strukturen durchgeführt werden konnte und welchen Wettbewerbsvorteil Hannover 96 letztlich hat, wenn allen anderen Bundesligisten auf diesem Wege prinzipiell ebenfalls mehr Geld zur Verfügung stünde.

Zu groß sind die Risiken, die sich mit dem Wegfall der 50+1 Regel für den Traditionsverein Hannover 96 ergeben. Erfolgreiches Wirtschaften kann und muss auch mit Erhalt der traditionellen Vereinsstrukturen möglich sein. Positives Gegenbeispiel zu Kinds Plänen stellt z.B. Borussia Dortmund dar, das in derselben Gesellschaftsform organisiert ist wie Hannover 96, und im Rahmen der Diskussionen um 50+1 in seiner Vereinssatzung die Unveräußerlichkeit der Stimmrechte an der eigenen Profigesellschaft festgeschrieben hat. Demokratische Kontrolle ist der Grundpfeiler einer gesunden sportlichen und wirtschaftlichen Entwicklung. Niemand kann und will wohl Investitionen und Sponsoring verbieten oder abschaffen. Vereinsstrukturen dürfen aber nicht völlig aus dem deutschen Profisport hinausgedrängt werden. Daher gilt auch und vor allem in diesem Punkt, dass Martin Kind mit seinen Vorhaben gestoppt und die 50+1-Regel zum Schutz der Vereine erhalten und gestärkt werden muss.

Fazit

Die Verfehlungen Kinds und der übrigen Führungsriege bei Hannover 96, die unter Kinds Regie agiert, sind vielfältig und in ihrem Ausmaß derzeit wohl einmalig im deutschen Profifußball. Ein differenzierter Umgang mit Faninteressen ist in Hannover nicht mehr zu beobachten. Kind hat durch seine Willkürmaßnahmen jegliche Grundlage für Gespräche vernichtet. Sein Umgang mit der Gesamtheit der Fans und auch mit einigen herausstechenden Einzelpersonen war an Respektlosigkeit und Geschmacklosigkeit nicht zu überbieten und seiner Rolle als Präsident des Hannoverschen Sportverein von 1896 nicht würdig. Freie und kritische Meinungsäußerung wird im Niedersachsenstadion verboten und mit allen Mitteln bekämpft. Die Differenzen zwischen Fanszene und Vereinsführung gehen weit über das Normalmaß an Meinungsverschiedenheiten hinaus. Vielmehr machen sie eine weitere Zusammenarbeit unmöglich. Hinzu kommen die Bestrebungen Kinds und seiner Gesellschaftergruppe, die Vereinsstruktur bei Hannover 96 auszuhebeln und damit das Gesamtbild Hannover 96 nachhaltig zu verändern und unwiederbringlich zu schädigen. Dieses vereinsschädigende Verhalten wiegt noch viel schwerer als all die persönlichen Verfehlungen Kinds gegenüber der Fanszene, denn es bedroht die Basis unseres Fantums – den Verein!

6 Antworten to “Kind muss weg! – Aber warum?”

  1. c l August 8, 2013 um 5:34 pm #

    Ehrlichgesagt erinnert dieser artikel mich an meine Zeit im Kind-ergarten. „Der hat das gemacht. ich habe nicht angefangen.“… alles mist. wer öfter im stadion ist kann genausowenig leugnen dass man die fans je nach besoffenheitszustand gar nicht auseinanderhalten kann und besoffene fans sich oft gewaltsam und anvriffslustig verhalten wie das die Vereinsführung wirtschaftliche und politische Interessen hat. ich bin selber schon nüchtern zwischen die Fronten geraten und ich kann das verteidigende Moment der Fans in dem artikel nicht ein mü bestätigen. Sry die ultras und fangruppen haben sich abseits jeder journalistischen Formulierung jede diskussionsgrundlage verspielt. wer sich emotionen preisgibt muss hinterher nichts mehr schönschreiben. was glauben die dass fussball kein wirtschaftliches Fundament hat. klar is Kind eind exec. und damit oft auch politisch und unpopulär. find ich auch n nicht cool, aber die fangruppen kriegen mit ihrem schlechten Verhalten auch keine Unterstützung der Masse. fertig.

  2. Tobi August 14, 2013 um 4:06 pm #

    Wirklich unglaublich, was sich Kind alles geleistet hat…
    Ich wünsche Euch, dass es Euch gelingt, die Masse der 96-Mitglieder über diese Vorfälle aufzuklären und Ihr Euer Ziel erreichen werdet!
    Grüße aus Karlsruhe
    Tobi

  3. C.Niemeyer August 19, 2013 um 7:45 pm #

    Eine Minderheit macht sich mal wieder wichtig!

  4. Franz focus April 19, 2014 um 1:14 pm #

    Selbstbeweihräucherung.
    Hab aufgehört bei der Rechtfertigung der Fahne des Serienmörders Fritz Haarmann weiterzulesen. Freie Meinungsäußerung muss erlaubt sein? Bei einem Fußballspiel? Ihr habt einen an der Waffel. Demnächst bringt ihr auch noch Statements über Putin, Walfang, Fleischessen und Kinderpornografie.
    Seid einfach mal loyale Fußballfans, statt Provokateure, vielleicht sogar bezahlt von Braunschweigern oder Bayern?
    In jeder Firma würde man euch wegen Rufschädigung rausschmeisen, Schadensersatz inklusive. In einem Krieg würde man euch an die Wand stellen, denn mm Krieg der Bundesligisten gegeneinandner, seid ihr ganz erbärmliche Verräter.

Trackbacks/Pingbacks

  1. Summasummarum scheiße | Dave erzählt Dir was! - August 8, 2013

    […] https://briefankind.wordpress.com/2013/08/08/kind-muss-weg-aber-warum/ […]

  2. Aufstand der Fans - Der Medienlotse - August 21, 2013

    […] und schließlich eine Kollektivstrafe wegen Pyrovorfällen verhängt (mehr zu den Hintergründen hier). Auch bei anderen Klubs – beispielsweise in Dortmund und München – gehen die Clubs teilweise […]

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: