Hannoverscher Premiumjournalismus – eine Presseschau

9 Mrz

Der „offene Brief“, mit dem sich die Klubführung von Hannover 96 vergangene Woche an die „Fans und Freunde“ des Vereins wandte, rief ein immenses Echo hervor. Nicht nur die Blogosphäre war voll von Reaktionen, auch über soziale Medien wie Facebook oder Twitter gab es Unmengen von Beiträgen zu dem Thema. Daher beschäftigten sich natürlich auch regionale und überregionale Presseorgane mit den Vorgängen. Und hier wird es interessant, denn die Berichterstattung unterscheidet sich eklatant, wenn man die regionale Presse, die Kommentare der Netzgemeinde und die überregionale Presse vergleicht:

Die regionale Presse

Hannover 96 geht auf Fans zu“, so titelte die Hannoversche Allgemeine Zeitung (HAZ) als DAS Leitmedium der Region am 05.03. Der Autor des Artikels verortet sogar „Selbstkritik“ in dem Statement der Klubführung. Er geht noch weiter und sieht in dem Brief „den ersten Schritt hin zu einer neuen Fankultur“.  Dass er sich selbst widerspricht, indem er feststellt, dass die Reaktionen im Internet „größtenteils negativ“ ausfielen, scheint ihn dabei nicht zu stören.

Noch am gleichen Tag veröffentlicht die HAZ einen Kommentar des selben Autors zum gleichen Thema. Darin nennt er den Brief „ungewöhnlich, mutig, überfällig“. Selbstreferenziell führt er die Mär fort, 96 habe nicht mit Selbstkritik gespart. Außerdem gelingt es ihm in beiden Artikeln, den Konflikt zwischen Hannover 96 und seinen Fans auf einen reinen Konflikt mit der Ultra-Szene zu reduzieren und dadurch zu banalisieren. Dass der Konflikt längst weitere Kreise zieht, wird nicht zuletzt durch einen kürzlich auf unserer Seite veröffentlichten Gastbeitrag und die Reaktion vieler Fanclubs deutlich.

Am 08.03. erschien ein weiterer Artikel auf HAZ.de. Der Autor von „Ein bisschen mehr Leben in der Bude“ stellt fest, dass es „neu“ sei, dass auch aus dem Gästeblock Sprechchöre gegen Martin Kind skandiert und Banner gezeigt wurden. Dies war aber auch in der Vergangenheit schon häufiger der Fall und besonders in dieser Saison keine Seltenheit.

Blogosphäre und soziale Netzwerke

Derartige sogenannte Berichterstattung angesichts der ziemlich eindeutigen Reaktionen der „Fans und Freunde“ überraschte uns. Wir dokumentieren hier Beiträge aus Blogs und sozialen Netzwerken ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

In ihrem Blogeintrag „Auch wir haben verstanden…“ haben „Die Roten Mädels“ verstanden, dass es in dem Offenen Brief „nicht darum geht, Fehler einzusehen und sich dafür zu entschuldigen“ und „dass der Verein seine Anhänger pauschal für ziemlich dämlich hält“.

Der Fanclub „Rote Erleuchtung“ meint in seinem Blogeintrag „Hand drauf!„.

„Jetzt kam Donnerstag noch der Brief dazu, über den die HAZ schrieb, dass 96 auf die Fans zugeht (anfänglich stand da auch noch was von einer Entschuldigung…). Das kann man natürlich gerne so sehen, “liebe” HAZ. Allerdings nur, wenn man dazu schreibt, dass 96 auf die Fans zugeht, um ihnen mal wieder in die Fresse zu hauen. Dieses Mal halt mit Anlauf.“

Die „Fraktion Rote Schweiz“, ein Fanclub eidgenössischer Exil-Hannoveraner, richtet sich mit einem Statement auf den Offenen Brief an den Verein direkt. Dort heißt es:

„Ihr wollt gar nicht verstehen. Es soll nicht mehr um Versäumnisse der Vergangenheit gehen. Oder die Interessen Einzelner. Haarmann, Fanladen, Rote Kurve, Kollektivstrafen, Achim, Zwangsanreise, Befangenheitsanträge, drohende Vereinsübernahme 2018, um nur ein paar Dinge zu nennen – ihr meint, dies sei nur noch Schnee von gestern? Ihr vergrault und zerstört eine laute, bunte und kreative Kurve aus purer Ignoranz und Sturheit. Tief Luft holen und Schwamm drüber?“

und weiter:

„Solang ihr, liebe Klubführung, nicht eure Fehler eingesteht, euch für eure Versäumnisse und euer Fehlverhalten entschuldigt, den aufrichtigen Dialog sucht und einen neuen Weg einschlagt, solang sehen wir uns außer Stande, unser Herzblut für diesen Klub zu geben, ob nun gegen Bayern, Bochum oder Bielefeld. Hand drauf!“

Auch der zum Großteil von Fußball und Fankultur handelnde Blog turus.net nahm sich unter „Grotesker offener Brief von Hannover 96: Neue Gruppen werden sich finden lassen?!“ dem Offenen Brief an:

„Niemals allein. Wir gehen Hand in Hand! Los jetzt – packen wir es alle gemeinsam an!“ heißt es am Ende des Offenen Briefs. Derjenige, der das in der PR-Abteilung verfasst hatte, mag es sogar aus Herzen lieb gemeint haben. Doch die Frage ist, welche Angebote werden denn in diesem Offenen Brief gemacht? Was wurde denn verstanden? Die Belange der Ultras / Fans / Weggegangenen? Oder wurde nur verstanden, dass sich die derzeitige Atmosphäre im weiten Rund verdammt schlecht vermarkten lässt? Was ist schöner, als im nächsten Programmheft die schmucke Choreo vom letzten Heimspiel zu präsentieren.“

und kam zu dem Schluss, dass es schwer werden wird in Hannover…

„Das Kind scheint wahrlich in den Brunnen gefallen zu sein. Und das tut selbst einem völlig Außenstehenden richtig weh!“

Update: Auch der Blog „Reeses Sportkultur“ hat sich dem Thema natürlich angenommen. Diesen Link wollten wir noch nachreichen!

Die Kommentare auf der Hannover 96-Facebookseite unter dem Offenen Brief im Wortlaut reichen von

„Leider erkenne ich nicht, wo ihr irgendwas Verstanden habt? Wie die treue Fanseele sich fühlt? Ganz sicher nicht.. Geht man so mit Menschen um, die vielleicht ihren letzten Cent für diesen Verein ausgeben? […] Bitte überdenkt nochmal diesen Brief und versetzt euch auch nur ein einziges Mal in die Lage eines jahrelangen Supporters/Fan/Kunde/Ultra/Whatever.“

über

„So traurig es für die Mannschaft ist, aber die Verantwortlichen der Profiabteilung haben diese Fans nicht verdient.“

bis hin zu

„Dieser Brief verärgert mich noch mehr als die aktuelle Situation und die Fehler von den Herren Dufner und Korkut. Ich bin seit über 25 Jahren 96 Fan und habe viel erlebt. Aber das hier ist der Hammer und muß selbst die Treuen zweifeln lassen.“

um nur auf drei aus über 1000 Kommentaren einzugehen.

Die überregionale Presse

Der überregionalen Presse gelingt es im Gegensatz zu der Hofberichterstattung in Hannover, tatsächlich kritisch und differenziert zu schreiben:

Unter der Überschrift „Hannover 96 in der Stimmungskrise“ schreibt der Tagesspiegel:

„Wir als Klub hätten uns eher zu Wort melden müssen“, lautet eine von vielen merkwürdigen Passagen, die die Vereinsführung in einem offenen Brief an alle 96-Fans wählt. Das Schriftstück, kurz vor dem Heimspiel gegen die Bayern platziert, gleicht einem indirekten Versuch, sich endgültig von den Ultras zu distanzieren und die normale Kundschaft zu mobilisieren.“

und weiter:

„Präsident Martin Kind hat den Verein innerhalb von 15 Jahren vor der Insolvenz bewahrt, zurück in die Bundesliga gebracht und dort etabliert. Aber der 70-Jährige ist auch ein Sturkopf, der die Geduld verloren hat.“

Der Spiegel schreibt unter dem Titel „Wir haben verstanden – oder auch nicht!“

„Deshalb plant der Verein eine Zukunft ohne den harten Kern der Fans. Kind spricht von einem Konzept, das in Vorbereitung sei und die übrigen Anhänger einbinden soll. Ein Konzept, „das der Mehrheit der Zuschauer signalisiert, wie wichtig sie für Hannover 96 sind“. Konkreter wird Kind nicht.“

Die Frankfurter Allgemeine titelt: „Warum die Stimmung in Hannover so schlecht ist“ Darin heißt es:

„Die Stimmung ist schlecht in Hannover. Und zwar so schlecht wie nirgendwo sonst in der Liga. Am vergangenen Samstag gegen den VfB Stuttgart war die Tristesse wieder zu erleben: ein Fußball-Stadion ohne Leidenschaft. Ohne den Support eines harten Kerns von Fans und ohne diese besondere Dynamik, die Wechselwirkung mit dem Geschehen auf dem Platz, die daraus entstehen kann. Dazu immer wieder wütende Rufe: „Kind muss weg!“ Es ist nicht die große Masse, die das anstimmt. Aber es werden mehr.“

und weiter:

„Die Ultras, die früher für die Stimmung in der Arena sorgten, haben dem Profiteam mittlerweile den Rücken gekehrt, sie verfolgen lieber die Regionalliga-Spiele der U23 im Stadtbezirk Ricklingen. Doch auch für die „Normalos“ stellt sich die Frage nach Abschied und Exil. Insgesamt seien schon jetzt ein paar hundert abgewandert, zur nächsten Saison aber, glaubt Koch [ein 96-Fan im Interview], könnten es schon 2000 oder mehr ein.“

Der Norddeutsche Rundfunk

Am Abend des 08.03. erschien dann ein Artikel auf der Homepage des NDR. „96 kommt aus dem Stimmungstief nicht raus“, wurde dort über den Konflikt zwischen Vereinsführung und Fans berichtet. Auch die tendenziöse Berichterstattung der HAZ wurde thematisiert. So hieß es unter anderem im Bezug auf den Offenen Brief:

„“Inhaltsleer“ ist eine oft gebrauchte Beschreibung für das, was der Verein veröffentlicht hat. Als Schritt in die richtige Richtung wird das Schreiben dagegen in einem Kommentar in der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ (HAZ) gewertet. Das scheint dieser Tage jedoch keine Mehrheitsmeinung zu sein. Die Leserkommentare zu den zu Hannover 96 veröffentlichten Artikeln sprechen eine andere Sprache.“

Und weiter:

„Die gesamte Problematik bei Hannover 96 und den Fans sei auch kein „Ultra-Problem“ – als dieses wurde sie schon häufiger bezeichnet. Es gebe viel mehr Anhänger, die Kind und das Verhalten gegenüber den Fans kritisch sehen, sagt der Rote-Kurve-Sprecher. Die Berichterstattung darüber in der HAZ greife auch deshalb zu kurz. Man könne von Meinungsmache im Sinne des Präsidenten reden. „Wir haben nicht den Eindruck, dass dort objektiv über die Fanszene berichtet wird“, so der Fan-Vertreter. „Wir sind nicht an allem schuld.“ Zudem würden das Engagement und die positive Fan-Arbeit unter den Teppich gekehrt.“

Im Laufe des Vormittags des 09.03. verschwand der Artikel dann ganz plötzlich und kommentarlos von der NDR-Seite, um am Abend überarbeitet wieder aufzutauchen. Allerdings hatte der „überarbeitete“ Artikel nicht mehr viel mit dem Original zu tun. Ganze Absätze waren verschwunden. Darunter zufälligerweise die Abschnitte, die sich am kritischsten mit der Berichterstattung der HAZ beschäftigten und einen Fanvertreter der IG Rote Kurve zu Wort kommen ließen. Als Begründung wurden „handwerkliche Fehler“ angeführt, sodass der „selbstverständliche Grundsatz der Trennung von Bericht und Kommentar nicht beherzigt worden sei. Erneut reagierte die Netzgemeinde schnell. In Fanforen und auf Facebook findet der Originalartikel weiterhin Verbreitung. Die Argumente, den Artikel zu ändern – böse Stimmen würden sagen zu zensieren – können wir nicht nachvollziehen. Vielmehr stellt sich die Frage, von welcher Seite hier interveniert wurde, um kritische Berichterstattung zu verhindern? Entsprechende Fragen beantwortet die Online-Redaktion des NDR sicher gerne.

Gastbeitrag: Vorwärts nach weit – The lost years

8 Mrz

Wir veröffentlichen heute einen Gastbeitrag von Jan C. Rode. Rode ist seit 1985 Fan von Hannover 96. Er war lange Redakteur beim – wie er selber sagt – Zeckenblatt „Notbremse“. Einigen ist er auch noch bekannt als Fanmag-Moderator und Autor von „Vorwärts nach weit“ und Mitschreiberling bei anderen 96-Büchern aus dem Werkstatt-Verlag. Als Student noch Dauerkarteninhaber, ist er heute nur noch vereinzelt bei Heimspielen.

Was eigentlich aus einer Laune heraus geschah, rief unheimliche Resonanz hervor. Ich wusste selbst gar nicht, was ich eigentlich aufschreiben wollte, aber irgendwie scheint es einen Nerv getroffen zu haben. In „Warum ich traurig bin, ein Fußballfan zu sein“ beschrieb ich meinen Phantomschmerz, wenn ich Hannover 96 jetzt spielen sehe. Ich bin mir immer noch nicht ganz sicher, ob das eine normale Altersentwicklung ist oder doch an den vielen, vielen Vorfällen liegt, die sich in den letzten Jahren rund um Fans und Verein ereignet haben. Um den auf den Grund zu gehen, drösele ich alles mal von Beginn an auf.

Haarmann-Fahne

Was war passiert?

Seit Jahren wurde im Fanblock eine Fahne geschwenkt, auf der Serienmörder Fritz Haarmann zu sehen war. Ähnlich wie Jack the Ripper gehört der homosexuelle Polizeispitzel zur niedersächsischen Folklore und war mitunter auf Adventskalendern der Stadt Hannover zu sehen. Ein Artikel in der Bild-Zeitung brachte das Thema überhaupt erst auf die Agenda (Ultras schwenken Fahne mit Massenmörder), woraufhin gehorsamst Gespräche zwischen Vereinsvertretern und Fans stattfanden, um das plötzlich aufgetretene Problem zu lösen. Martin Kind hingegen drohte nach Rückfrage durch Journalisten schnell mit Stadionverboten, die meines Wissens nach teilweise auch durchgezogen wurden.

Bevor ich zur ersten Einschätzung komme, zunächst ein kurzer Einschub: Die Haarmann-Episode ist natürlich nur Symptom einer Entwicklung, die schon vorher begonnen hatte. Grundsätzlich ist zu sagen, das sich sehr viele Vereine mit ihrer aktiven Fanszene – häufig ausschließlich durch Ultras repräsentiert – äußerst schwer tun. Fast wöchentlich gilt es Probleme zu besprechen, die auf Auswärtsfahrten entstanden sind oder Forderungen nach mehr Raum an Spieltagen im und ums Stadion. Durch das Engagement meines Schwiegervaters beim VfB Lübeck weiß ich, wie anstrengend das sein kann, wenn gleichzeitig noch die Alten Herren und die Presse mit ähnlichen Forderungen um die Ecke kommen. Selbst in besten Beziehungen kommt es dann zum Knall – und auch mal zur Sendepause. Nun muss man wissen, das Ultras häufig sehr schnell eingeschnappt sind und lieber ein beleidigtes „Pöh“ in den Raum aussenden, anstatt sich ihrer Rolle und ihrer damit einhergehenden Verantwortung für die Außendarstellung der Vereine bewusst zu werden. Wenn alles gut läuft, redet man aber nach ein paar Spielen wieder miteinander. Nicht so in Hannover. Wohin das führt, sehen wir später…

Die Einschätzung

Medien müssen tagtäglich Themen setzen und das ist der Bild in diesem Fall hervorragend gelungen – sehr zum Leidwesen der aktiven Fans. Die Frage ist, ob die Redakteure selbst auf die Idee für den Artikel gekommen sind oder von irgendwem einen Tipp bekommen haben. Hannover 96 wird das nicht gewesen sein, denn kein Verein hat Lust und Muße, sich im stressigen Tagesgeschäft (Spiele, Trainer, Verletzte, Transfers) noch weitere Themen ans Bein zu nageln. Was in der Tat jedoch überrascht, ist die harte Reaktion von Martin Kind – selbst wann wir obigen Einschub noch kurz mitdenken. Nun ist der Präsident seit Jahren die mächtigste Person bei 96 – sein Wort ist Gesetz und ohne sein Wissen werden nicht mal Beiträge auf der Homepage veröffentlicht. Von daher ist es auch kein Wunder, dass vorige Absprachen zwischen Fans und Vereinsvertretern durch ein Presse-Interview plötzlich Schall und Rauch sind.

Interessanterweise ist Martin Kind aber Mitglied im Promi-Fanklub „Rote Reihe“. Ja, genau, das ist ebenjene Straße, in der Fritz Haarmann wohnte. Auf den Seiten des Fanklubs heißt es, man habe den Namen selbstverständlich trotz Haarmann und nicht wegen Haarmann gewählt und versucht in tapsiger Art in einem längeren Artikel zu erklären, wie wichtig die Straße für die hannöversche Geschichte (Leibniz, Synagoge, Vorstadt, Ministerien etc.) war und ist. Die FAZ hat recht, wenn sie Kind im Falle Haarmann Heuchelei vorwirft und konstatiert, das diese fehlende Feinfühligkeit den Dialog mit den Fans erschwere.

Das Resultat

Kind kann diese Episode nicht gefallen haben. Im Idealfall wäre die Fahne ohne viel überregionales Brimborium aus dem Stadion verschwunden, wenn dann drei oder vier Zuschauer deshalb nicht mehr kommen (dürfen), ist das auch kein weiteres Problem für die Einnahmeseite. So kann nur jemand denken, der seit Jahren Macht und Einfluss zusammenrafft und von Mitarbeitern, Medien und Sponsoren hofiert wird. Schon Richard Nixon wusste schließlich: „If the president does it, it’s not illegal.“ Wohin das führt, sehen wir später…

Sicheres Stadionerlebnis

Was ist passiert?

Nachdem es bei den Relegationsplayoffs zwischen Hertha und Düsseldorf 2012 zum dümmsten Platzsturm der Fußballgeschichte kam, orchestrierten die Medien gekonnt das Geschrei von Innenpolitikern, Polizeigewerkschaften und DFL-Vertretern nach mehr Sicherheit im Stadion. Schon seit Jahren schwelten die Auseinandersetzungen um das Abbrennen von Pyrotechnik. Die Vereine unterschätzen völlig die Dynamik und sahen sich mit Drohungen der Politik konfrontiert, gesetzliche Regelungen zu schaffen (oder wahlweise die Gemeinnützigkeit der mittlerweile als Wirtschaftsunternehmen aufgestellten Klubs abzuerkennen). In aller Hektik wurde dann von den DFL-Padres ein staatsgenehmes Konzeptpapier entwickelt, welches – wie sollte es bei unserer aller Herzensklub auch anders sein – Hannover 96 aber seinen Fans nicht zeigen, geschweige denn diskutieren wollte (war anderswo weniger ein Problem). Selbstredend stimmte 96 mit der Mehrheit und nahm den Antrag (Mehr Kontrollen! Mehr Videoüberwachung! Schnelle Bestrafung! Bessere Stadionverbote usw.) an.

Die Einschätzung

Sportfunktionäre behaupten oft und gerne, das sie mit der Politik rein gar nichts zu tun hätten. Das stimmt leider nicht so ganz, denn die Politik ist das mächtigste Subsystem unserer Gesellschaft und bestimmt, wo es langgeht. DOSB, DFB und Co. glauben aber gerne, sie seien im Teletubby-Land, wo alle völlig zweckfrei hechten, schwimmen, springen und Fußball spielen. Dass der organisierte Sport pro Jahr mehr als 150 Millionen Euro vom Innenministerium bekommt, wird dabei gerne ausgeblendet. Einmal kurz bei den Eiern gekniffen, wussten die DFL und ihre Mitgliedsvereine jedoch ganz genau, was sie zu tun hatten: die Politik beruhigen und Druck vom Kessel nehmen.

Das Resultat

Wieder einmal waren die Fans die Gelackmeierten. Dabei hätte man es sich kurz vor Weihnachten doch so gewünscht, dass 96 wie die coolen Unioner bei dem ganzen Scheiß gar nicht mitmacht (übrigens in völliger Verkennung der realpolitischen Gegebenheiten und Machtverhältnisse). Werden Fans also regelmäßig und systematisch benachteiligt? Nein, sie nutzen nur ihre Potenziale nicht genügend. Zwar engagierten sich bundesweit Fans gegen das Papier und bekamen sogar Airtime im TV – gereicht, die eigenen Träume zu verwirklichen, hat es dennoch nicht. Wer in diesem Land was reißen will, muss wirtschaftlich erfolgreich sein (Martin Kind) oder versuchen, über die Politik an Einfluss zu gewinnen. Darüber hinaus müssen sich Fans – wie ihr Gegenüber in den Vereinen – weiter professionalisieren. Die Kampagne 12:12 wurde breit diskutiert und war danach wieder vergessen. Professionelles Agenda Setting ist hier das Stichwort – in Hannover gibt es dafür bislang weder Kapazitäten, Konzepte oder Köpfe. Wohin das führt, wenn Fans und Ultras darauf keinen Bock haben, sehen wir später…

Die Affäre Pogatetz

Was ist passiert?

„Mad Dog“ Emanuel Pogatetz zählte nach seinem Wechsel aus England an die Leine schnell zu den Fanlieblingen, verlor seinen Stammplatz allerdings schon im zweiten Jahr nach der Winterpause an Mario Eggimann. Obwohl sein Vertrag noch bis 2015 galt, einigten sich 96 und Wolfsburg auf einen Transfer für 2,5 Millionen Euro zu Beginn der Saison 2012/2013. Wie es der Zufall so wollte, führte der Spielplan beide Teams gleich zu Beginn der Saison zusammen. Im Überschwang des mit 4:0 deutlichen Auswärtssieges bedachte ein Teil der mitgereisten Fans den Grazer mit Schmähgesängen – nicht gerade Fair Play, aber auf Fußballplätzen auch keine bahnbrechende Sensation. Erst das Zusammenspiel von Martin Kind und der Presse brachte wieder einmal Schwung in die Angelegenheit: Der Hörgeräteunternehmer wurde nicht nur zum Triumph auf den Rasen, sondern auch zu den Vorgängen auf der Tribüne befragt. Als emsiger Schlagzeilenlieferant ließ es sich der 96-Präsident natürlich nicht nehmen, bestimmte Teile der Fanszene als „Arschlöcher“ zu bezeichnen und den Hass-Sängern auch ohne hundertprozentigen Beweise Stadionverbote anzudrohen.

Die Einschätzung

Schmähgesänge sind in deutschen Stadien keine Seltenheit. Natürlich gibt es kreativere Beschimpfungen, als einen Spieler, der wohl auch wegen der sportlichen Perspektive und nicht nur des Geldes wegen an den Mittellandkanal gewechselt war, als Sohn einer Professionellen zu titulieren. Auch das ein Präsident medial auf Fans losgeht, ist inbesondere aus unteren Ligen und solchen in der europäischen Peripherie nicht unbekannt. Alles in allem also kein sonderlich großer Beinbruch, wären da nicht wieder einmal die Medien gewesen, die eine fette Story witterten. Und so wurde aus einer Lappalie ein Politikum, zumal Kind erneut mit dem roten Tuch „Stadionverbote“ wedelte. Wäre die Vereinsführung in den 90ern auch derart engagiert gewesen, sich die Zuschauer der Herzen zu backen, hätten beispielsweise die rechten Dumpfbacken nicht so lange auf den Rängen und im VIP-Bereich ihr Unwesen treiben können.

Das Resultat

Das Arschloch-Label führte eine neue Tonalität in die schwelende Auseinandersetzung ein. Was vorher vielleicht unausgesprochen blieb, fand nun ihren Weg an die Öffentlichkeit. Kein besonders cleverer Schachzug von einem Mann, der sich rühmt, an der A7 sein Logo an einen höheren Turm als der benachbarte schwedische Möbelkonzern gepflastert zu haben. Willfährige Steigbügelhalter für die zu diesem Zeitpunkt nur undeutlich zutage tretenden Pläne des Präsidenten spielten jedoch die lokalen Medien. In den knapp 15 Jahren der modernen Fan- und Ultrabewegung hatte es kein Redakteur vermocht oder gewollt, Fanbelange richtig einzuordnen. So wurde alles munter in einen Topf geworfen und der gesamte Nordbereich zum Ultragebiet gemacht oder die Leistungen Kinds verklärt – kein Wunder, wenn die Chefs der eigenen Chefs als Teilhaber der Hannover 96 Sales & Service GmbH waren. Die Drohung mit Stadionverboten ließen die organisierten Teile der Fanszene natürlich nicht auf sich sitzen – entsprechend engstirnig verlief auch die folgende Auseinandersetzung…

Acht Cola, acht Bier

Was ist passiert?

Auf Bitten der Hardliner-„Gewerkschaft der Polizei“ ergänzte Hannover 96 am Ende der Winterpause 2012/2013 den Kürzel „ACAB“ als Teil der verbotenen Codes in der Stadionordnung. Beim Rückrunden-Heimauftakt – wiederum gegen Wolfsburg – kam was kommen musste und Teile der Nord zeigten Transparente mit dem Kürzel, den findige Journalisten schon als den „am häufigsten gesprühten türkischen Namen“ verortet hatten. Nach einem Gerangel mit Ordnern beim Entfernen der Transpis wollten Teile der Ultras das Stadion verlassen, wurden aber von der Polizei daran gehindert.

Die Einschätzung

Was in den 90ern noch mehrere Jahre Arbeit vieler engagierte Menschen bedeutete – nämlich das sich 96 mit seiner rechtsoffenen Fanszene beschäftigte und die Stadionordnung änderte – bedurfte im 21. Jahrhundert nur des Briefes einer Lobbyvereinigung. Natürlich ist es wünschenswert, unsinnigen Hass in Stadion und Gesellschaft einzudämmen. Eigentlich peinlich an der Geschichte war nur, das 96 der einzige der angeschriebenen norddeutschen Profivereine war, die auf den Bettelbrief in einer Art Pawloschen Reflex reagiert hatten. Besonders wenig Fingerspitzengefühl zeigten in dieser Angelegenheit allerdings die Ultras, die durch den – wenn auch unverhältnismäßigen – Polizeieinsatz letztlich den Sturm ernteten, den sie mit ihren provokanten Transparenten erreichen wollten.

Das Resultat

Wieder einmal waren Fans und Verein – diesmal über den Umweg Polizei –in Frontstellung zueinander geraten. Eigentlich ist es auch kein Wunder, das die Sitten verrohen, wenn „Arschlöcher“ einem „machtgeilen und senilen alten Sack“ gegenüberstehen. Die kompromisslose Vereinslinie in Fanfragenwurde von den Ultras 1:1 gespiegelt, sodass sich im Resultat Klima und Kommunikation aller Beteiligten massiv verschlechterte. Die neutralen Zuschauer konnten über die ganze Angelegenheit wieder nur den Kopf schütteln und folgten der vorgeblich unpolitischen Linie des Vereins in der ACAB-Frage.

Achim sehen und (Fanrechte) sterben

Was ist passiert?

Bereits eine Woche später stand ein weiteres Nordderby in Bremen auf den Plan. Durch das aufgeheizte Klima in der Post-Düsseldorf-Ära hatte die Polizei Betretungsverbote für die Innenstadt sowie die zwingende Anreise mit Shuttlebussen vom Hauptbahnhof zum Stadion vorgeschrieben. Kurz vor Bremen wurden 434 aktive Fans und Gelegenheitsfahrer – darunter auch Minderjährige – in Achim von Bahnmitarbeitern aus einem überfüllten Regionalexpress komplimentiert. Der Plan der Gruppe war, einfach einen der nächsten Züge nach Bremen zu nutzen, was aber die in der Zwischenzeit aufmarschierten Polizeihundertschaften unterbanden. Stattdessen wurden allen Reisenden der Spielbesuch – nach Abbrennen zweier Feuerwerkskörper und trotz deeskalierender Megaphondurchsagen von Fanvertretern – untersagt. Daraufhin wurde die Rückfahrt nach Hannover anberaumt, wo sich alle Insassen im Hauptbahnhof erkennungsdienstlichen Maßnahmen unterziehen mussten und über Stunden ohne Möglichkeit blieben, zu essen, zu trinken oder auf die Toilette zu gehen. Nach Spielschluss lobte Martin Kind zeitnah das rigorose Vorgehen der Polizei in einem Interview mit dem NDR.

Die Einschätzung

Auswärtsfahrer sind oft der Willkür und den widersprüchlichen Ansagen der Polizei ausgesetzt: Mal sollen 300 Leuten auf einem 2m breiten Bürgersteig zum Stadion gehen und bei Todesstrafe den Straßenasphalt nicht betreten, ein anderes Mal wird die seit Jahren gewohnte Route zum Stadion durch eine Polizeikette geschlossen. Wer Stress aus dem Weg gehen will, reist lieber in kleinen Gruppen und erst recht nicht mit dem Mob, der Blaulicht anzieht wie die Motten das Licht.

Bahn und Co. machen es sich aber gerne einfach und komplimentieren exklusiv Fußballfans aus überfüllten Zügen. Von daher war es reichlich naiv, wenn gleich 434 Leute aus den unterschiedlichsten Fanspektren in einem Provinzbahnhof auf die Weiterfahrt hoffen. Das die Polizei Feuerwerk gerne als Vorwand zum Einschreiten nimmt, dürfte ebenfalls bekannt gewesen sein. Doch die Entscheidung, den Spielbesuch für alle zu untersagen, war hart. Rechtstaatlich äußerst fragwürdig war jedoch die Datensammelwut der Exekutive bei der Aktion in Hannover.

Achim war darüber hinaus ein Lehrstück in Sachen PR und öffentlicher Meinung. Denn die Schlagzeilen hießen am nächsten Tag nicht „Minderjährige über Stunden von Polizei eingekesselt“, sondern „Fans legen Bahnverkehr lahm“. Nicht nur in Hannover, auch anderswo haben Fangruppen zu kämpfen, von ihrem Verein auf Augenhöhe wahrgenommen zu werden. Nirgendwo sonst ist ihre Lobby aber derart nicht-existent wie in der niedersächsischen Landeshauptstadt: Das Fanprojekt? Chronisch unterfinanziert. Der Fanclubdachverband Rote Kurve? Feierte sich erst für toll gestaltete Wagen zum Schützenausmarsch, übernahm dann mit der Trinkwasser-Aktion und den Spenden für Poltawa soziale Verantwortung, war in der Außenwahrnehmung aber kein fanpolitischer Player, sondern für viele – mich eingeschlossen – ein bequemer Weg um an die zu EuroLeague-Zeiten begehrten Tickets zu kommen. Die Medien? Vermieden es natürlich die Hand zu beißen, die sie seit Regionalligazeiten mit Stories fütterte. Und die Ultras? Blieben mit ihren komplizierten Gruppen-Ethos und den ständigen Provokationen ohne Anschlussfähigkeit an die breite Masse der Stadionbesucher.

Das Resultat

Keine Neuigkeiten an dieser Stelle: das Klima zwischen 96 und seinen Fans verschlechterte sich durch die Äußerungen Kinds erneut. Waren zuvor die Ultras nahezu exklusiv Zielscheibe seiner Kritik, traf es diesmal auch Teile der gemäßigten Fans, deren einziges Vergehen darin bestand, einen falschen Zug benutzt zu haben. Das sah auch die Staatsanwaltschaft so, die alle Ermittlungsverfahren einstellte. In der Öffentlichkeit blieb aber der Eindruck, dass Fußballfans einfach nicht zu kontrollieren seien und gegen „diese Kriminellen“ immer wieder hart durchgegriffen werden müsse.

Selektive Kollektivstrafen

Was ist passiert?

Schon lange hatte 96 angedroht, DFB-Strafen nach dem Zünden von Pyrotechnik auf die Verursacher umlegen zu wollen. Da die Videotechnik im Stadion und die Ermittlungsbehörden aber nicht die gewünschten Täter produzierten, entschied sich die Vereinsführung für eine kollektive Strafe. Beim Euro League-Spiel gegen Anschi Machatschkala mussten Zuschauer in den Blöcken N16/N17 einen Aufschlag von fünf Euro zahlen.

Die Einschätzung

Fußballvereine achten gerne auf jeden Euro und suchen überall nach neuen Erlösquellen. Wenn dann DFB-Strafen die Bilanz verhageln, suchen gute Geschäftsleute eben nach neuen sprudelnden Geldquellen. Bei 96 kam man auf die dumme Idee, ausschließlich die mit Dauerkarteninhabern der Rote Kurve bevölkerten Blöcke zur Kasse zu bitten und aus der kollektiven Strafe eine selektive zu basteln. Den Strafen in Höhe von 80.000 Euro sollen hierbei Einnahmen von ganzen 5.000 Euro gegenüber gestanden haben – ein eher kümmerliche „Ertrag“ unter Inkaufnahme von noch viel größeren Klimaverschlechterungen.

Die Maßnahme sorgte dafür, das beim Spiel selbst kaum Stimmung aufkam. Zwar hatte 96 das Hinspiel verloren, dennoch bestand natürlich eine klitzekleine Hoffnung auf das Weiterkommen. Bedingungslose Unterstützung von den Rängen hätte an dieser Stelle sicher nicht geschadet, aber wieder einmal zeigte Martin Kind, dass er keine Ahnung vom Fußball hat, wie er dem Verfasser dieser Zeilen bei einem Notbremse-Interview kurz nach seiner Inthronisierung gestand (ich warte übrigens heute noch auf das versprochene Praktikumsangebot).

Das Resultat

ACAB, Achim, Anschi – diese drei Maßnahmen trafen nicht nur die Ultras, sondern zielten verstärkt auch in die übrige Fanszene, die über eher lockere Strukturen verfügt. Wenn man es nicht besser wüsste, hätte man meinen können, das hier eine weitere Gruppe kriminalisiert werden sollte. Dabei hätte 96 im Zeitalter der Transparenz durchaus ganz andere Möglichkeiten gehabt: Die Strafenproblematik hätte in einem längeren Prozess über das Fanprojekt jüngeren Fans näher gebracht werden können, auch beim Papier zum „Sicheren Stadionerlebnis“ hätte der Verein moderater auftreten können. Stattdessen verfolgte insbesondere der Präsident weiter seinen ganz eigenen Erziehungsauftrag und ließ sich mit den Worten „Kollektivstrafen sind manchmal nötig“ zitieren.

Der Scheißverein

Was ist passiert?

Auf einer Veranstaltung des Fanclubs „Rote Reihe“ (ja, genau der!) bezeichnete Martin Kind Hannover 96 als Scheißverein. Damit meinte der Unternehmer insbesondere die Verhältnisse vor seinem Einstieg 1997.

Die Einschätzung

Es überrascht doch einigermaßen, dass ein oftmals sehr distinguiert auftretender Mensch wie Martin Kind sich zum wiederholten Male der Fäkalsprache bediente, um seine Meinung auszudrücken. Entweder, der Großburgwedeler ist ob seines dünnen Fells leicht reizbar, oder er nutzt solche Auftritte vor der High Society gezielt, um Stimmung für sich zu erzeugen.

Natürlich steht es Martin Kind frei, über seine Vorgänger zu urteilen. In der Tat ging es bei 96 in den 80ern drunter und drüber und in den 90ern wollten einer sogar das legendäre Fanzine Notbremse verbieten, weil ihm die Schreiberlinge nicht in den Kram passten. Und natürlich hat 96 in den vergangenen 18 Jahren geschafft, das Image als „Schalke des Nordens“ abzulegen, ein schönes WM-Stadion unter Teilerhalt der historischen Bausubstanz zu errichten und sich in der 1. Bundesliga zu etablieren. Auf der Negativseite ist aber eine mindestens seit 2006 von Seiten des Vereins geführte Kampagne zur Zuschauerzusammensetzung im Niedersachsenstadion – erst durch massive Preisaufschläge zur Umbaufinanzierung und spätestens seit Haarmann durch fortgesetzte Kriminalisierungsversuche und Einschüchterungen auf persönlicher Ebene.

Das Resultat

Mit seinen Äußerungen konnte sich Kind zwar den Applaus der hannöverschen High Society sichern, verletzte mit dieser rhetorischen Keule jedoch erneut die Fanemotionen zu ihrem Lieblingsklub. Schließlich wurde dieser „Scheißverein“ 1938 und 1954 unter jeweils heroischen Umständen deutscher Meister, hat in den 60ern mehrere Amateurmeisterschaften errungen, als einziger Zweitligist überhaupt den DFB-Pokal gewonnen, Erfolge in Leichtathletik, Badminton und Triathlon gefeiert – das alles soll (selbst vor einer zugegeben ausgereiften unternehmerischen Strategie) nichts mehr wert sein? Und übrigens dürften sich durch Kinds Attacke nicht nur die Fans, sondern auch die vielen Ehrenamtlichen und Aktiven in den Hintern getreten gefühlt haben…

Martin knows best

Was ist passiert?

Nachdem die Auseinandersetzung zwischen Kind und Teilen der Fanszene lange Zeit sich stetig aufschaukelte, ging es nun in die offene Feldschlacht. Die Ultras beendeten nach Choreo-Verboten und Rauswurf aus dem Stadion-Container die Gespräche mit dem Verein, der Fanklubdachverband Rote Kurve löste sich nach Unterbreitung eines Maßnahmenkatalogs durch den Verein (u.a. pers. Haftung der Vereinsvorstände bei Pyrovorfällen im Nordoberrang, Kündigung des Fanladens und damit der Weg in die Arbeitslosigkeit für zwei besonders engagierte Fans) schließlich auf. In den letzten Ausgaben des RK-Magazins beklagten die Macher zudem, dass sich in den Jahren des Bestehens kein Nachwuchs gefunden hätte, der bereit gewesen war, Verantwortung zu übernehmen und das Kind in persönlichen Gesprächen gedroht habe, die jeweiligen Arbeitgeber – mit denen er sehr gut befreundet sei – über die Aktivitäten ihrer Beschäftigten zu informieren.

Die Einschätzung

Die Reaktionen der Ultras und der Roten Kurve sind im Einzelfall nachvollziehbar. Aber insbesondere das lange Siechtum des Fanklubdachverbandes muss zu Denken geben. Auch wenn sicherlich das persönliche Maß voll und Existenzen bedroht waren, sollte in einer derartigen Situation das Feld nicht leichtfertig geräumt werden. Die Ultras hingegen haben es sich einfach gemacht und gezeigt, dass ihr Gruppenkodex im Zweifelsfall doch schwerer wiegt, als die Liebe zu 96.

Das Resultat

Vormalige Fanstrukturen waren der Auflösung preisgegeben und nach diesem finalen KO machte sich Lethargie in der Fanszene breit. Wofür lohnte es noch zu kämpfen und wohlmöglich Existenzen aufs Spiel zu setzen, wenn ab 2017 Kind-genehme Investoren nach der modifizierten 50+1-Regel (für die Martin Kind jahrelang statthaft gegen DFB und DFL letztlich erfolgreich ins Feld zog) künftig das Sagen haben? Damit war der Tiefpunkt aber noch lange nicht erreicht…

Schmach von Braunschweig

Was ist passiert?

Schon im Hinspiel hatte sich 96 nicht mir Ruhm bekleckert: Gegen den Tabellenletzten aus Peine-Ost bot Übungsleiter Slomka nur eine Spitze auf – der trostlose Kick endete folgerichtig mit 0:0 (übrigens das 1.000 torlose Remis in der Bundesliga-Geschichte). Nahezu während der kompletten 90 Minuten wurde das Niedersachsenstadion vom Bengalo-Feuern erhellt. Die Ultras hatten – so erzählt man sich – für das Derby vom Verein Teile ihrer Privilegien (Choreos, Container) zurückerhalten und dankten es nach den vorherigen Scharmützeln (siehe oben) auf ihre Art.

Zum Rückspiel kam dann die Quittung für die unüberlegte Pyro-Show: Auf Druck des Innenministeriums wählte Hannover 96 beim Ticketverkauf für das Rückspiel eine ganz besondere Variante: Wer ein Ticket erwarb, musste in einem vom Verein gestellten Bus steigen, um das Spiel zu sehen. Darunter fielen zwar auch die Inhaber von Auswärtsdauerkarten, nicht jedoch wer ein VIP-Ticket bestellte.

Daraufhin klagten einige der Inhaber von Auswärtsdauerkarten gegen die Vergabepraxis. Zunächst sah es vor Gericht auch ganz gut aus, denn der einstweiligen Verfügung wurde wenige Tag vor dem Spiel stattgegeben. 96 hingegen legte wenige Stunden vor dem Derby bei Gericht einen Befangenheitsantrag ein, sodass aus der ganzen Geschichte eine juristische Hängepartie wurde. Die ganze Hysterie im Vorfeld war natürlich völlig verschwendete Energie, denn 96 kam beim Erzrivalen mit 0:3 unter die Räder.

Die Einschätzung

Niemand weiß, wie groß tatsächlich der politische Druck auf Hannover 96 war. Im Nachhinein tat die sportliche Führung in Person von Manager Dufner nämlich so, als setze man die Anreise-Maßnahme gar nicht gerne um. Dabei wird dieses Modell schon seit Jahren in Holland genau so immer wieder durchgeführt – und das Derby war für die deutschen Behörden ein erster Testballon. 96 half als traditionell staatsergebener Verein gerne mit.

Dass der Verein mit juristischen Winkelzügen gegen seine eigenen Fans vorging, war ein Novum. Allerdings darf nicht vergessen werden, dass erst die Ultra-Pyro-Show im Hinspiel die konkrete Situation heraufbeschworen hatte und man damit der Fanszene aus Ego-Gründen insgesamt einen Bärendienst erwiesen hat.

Das Resultat

Zu der schlechten Stimmung kamen nun auch schlechte Leistungen auf dem Platz. Ausgerechnet die Blamage gegen Peine-Ost weckte wieder einmal das Abstiegsgespenst in Hannover. Letztlich wurde die Klasse gehalten – und auch das den Ultras angekreidet: Hat 96 nicht schönen und erfolgreichen Fußball gespielt, nachdem UH, KH und BN im Stadion (endlich) schwiegen?

Go home productions

Was ist passiert?

Zur Saison 2014/15 beendete Hannover 96 die freie Platzwahl in den ehemaligen RK-Blöcken N16/N17. Hintergrund waren die anhaltenden Pyro-Querelen. Martin Kind hatte schon mehrfach angekündigt, Strafen auf die Verursacher (schon bei einem Becherwurf vom FC St. Pauli erfolgreich vorexerziert) durchzustellen. Wenn man nun genau weiß, wer wo sitzt, sollte dieses Vorhaben in Zukunft leichter gelingen – so zumindest die Theorie. Wer seine Karte an Freunde oder Ebay-Bekanntschaften weitergab, musste damit rechnen, auch dann belangt zu werden, wenn man selbst gar nicht im Stadion war – schließlich war der Platz nun personalisiert.

Auf den Vertragsbruch (manche hatten die DK vor Jahren unter völlig anderen AGBs erworben) hatte nur noch ein knappes Drittel der Dauerkarteninhaber Lust, die Ultras gingen seit Saisonstart sowieso lieber zu den Amateuren. Dilettierend versuchte 96 daraufhin, die frei gewordenen Plätze an Studierende der MHH zu verschachern. Als das scheiterte, kam Kind auf die glorreiche Idee, die 800 freigewordenen Plätze bei seinen Sponsorenfreunden für 230 Euro (regulär: 400 Euro) anzubieten – natürlich bei freier Übertragbarkeit.

Die Einschätzung

Wer glaubte, dass Martin Kind nur artig die Spalten in der Presse füllte, sah sich erneut getäuscht, denn Worten folgen bei ihm in beängstigender Regelmäßigkeit auch immer Taten. Sein Ziel trat spätestens jetzt überdeutlich hervor: Alle kritischen Fans und Ultras sollten aus dem Stadion verschwinden. Ähnlich wie bei der Auseinandersetzung um 50+1 hat Martin Kind auch diesen Kampf taktisch geschickt und mit äußerst langem Atem ausgefochten – letztlich siegreich.

Das Resultat

Martin Kind ist am Ziel seiner Träume – und hat die Herzkammer des Hannover 96-Fanwesens, die Nordkurve, in ihre Einzelteile zerlegt. Wenn überhaupt, war er dabei nur auf schwache Opposition gestoßen, sowieso war eine Mehrheit im Stadion gegen Ultras. Dabei war der Kampf mit ungleichen Mitteln geführt worden, Fans besitzen einfach keine Lobby. 1998 sah der Hörgeräte-Unternehmer das jedoch noch ganz anders: Als der alte H31 zum Hort von Alkoholikern und Pöblern verkommen war, spendete er dem sangesfreudigen Notbremse-Umfeld und dem Fanklub „Thekenschlampen“ für denn damaligen Premium-Block K36 – mitten auf der Westtribüne großzügig Tickets. Bei einem 12 Uhr-Kick (wegen der Landtagswahlen) gegen den TuS Celle FC nahm die moderne Ultrabewegung in Hannover ihren Anfang. Insofern hat Kind die Geister selbst erst geweckt, die er danach so vehement bekämpfte.

Sei meiner Meinung oder schweig!

Was ist passiert?

Nach den ersten Heimspielen 2015 mehrten sich in sozialen Netzwerken die Einträge, das „Kind muss weg“-Rufer nicht nur vom übrigen Stadion niedergepfiffen, sondern danach auch gezielt von Ordnern angesprochen werden. Diese drohten dann angeblich mit einem „Stadionverweis“. Auf Nachfrage erklärte Hannover 96 bei Twitter zunächst, dass es keine diesbezügliche Ansage an den Ordnungsdienst gäbe, später bestätigte Stadionchef Thorsten Meier jedoch in einem Interview ebenjene Praxis. Postwendend die Erklärung von Häuptling Kind: „Das kann so nicht weitergehen. Hier geht es nicht um mich, sondern einzig und allein um die Mannschaft“.

Die Einschätzung

Es ist damit zu rechnen, dass „Kind muss weg“-Rufer schon bald vom Ordnungsdienst oder im Zusammenspiel mit der Polizei aus dem Stadion entfernt werden. Auch hier hätte Kind die öffentliche Meinung auf seiner Seite. Allerdings hat die Stimmung in den vergangenen Monaten ordentlich gelitten, mittlerweile sind die Gästefans bei jedem Spiel im Niedersachsenstadion lauter als die (nicht mehr vorhandene) Nordkurve.

Das Resultat

Noch immer ist das Tischtuch zwischen Fans und Verein zerschnitten. Zwischenzeitlich sollten Fanlieblinge wie Altin Lala oder Carsten Linke helfen, die verfeindeten Seiten wieder an einen Tisch zu bringen. Aufgrund der sportlich prekären Situation verfährt der Verein aber nach dem Motto „Augen zu und durch“. Wenn überhaupt, werden Gespräche frühestens nach Saisonende stattfinden können.

Wie oben schon erwähnt, hätte ich mir ein derart beherztes Auftreten von Hannover 96 auch in den 80ern und 90ern gewünscht, als Affenlaute und sonstige rassistische Rufe deutlich vernehmbar waren. Wer weiß, vielleicht nutzen genau jene Kreise das Vakuum in der Kurve, um sich wieder zu etablieren…

Was nun tun?

Man könnte einen offenen Brief schreiben, wie Hannover 96 es getan hat. Man könnte damit weitere Fans derart entrüsten, sodass sie nach knapp 20 Jahren Dauerkarte und Mitgliedschaft kündigen. Man könnte um neue Gruppen werben, die man bedingungslos unterstützen wolle. Man könnte sich nach Entrechtung und Kriminalisierung der alten Fans mit Geld der Sponsoren nun genau die neuen mundtoten Zuschauer backen, die man schon immer im Stadion haben wollte.

Man könnte auch weiter „Kind muss weg“ rufen und seinen Frust freien Lauf lassen. Man könnte sich daran weiden, wie die selbst ernannten Experten den Verein dem freien Fall überlassen und ab sofort oder nach der Sommerpause ganz wegbleiben. Man könnte, wie von Martin Kind gegenüber der Roten Kurve einmal vorgeschlagen, sich „ein anderes Hobby suchen“. Man könnte Herz und Nerven schonen und am Wochenende etwas wirklich sinnvolles mit Familie und Freunden unternehmen, anstatt dem 96-Gegurke zuzuschauen.

Man könnte auch jetzt erst recht in den Verein eintreten. Man könnte Anträge für die Jahreshauptversammlung formulieren, andere Fans mobilisieren, alternative Finanzierungskonzepte erarbeiten. Man könnte sich personelle Alternativen zu Martin Kind überlegen. Man könnte darauf hoffen, durch diese Kärrnerarbeit das fanfreundliche und transparente Hannover 96 zu bekommen, was sich so viele Unzufriedene derzeit zu wünschen scheinen. Man könnte versuchen, dass der Investoreneinstieg 2017 keine reine Formsache wird.

Man könnte sagen, eine neue Liga sei wie ein neues Leben und ein Abstieg kein Weltuntergang. Man könnte nun aber auch alles daran setzen, und die Mannschaft in der Endphase der Saison wie auch immer unterstützen. Man könnte sich daran erinnern, dass es auch in den 90ern ohne Ultras so etwas wie spielverlaufsbezogene Stimmung gab. Man könnte meinen, das alles sei schon besser als der Status Quo. Man könnte fordern, dass sich die Spieler dafür auch ordentlich reinhängen müssten, damit der Funke wieder vom Platz auf die Ränge überspringe. Man könnte immer noch das richtige Leben im falschen führen…

…denn sie wissen nicht, was sie tun!

30 Jul

Der Plan der Verantwortlichen bei Hannover 96, die zahlreichen freigewordenen Plätze im Bereich des ehemaligen Rote Kurve Blocks an Studierende und Mitarbeiter der MHH zu veräußern (der Blog „Dave erzählt dir was“ berichtete: http://footballsdiary.wordpress.com/2014/07/28/gegensatze/ ), ist nach unseren Informationen gescheitert. Diese Idee scheint bei den Fans, die ihre Dauerkarten bisher im Block W19 haben, wenig Anklang gefunden zu haben.

Aus diesem Grund ist man bei 96 nun dazu übergegangen, Dauerkarten in diesem Bereich für einen Schleuderpreis den Mitarbeitern von Sponsoren anzubieten. Uns liegt ein Dokument (s.u.) vor, dass beweist, dass Mitarbeitern mindestens eines 96-Premiumsponsors Dauerkarten im Block N17 für 230 Euro (statt 400 Euro) angeboten werden. Der Preis entspricht damit dem einer ermäßigten Dauerkarte, wie sie sonst Studierende, Schüler, Azubis u.ä. erhalten.

Es ist mehr als wahrscheinlich, dass es sich bei diesem Angebot um Plätze im ehemaligen Rote Kurve Block handelt, da nur ca. 1/3 der Dauerkartenkunden des letzten Jahres ihre Dauerkarte in diesem Bereich gewandelt haben. Von diesen stornierten viele ihre Buchung, nachdem 96 nach Vertragsschluss die zunächst garantierte freie Platzwahl aufhob (http://www.rotekurve.de/2014/07/stellungnahme-der-ig-rote-kurve-zur-dauerkartenproblematik-im-ehemaligen-rk-block/). Wir gehen somit davon aus, dass ca. 800 von 1000 Plätzen in diesem Bereich neu zu vergeben wären. 96 tut sich offenbar schwer damit, hierfür eine adäquate Lösung zu finden und greift nun schon zum zweiten Mal tief in die Trickkiste.

Problematisch ist dies gleich auf zweierlei Art und Weise. Erstens ist es ein Schlag ins Gesicht derjenigen Fans, die schon seit Jahren ihre Dauerkarten treu verlängern und dafür auch dieses Jahr wieder den vollen Preis (abzgl. eines Treuerabattes) bezahlt haben. Zweitens vergrößert dies das Risiko, dass Gästefans an Karten für das Zentrum der Nordkurve gelangen. Sponsorenkarten werden erfahrungsgemäß häufig weitergegeben und auch durch Gästefans „erworben“. Zwar ist durch die Ticket-AGB von Hannover 96 der Besuch der Nordkurve mit Fanutensilien der Gästemannschaft untersagt. Dieses Verbot umzusetzen fiel 96 aber auch in der Vergangenheit schon schwer und wird durch diese Maßnahme noch torpediert. Die freie Übertragbarkeit der Karten ist nämlich ausdrücklich gestattet.

Die Verantwortlichen bei 96 zeigen sich also mal wieder von ihrer altbekannten kurzsichtigen Seite.

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Formular zur Dauerkartenbestellung per Sonderangebot. In der oberen rechten Ecke ist das Logo des Sponsors aus Gründen des Informantenschutzes geschwärzt!

Wider die Doppelmoral

12 Jun

Als 96-Fans waren wir wohl niemals so ratlos wie dieser Tage. Die Ereignisse der letzten Wochen, Monate und Jahre lasten auf unseren Schultern wie zentnerschwere Säcke. Immer wieder rekapituliert man, was man eigentlich nicht begreifen kann, da man es für unmöglich hielt. Viel wurde geschrieben, gesprochen und gestritten. Aber so passend und genau wie „Chris“ im Fan-Forum „Das Fanmagazin“ schaffen es wohl die wenigsten, die Sache auf den Punkt zu bringen. Wir danken Chris und wollen Euch seine Worte nicht vorenthalten.

Auf die Bemerkung, die meisten Stadionbesucher wollten einfach nur Fußball sehen, erwiderte Chris folgendes:

Da magst du sogar recht mit haben. Das ist auch sicherlich legitim und hört sich solange ganz harmlos an, bis man sich mal Gedanken darüber macht, was da alles hinter steckt.

Fußball sehen, unterhalten werden, ein Event geboten bekommen. Ich kann es den Leuten nicht einmal verübeln. Sie geben einen Haufen Geld aus und wollen dafür gefälligst etwas geboten bekommen, quasi eine Dienstleistung in Form eines Sportevents. Da stört es, wenn sich hinter den Toren komische Gestalten in Gruppen zusammen tun, die dieses teuer bezahlte Event stören und auch noch die Frechheit besitzen, auf „ihre“ Probleme aufmerksam zu machen und mittels Bannern und Gesängen unpopuläre Meinungen kund zu tun. Das meine ich in diesem Falle tatsächlich ernst.

Was mich ankotzt ist diese verschissene Doppelmoral, die in diesem Mikrokosmos herrscht. Es wird sich künstlich über beleidigende Gesänge aufgeregt, „der scheiß Schwatte da“ soll aber gefälligst laufen.

„Kind muss weg“ ist ein Schmähgesang, „Ultras raus“ (in der Vergangenheit „Trainer raus“) eine legitime Forderung.

Gewalt ist doof, aber „denen da in der Kurve“ gehört mal gepflegt der Arsch versohlt.

Eine Haarmann-Fahne ist unmoralisch, sich aber vom AWD das Stadion sponsoren zu lassen stellt kein Problem dar. Wie ich mich wohl fühlen würde, wäre mein Ur-Opa von Haarmann zerstückelt worden und nun würde sein Antlitz vor meiner Nase gewedelt werden, wurde ich mal gefragt. Ungefähr so, als wenn mein Vater all sein über 40 Jahre zusammen gearbeitetes Hab und Gut dank zwielichter Berater des AWD verloren hätte und das Stadion meines Vereins nun diesen Namen tragen würde, war meine Antwort.

„Fußball ist nicht alles – Fußball darf nicht alles sein!“ Es ist noch keine fünf Jahre her, als nach diesem Satz ein länger andauernder Applaus durchs Stadion hallte und man das Gefühl und die Hoffnung hatte, der Fußball würde nun ein Stück weit menschlicher werden. Heute habe ich das Gefühl, dass mehr denn je Leistung und Erfolg alles sind was zählt, egal zu welchem Preis, und das ausgerechnet hier in Hannover (hätte nie gedacht, dass ich sowas wie im letzten Halbsatz mal schreibe…).

Kinds „Kampf“ gegen die marodierenden Horden scheint für Außenstehende tatsächlich wie ein Kampf gegen das Böse zu sein, weil niemand sich dafür interessiert, was darüber hinaus alles kaputt gemacht wurde. Die Rote Kurve war ein e.V., Ultras waren dort lediglich Mitglieder, genauso wie jeder andere Rote dort hätte Mitglied werden können. Die Rote Kurve war keine Ultravereinigung, wie es oft in den Medien herüber gebracht wurde. Ich persönlich habe die Rote Kurve immer als eine Art Betriebsrat gesehen, der sich für die Belange aller Fans einsetzt, sei es Ultra oder Osttribünensitzer. Nur hat eben nicht jeder dieses Angebot wahr genommen. Tatsächlich hat die Rote Kurve sich oft für Fans außerhalb der Nordkurve eingesetzt, beispielsweise bei der verbesserungswürdigen Toilettensituation auf der Westtribüne, bei der Einlasssituation u.v.m.

Im Zuge dieses Kampfes hat auch der Fanladen die weiße Fahne geschwenkt, womit einfach mal zwei Menschen ihrer Existenzgrundlage beraubt wurden. Zwei Vorzeigefans, die immer zu ihrem Verein standen und ihm in Sachen Fanarbeit Dienste erwiesen haben, die kein bezahlter Vereinsangestellter jemals leisten könnte, und sei er noch so professionel und gut in seinem Fach. Ihm würde das Herzblut und die Leidenschaft fehlen, die die beiden auszeichneten.

Einem anderen RK-Mitglied wurde angedroht, ihn bei seinem Arbeitgeber anzuschwärzen. Dafür, dass er sich in der Roten Kurve engagiert. Das muss man sich mal auf der Zunge zuergehen lassen: Da will einen jemand bei seinem Brötchengeber anscheißen, weil man sich in seiner Freizeit ehrenamtlich in einem e.V. engagiert.

Ein weiteres Beispiel ist die Trinkbecher-Aktion, deren Aktivisten über viele Jahre hinweg in ehrenamtlicher Arbeit eine für dortige (Afrika) Verhältnisse unglaubliche Menge an Geld gesammelt haben, um dort elementare Dinge wie Trinkwasser und Bildung zu ermöglichen. Ohne sich über die Zukunft eines solchen Projektes einen Kopf zu machen wird das alles für vermeintlich mehr Sicherheit im Stadion über die Klinge springen gelassen und kaum eine Sau im weiten Stadionrund interessiert es. Was kümmert einen auch der durstende Neger, wenn man hierzulande doch einfach nur Fußball sehen will… Kotz!

Diese Menschen, die all das zu verantworten haben, allen voran Martin Kind, wagen es, gegenüber anderen Menschen den moralischen Zeigefinger zu heben. Und das gemeine Volk klatscht Applaus, denn der heilige St. Martin ermöglicht es uns, in unserer schönen Stadt Bundesligafußball bestaunen zu dürfen, während die undankbaren Arschlöcher aus der Kurve die Fußballbühne nur zur Selbstdarstellung missbrauchen.

Ich habe nicht einmal ein Problem damit, wenn es Leute gibt, die einfach nur Fußball sehen wollen. Ich habe ein Problem mit der oben beschriebenen Doppelmoral, ich habe ein Problem mit der Intoleranz, die Leuten gegenüber gebracht wird, für die Erfolg eben nicht alles ist, für die Fußball und der Stadionbesuch mehr ist als nur Bratwurst fressen und Bier saufen, die zwar auch Fußball gucken und ihre Mannschaft siegen sehen wollen, aber darüber hinaus eine Kultur ausleben wollen, auch wenn sie sich nicht jedem erschließt.

Das muss sie aber auch gar nicht, denn man kann diesen Leuten die Auslebung ihrer Vorstellung des Fanseins zugestehen, auch ohne dies nachvollziehen zu können. Man muss nicht alles hinnehmen, weder Gewalt noch Pyrotechnik, man kann das alles kritisieren, gerne auch scharf, man muss dabei aber fair bleiben und darf nicht alles über einen Kamm scheren. Man kann auch einfach mal versuchen über gewissen Dingen zu stehen, auch wenn sie einen vielleicht nerven. Nur weil einem etwas subjektiv auf die Eier geht, ist das kein Indikator dafür, dass etwas schlecht ist und aus meinem Blickfeld zu verschwinden hat. Man kann beleidigende Spruchbänder, Gesänge oder eine Haarmann-Fahne auch einfach mal mit einem Schulterzucken getreu dem Motto „Was interessiert es die Eiche…“ abbügeln und sich dem widmen, wegen dessen man selbst gern ins Stadion geht. Würde diese Art von Toleranz und Nachsichtigkeit von einem Großteil der Stadionbesucher ausgelebt werden, dann könnte der Ultra weiter hüpfen, der Normalo würde weiter bei einem Bier Fußball gucken, der Eventfan würde sich weiter über die Laola freuen und Gewalt und das, was inkorrekter Weise häufig als solche Bezeichnet wird, würde sich automatisch auf ein erträgliches Minimum einpendeln. So, wie es vor nicht einmal zwei Jahren noch der Fall gewesen ist.

Update: Bericht zur JHV des Hannoverschen Sportverein von 1896 e.V.

25 Mai

Vor kurzem berichteten wir über die Vorgänge auf der diesjährigen Jahreshauptversammlung unseres Vereins (https://briefankind.wordpress.com/2014/05/18/bericht-zur-jahreshauptversammlung-des-hannoverschen-sportvereins-von-1896-e-v/). Laut Aussagen anwesender Vereinsmitglieder war der Ablauf der Mitgliederversammlung – immerhin das höchste beschlussfassende Organ unseres Vereins – mit diversen formalen und moralischen Missständen gespickt. Im Nachgang der JHV richtete ein Vereinsmitglied diverse Fragen diesbezüglich an den Vorstand des e.V. (wir berichteten s.o.). Die Antworten des Vorstands, unterschrieben vom stellvertrenden Vorstandsvorsitzenden und Rechtsanwalt Uwe Krause, liegen nun vor und wurden erneut vom genannten Mitglied erwidert.

Wir dokumentieren hier die ursprüngliche Frage, die Antwort des Vorstands sowie die Erwiderungen des Vereinsmitglieds (aus Gründen der Übersichtlichkeit haben wir die unterschiedlichen Abschnitte jeweils einheitlich farblich markiert und die ursprünglichen Fragen gekürzt. Im Volltext sind sie unter oben genanntem Link zu lesen.):

Frage 1:

[…]Ist der Vorstand der Auffassung die Einberufung der Versammlung erfolgte satzungsgemäß oder liegt ein Verstoß gegen die Satzung vor? Wie kam es zu der verspäteten Terminierung?

Antwort:

Zur Durchführung einer Mitgliederversammlung ist es erforderlich einen Termin zu finden, an dem sämtliche 10 ehrenamtlich tätigen Gremiumsmitgleider (Aufsichtsrat sowie Vorstand) abkömmlich sind. Das war in diesem Jahr innerhalb der ersten 4 Monate leider nicht möglich. Deshalb wurde die Mitgliederversammlung für den 06.05.2014 angesetzt. Die geringfügige Überschreitung der in der Satzung vorgesehenen Frist ist unschädlich.

Erwiderung:

Ich nehme zur Kenntnis, dass der Vorstand die Auffassung vertritt, Satzungsverstöße, wie der vorliegende,  seien unschädlich.

Die Teilnahme aller Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder ist sicherlich wünschenswert aber nicht zwingend notwendig. Jedenfalls sollte dieses Ansinnen nicht über die Satzung gestellt werden.
Muss man anderenfalls davon ausgehen, das im Falle einer längeren Erkrankung einer Person aus dem von Ihnen genannten Personenkreis (ggf. über ein Jahr) dann gar keine Mitgliederversammlung stattfinden wird?

Frage 2:

[…]Ist der Vorstand der Auffassung, dass die nicht antragsgemäße erfolgte Änderung der Tagungsordnung satzungsgemäß und rechtlich begründet ist oder liegt ein Satzungs- und/oder Rechtsverstoß vor?

Ist der Vorstand der Auffassung, die Information der Mitglieder in Bezug auf die gestellten Anträge war nicht erforderlich und die Beschlussfassung rechtsgültig?

Ist der Vorstand der Auffassung, er hätte allen Mitgliedern des Vereins hinreichend die Möglichkeit gegeben sich umfassend über die Tagungsordnung und die gestellten Anträge zu informieren und den Mitgliedern dadurch die Möglichkeit eingeräumt zu entscheiden, ob eine Teilnahme an der Mitgliederversammlung erforderlich ist?

Soweit der Vorstand zu dem Ergebnis gelangen sollte, dass die Beschlüsse nicht wirksam sind:
Welche Maßnahmen beabsichtigt der Vorstand, um wirksame Beschlüsse herbeizuführen?

Antwort:

§12 Nr. 1 c der Satzung sieht vor, dass Anträge zur Tagesordnung auf der Geschäftsstelle von den Mitgliedern eingesehen werden können. Dementsprechend war eine Information der Mitglieder über derartige Anträge seitens des Vorstandes nicht erforderlich. Jedes Mitglied hatte die Möglichkeit, durch Einsichtnahme auf der Geschäftsstelle die Anträge zur Kenntnis zu nehmen und über die Teilnahme an der Mitgliederversammlung zu entscheiden.

Erwiderung:

Wenn die Mitglieder infolge fehlender Information nicht erfahren, dass Anträge gestellt worden sind, besteht kein Anlass zur Geschäftsstelle zu gehen. Die von mir zitierten Urteile wollen Sie offenbar nicht zur Kenntnis nehmen.

Frage 3:

[…]Um seitens der stimmberechtigten Mitglieder eine außerordentliche Mitgliederversammlung überhaupt einberufen zu können, müssten nach dem aktuellen Satzungswortlaut nahezu alle stimmberechtigten Mitglieder diese schriftlich beantragen, also nahezu 100%.
Der Einwand, es könnten nach der Satzung auch nichtstimmberechtigte Fördermitglieder den Einberufungsantrag unterzeichnen, greift nicht, weil nur ein Rechtsanspruch auf Herausgabe der Mitgliederliste im Hinblick auf stimmberechtigte Mitglieder gem. §§ 810, 811 BGB besteht (siehe auch LG Köln, Urteil vom 27.09.2011 Az. 27 O 142/11). Der Wortlaut der Satzung verletzt daher den Minderheitenschutz. Ist der Vorstand weiterhin der Auffassung der Minderheitenschutz sei im Verein hinreichend gewährleistet?

Antwort:

Eine außerordentliche Mitgliederversammlung ist von mindestens 20 % der volljährigen Mitglieder zu beantragen. Zu den volljährigen Mitgliedern gehören auch Fördermitglieder. Deshalb ist Ihre Rechnung unzutreffend. Im Übrigen ist festzuhalten, dass § 12 Nr. 2 b der Satzung in das Vereinsregister eingetragen ist. Unzulässige Satzungsänderungen dürfen vom Amtsgericht nicht eingetragen werden. Insoweit hat das Amtsgericht Ihre Frage bereits geprüft  und zu Gunsten der bestehenden Satzung beantwortet.

Erwiderung:

Ihre Behauptung, die Rechnung sei falsch, belegen Sie nicht. Sie entspricht im Übrigen der Mitteilung des Geschäftsführers des Vereins, der mir auf Nachfrage die Anzahl der stimmberechtigten Mitglieder des Vereines mitteilte. Nur am Rande möchte ich erwähnen, dass der Versammlungsleiter in der Mitgliederversammlung die Anzahl der stimmberechtigten Mitglieder  mit über 6000 falsch angegeben hat, denn er zählte, wie mir der Geschäftsführer nachträglich mitteilte, auch die minderjährigen Vollmitglieder mit.
Es bleibt dabei, dass nahezu alle stimmberechtigten Mitglieder einen Antrag unterzeichnen müssten, um auf das Quantum von 20% zu gelangen.
Der Einwand, die Satzung sei bei Eintragung geprüft worden, führt auch nicht weiter.

Dass zum Zeitpunkt der Eintragung der Satzung der Minderheitenschutz noch gewährleistet gewesen sein mag, hatte ich selber zum Ausdruck gebracht und die generelle Geeignetheit einer solchen Klausel bejaht.
Eine Satzung ist jedoch anzupassen, wenn nach dieser Eintragung Fördermitgliedschaften eingeführt werden und sich dadurch das Stimmenverhältnis bezogen auf den Minderheitenschutz erheblich auswirkt. Entscheidend ist doch, dass der Minderheitenschutz gewährleistet sein muss.

Schon das OLG Stuttgart hat entschieden, dass sich der Minderheitenschutz nach § 37 BGB nicht nur nach den Mitgliederverhältnissen bei Abfassung bzw. Eintragung der Satzung richtet. Vielmehr ist dem Minderheitenschutz gerade auch  dann Rechnung zu tragen, wenn sich  die Mitgliederzahl und auch damit das Stimmrechtsverhältnis ändert (OLG Stuttgart 8 W 252/85, ebenso KG Berlin NJW 1962/1917). Da mir Ihre Antwort aus einer Rechtsanwaltskanzlei zugeleitet worden ist, hätte ich  die Kenntnis dieser Entscheidungen und damit auch eine rechtlich fundierte Antwort erwartet.

Frage 4:

In § 12 Nr. 1 c der Satzung heißt es:
“Anträge können auf der Geschäftsstelle von den Mitgliedern eingesehen werden….”

Ich stelle fest:
Am 28.04.2014 habe ich in der Geschäftsstelle vorgesprochen und um Einsicht in alle vorliegenden Anträge gebeten. Trotz einer hinreichenden weiteren Wartezeit von mir im Bereich der Geschäftsstelle, lag keiner der gestellten Anträge zur Einsichtnahme aus.

[…]

Ist der Vorstand der Auffassung satzungsgemäß gehandelt zu haben oder liegt ein Satzungsverstoß vor?

Antwort:

Jedes Mitglied kann entsprechend § 12 Nr. 1 c der Satzung Anträge zur Tagesordnung auf der Geschäftsstelle einsehen. Nach Auskunft unserer Geschäftsführer haben Sie, sehr geehrter Herr N., zwar nach der Existenz von weiteren Anträgen gefragt, nicht jedoch die Einsichtnahme in diese Anträge begehrt. Insoweit ist ein Satzungsverstoß nicht erkennbar.

Erwiderung:

Ihre Behauptung ist schlichtweg unwahr. Mein Besuch diente nicht der Prüfung der Existenz weiterer Anträge sondern der Überprüfung, ob satzungsgemäß meine Anträge von anderen Vereinsmitgliedern eingesehen werden können und ob Gegenanträge gestellt worden sind.

Gerne schildere ich Ihnen noch einmal den Ablauf:
Schon am Eingang traf ich zufällig Herrn Meier, begrüßte ihn und teilte mit, ich wolle nur die Anträge zur Mitgliederversammlung des Vereins einsehen. Am Tresen angelangt, es wurde gerade Martin Kinds Geburtstagskuchen genossen, erklärte ich, ich wolle zur Geschäftsstelle des Vereines.
„Diese sei hier“ bekam ich von der Dame zur Antwort. Ich bat Sie dann mir die Anträge zur Mitgliederversammlung zur Einsicht zu geben, wie in der Vereinssatzung geregelt. Etwas ungläubig erhielt ich die Antwort, die seien nicht hier ich solle warten. Kurz darauf wurde ich in die Wartezone gebeten. Nach geraumer Wartezeit wurde ich in das Zimmer des Geschäftsführers des Vereines gebeten, allerdings war dieser nicht anwesend sondern Herr Pollmann, der stellvertretende Geschäftsführer. Ich wiederholte meine Bitte auf Einsichtnahme in die Anträge gemäß Satzung. Ich erhielt zur Antwort von Herrn Pollmann, er habe diese nicht vorliegen, der Geschäftsführer sei in einer Besprechung und die Anträge auf dessen PC, allerdings nicht einsehbar. Nur dadurch kam es zu einer weiteren Erläuterung der Anträge. Diese wäre ja auch ansonsten nicht erforderlich gewesen. Nach einiger Zeit kam dann der Geschäftsführer dazu und ich wiederholte mein Ansinnen, weshalb ich gekommen sei. Einsehbar, wie in der Satzung geregelt, waren die Anträge allerdings auch weiterhin nicht.

Nach der Existenz von Anträgen habe ich also nicht gefragt sondern um Einsichtnahme in alle vorliegenden Anträge gebeten. Sie behaupten auch nicht, dass die Anträge ausgelegen hätten.
Allerdings verwundert mich Ihre Antwort nicht, weil ich ohne Zeugen die Geschäftsstelle aufgesucht habe.

Frage 5:

[…]Ist der Vorstand der Auffassung, dass die Anträge entsprechend Punkt 3 der Tagungsordnung allen anwesenden Mitgliedern verlesen worden sind?

Antwort:

Ihre Anträge sind in der Mitgliederversammlung ordnungsgemäß bekanntgegeben worden, und zwar sowohl durch Verlesen als auch über visuelle Wahrnehmungsmöglichkeiten durch Einblendung auf zwei Leinwänden.

Frage 6:

[…]Begrüßt der Vorstand das bereits in der Versammlung von mir kritisierte Verhalten?

Ist der Vorstand der Auffassung, dass mit den Antragstellern angemessen, fair und demokratisch umgegan worden ist?

Antwort:

Wir verweisen auf die Beantwortung zu Ziffer 5.

Erwiderung zu Antwort 5&6:

Die anderweitige Wahrnehmung und vorgebrachte Behauptung des Vorstandes nehme ich zu Kenntnis.

Die Behauptung, meine Anträge seien ordnungsgemäß verlesen worden, entspricht gleichwohl nicht der Wahrheit. Dabei sah die Tagungsordnung eine Verlesung sogar ausdrücklich unter Punkt 3  vor.
Auch später erfolgte keine vollständige Verlesung.

Ihre Antwort ist in diesem Punkt schon verwunderlich, weil andere teilnehmende Mitglieder Ihre Wahrnehmung nicht bestätigen können.

Frage 7:

[…]Wird der gesamte Vorstand sich für den Erhalt der Auswärtsdauerkarten einsetzen und wird Herr Kind seine Ankündigung umsetzen?

Antwort:

Was Dauerkarten für den Besuch der Auswärtsspiele der Profifußballmannschaft angeht, so handelt es sich um eine Angelegenheit der Hannover 96 GmbH & Co. KGaA. Zu Belangen der Hannover 96 GmbH & Co. KGaA wird der Vorstand Hannover 96 e.V. keine öffentlichen Stellungnahmen abgeben.

Erwiderung:

Der Verein hat nach dem Schiedsspruch zu 50 plus 1 des Ständigen Schiedsgerichtes für Vereine und Kapitalgesellschaften der Lizenzligen noch immer das Mehrheitsstimmrecht inne zu haben. Schon im Rahmen meiner mündlichen Begründung zu den von mir gestellten Anträgen zu  3. und 4. musste ich den Vorstandsvorsitzenden bezüglich seiner Erklärung gegenüber den Mitgliedern im Vorstandbericht, ab 2017 dürften die Investoren die Kapitalmehrheit übernehmen, korrigieren, denn die Kapitalmehrheit haben die Investoren bereits.
Das Bestehen des Mehrheitsstimmrechtes für den Mutterverein ist allerdings auch eine Lizenzbedingung.

Will der Vorstand mit seiner Antwort zum Ausdruck bringen, der Verein habe nicht nur die Kapitalmehrheit verloren sondern auch kein Mehrheitsstimmrecht in der ausgelagerten Hannover 96 GmbH & Co KGaA mehr?

Wir bleiben an dem Thema dran und halten euch auf dem Laufenden. Kurz noch zur Person Uwe Krauses. Dieser äußerte sich 2007 im 96-Mitgliedermagazin wie folgt:

„Bundesweit (hoffentlich irgendwann auch einmal international) sind wir als »die Roten« bekannt. Unsere Vereinsfarben jedoch sind schwarz-weiß-grün. Unsere Mannschaften spielen aber nicht in diesen Farben, sondern hauptsächlich in roten Trikots und schwarzen Hosen. Wäre es deshalb nicht sinnvoll, die Vereinsfarben von schwarz-weiß-grün in rot oder rot-schwarz zu ändern? Momentan stellen wir uns – farblich gesehen – uneinheitlich dar. Um die Marke 96 weiter zu entwickeln, wäre jedoch ein einheitliches Erscheinungsbild wünschenswert.
Ich weiß, dass es Mitglieder und Fans gibt, die eine solche Änderung strikt ablehnen. Aber ist das noch zeitgemäß? Ich bin sehr dafür, die Tradition unseres Vereins zu pflegen. Denn diese Tradition verfügt über eine hohe Anziehungskraft. Diese Anziehungskraft wiederum bedeutet Stärke und diese Stärke wollen wir nutzen und ausbauen. Andererseits darf Tradition aber nicht zum Hemmschuh für eine moderne Zukunftsentwicklung werden.“

Außerdem vertrat er ehemalige wie aktuelle Profi-Spieler von Hannover 96 anwaltlich.

Wir lassen das mal so stehen und wollen es vorerst nicht weiter kommentieren.

Bericht zur Jahreshauptversammlung des Hannoverschen Sportvereins von 1896 e.V.

18 Mai

Am 06. Mai fand die diesjährige Jahreshauptversammlung statt, an der 195 Mitglieder, davon 120 stimmberechtigt, teilnahmen. Neben dem üblichen Ablauf einer solchen Versammlung mit Gedenken an die im letzten Jahr verstorbenen Mitglieder, Ehrung der Jubilare, Neuwahl des Ehrenrates sowie einem Rückblick auf die Vereinsentwicklung im letzten Jahr (die mehr eine Zusammenfassung aller großen Leistungen, die Martin Kind in den letzten 17 Jahren für den Verein geleistet hat, war) gab es auch einige für den Vorstand kritische Fragen, Anträge zur Satzungsänderung und Meinungsäußerungen.

 

Der Vorstand unseres Vereins hat es leider geschafft, diese JHV unseriös und meinungsbeeinflussend ablaufen zu lassen. Schon die Einladung zur JHV erfolgte nicht satzungsgemäß (siehe unten). Außerdem wurden die eingereichten Anträge (Antrag auf Satzungsänderung bezüglich der Modalitäten zur Einberufung einer außerordentlichen Mitgliederversammlung; Antrag zur Stärkung der Informationsrechte der Mitgliedschaft hinsichtlich der Inhalte der Aufsichtsratssitzungen; Anträge auf Stellungnahme zu der Kartenvergabe des Spiels in Braunschweig und den daran anschließenden Gerichtsverfahren; Antrag auf Angebot der Auswärtsdauerkarten in der kommenden Saison) nicht vorgelesen sondern stattdessen schlecht lesbar auf Leinwänden abgebildet und kurz, zum Teil falsch, durch Vorstandsmitglieder zusammengefasst. Sowohl bevor näher auf diese Anträge eingegangen wurde als auch nachdem die Antragssteller die Möglichkeit hatten, ihre Anträge zu begründen, wurden die stimmberechtigten Mitglieder von Vorstandsseite aus mehrfach vehement dazu aufgefordert, diese Anträge abzulehnen. Die Antragssteller sahen sich teilweise Hohn und Spott der Teilnehmer der Versammlung ausgesetzt.

 

Kritische Themen, wie zum Beispiel der Gerichtsprozess um die Kartenvergabe der Auswärtsdauerkarten für das Spiel in Braunschweig, wurden durch (vorgetäuschte?) Ahnungslosigkeit über fragwürdiges Vorgehen von Herrn Kind versucht herunterzuspielen:

Martin Kind: „(…)Am Sonnabend, einen Tag vor dem Spieltag, wurden dann nochmal (…) 86 Anträge beim Gericht auf einstweilige Anordnung beantragt. Das Gericht hat nicht mehr entschieden an diesem Tag und es ist im Moment ein schwebendes Verfahren.

Nachfrage eines Vereinsmitglieds: „Aus welchem Grund hat das Gericht nicht entschieden?

MK: „Das entzieht sich meiner Kenntnis.

Vereinsmitglied: „Sagen Sie doch, dass Sie einen Befangenheitsantrag gegenüber der Richterin eingereicht haben!

MK: „Ja, das haben wir gemacht.(…)

 

Nun erreichte uns eine Mail eines auf der JHV anwesenden und antragsstellenden Mitglieds an den Vorstand. Wir möchten diese Mail an dieser Stelle gern veröffentlichen und sind auf die Stellungnahme des Vorstandes mehr als gespannt!

„Sehr geehrter Herr Kind, sehr geehrte Vorstandsmitglieder,

Bezug nehmend auf die Mitgliederversammlung am 06 05.2014 möchte ich Ihnen zu den nachfolgenden Ausführungen Gelegenheit zur Stellungnahme geben:

1.)
In § 12 Nr. 1 a) der Vereinssatzung heißt es:
„Die ordentliche Mitgliederversammlung (Jahreshauptversammlung) findet jährlich innerhalb von vier Monaten nach Ablauf des Geschäftsjahres statt.“

In § 5 heißt es:
„Das Geschäftsjahr ist das Kalenderjahr.“

Ich stelle fest:
Die Mitgliederversammlung (Jahreshauptversammlung) wurde vom Vorstand für den 06.05. 2014 einberufen und hat an diesem Tage stattgefunden.

Ist der Vorstand der Auffassung die Einberufung der Versammlung erfolgte satzungsgemäß oder liegt ein Verstoß gegen die Satzung vor? Wie kam es zu der verspäteten Terminierung?

2.)
In § 12 Nr.1 c der Satzung heißt es:

“ Anträge zur Tagesordnung einer ordentlichen Mitgliederversammlung müssen mindestens 10 Tage vor der Versammlung schriftlich beim Vorstand eingereicht werden.“

In meiner Mail vom 26.04.2012 heißt es vor der Auflistung der Anträge:

„Unter Tagungsordnungspunkt (TOP) Satzungsänderungen sollen die beiden ersten nachfolgenden Anträge zu 1. und 2. aufgenommen werden. Wenn dieser TOP nicht besteht soll ein neuer TOP „Satzungsänderungen“ aufgenommen werden. Die Anträge zu 3. und 4. sollten unter „Sonstiges“ oder in einem gesonderten TOP „Aktuelles“ aufgenommen werden.“

Ich stelle fest:
Mein Antrag auf Abänderung der Tagesordnung im Hinblick auf die Satzungsänderungsanträge wurde nicht berücksichtigt.

Grundsätzlich steht Vereinsmitgliedern das Recht zu Einfluss auf die Tagungsordnung zu nehmen. Satzungsänderungsanträge sind derart bedeutsam, dass selbst die Satzung unseres Vereines in § 12 Nr.3 c) vorsieht, dass diese nicht im Dringlichkeitswege einzubringen sind, sondern wie geschehen, spätestens 10 Tage vor der Versammlung zu stellen sind.

Unsere Vereinssatzung enthält keine weitere Regelung, wonach die Mitglieder des Vereines über die Änderung der Tagungsordnung oder über derart bedeutsame Anträge zu informieren sind. In diesem Fall müssen die Mitglieder über den Inhalt der Anträge so rechtzeitig informiert werden, dass genügend Zeit für eine sachgerechte Vorbereitung bleibt (BGH NJW 1987 S. 1811, 1812.; LG Aachen Beschl. v. 22. 11. 1991; 3 T 266/91).
Gerade die beiden Satzungsänderungsanträge haben vorliegend eine gewichtige Bedeutung, da der Minderheitenschutz und die Informationsrechte des wichtigsten Organs des Vereines betroffen sind.

Hätte der Vorstand die Mitglieder ordnungsgemäß informiert, hätten die Mitglieder beurteilen können, ob eine Teilnahme an der Versammlung erforderlich ist oder nicht. Auch hinsichtlich der weiteren Beschlüsse hätte dann das Abstimmungsergebnis auch anders ausfallen können. Somit liegt keine wirksame Beschlussfassung vor.

Ist der Vorstand der Auffassung, dass die nicht antragsgemäße erfolgte Änderung der Tagungsordnung satzungsgemäß und rechtlich begründet ist oder liegt ein Satzungs- und/oder Rechtsverstoß vor?

Ist der Vorstand der Auffassung, die Information der Mitglieder in Bezug auf die gestellten Anträge war nicht erforderlich und die Beschlussfassung rechtsgültig?

Ist der Vorstand. der Auffassung, er hätte allen Mitgliedern des Vereins hinreichend die Möglichkeit gegeben sich umfassend über die Tagungsordnung und die gestellten Anträge zu informieren und den Mitgliedern dadurch die Möglichkeit eingeräumt zu entscheiden, ob eine Teilnahme an der Mitgliederversammlung erforderlich ist?

Soweit der Vorstand zu dem Ergebnis gelangen sollte, dass die Beschlüsse nicht wirksam sind:
Welche Maßnahmen beabsichtigt der Vorstand, um wirksame Beschlüsse herbeizuführen?

3.)
Allgemein betrachtet kann ein 20%-Quantum, wie in unserer Vereinssatzung in § 12 2.b) geregelt, geeignet sein, einen Minderheitenschutz zu gewährleisten. Der Minderheitenschutz ist jedoch in unserem Verein nicht mehr gewährleistet. Die Ursache hierfür liegt in der Einführung der begrüßenswerten Fördermitgliedschaft, verbunden mit einer rasanten Entwicklung der Mitgliederzahlen (2004 ca. 1800 Mitglieder, 2014 ca. 20.200 Mitglieder). Die stimmberechtigten Mitglieder (gerundet 4000) stellen ca. 20 % der Gesamtmitglieder dar.

Um seitens der stimmberechtigten Mitglieder eine außerordentliche Mitgliederversammlung überhaupt einberufen zu können, müssten nach dem aktuellen Satzungswortlaut nahezu alle stimmberechtigten Mitglieder diese schriftlich beantragen, also nahezu 100%.
Der Einwand, es könnten nach der Satzung auch nichtstimmberechtigte Fördermitglieder den Einberufungsantrag unterzeichnen, greift nicht, weil nur ein Rechtsanspruch auf Herausgabe der Mitgliederliste im Hinblick auf stimmberechtigte Mitglieder gem. §§ 810, 811 BGB besteht (siehe auch LG Köln, Urteil vom 27.09.2011 Az. 27 O 142/11). Der Wortlaut der Satzung verletzt daher den Minderheitenschutz.

Ist der Vorstand weiterhin der Auffassung der Minderheitenschutz sei im Verein hinreichend gewährleistet?

4.)
In § 12 Nr. 1 c der Satzung heißt es:
„Anträge können auf der Geschäftsstelle von den Mitgliedern eingesehen werden….“

Ich stelle fest:
Am 28.04.2014 habe ich in der Geschäftsstelle vorgesprochen und um Einsicht in alle vorliegenden Anträge gebeten. Trotz einer hinreichenden weiteren Wartezeit von mir im Bereich der Geschäftsstelle, lag keiner der gestellten Anträge zur Einsichtnahme aus.
Hinsichtlich der nicht von mir gestellten Anträge, war eine Einsichtnahme insbesondere nicht möglich. Ich wurde lediglich allgemein darüber informiert, das drei weitere Anträge u.a. zum Zeitpunkt der Veräußerung der Markenrechte, zu einer steuerlichen Problematik im Hinblick auf die Fördermitglieder und betreffend der Auswärtsdauerkartenproblematik und Sponsorenkarten gestellt worden seien

Ist der Vorstand der Auffassung satzungsgemäß gehandelt zu haben oder liegt ein Satzungsverstoß vor?

5.)
In § 12 Nr. 1 c der Satzung heißt es:
„Anträge …sind bei Versammlungsbeginn bekanntzugeben.“

Ich stelle fest:
Die Tagesordnung sah in Punkt 3. das Verlesen der Anträge vor. Dies erfolgte nicht und sollte zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen. Eine Abstimmung hierüber gab es nicht. Teilweise wurde eine Beantwortung betreffend der nicht von mir gestellten Anträge im Rahmen des Berichtes des Vorstandes angekündigt. Eine Verlesung erfolgte in vollständiger Form auch nicht zu einem späteren Zeitpunkt.

Ist der Vorstand der Auffassung, dass die Anträge entsprechend Punkt 3 der Tagungsordnung allen anwesenden Mitgliedern verlesen worden sind?

6.)
Keiner meiner Anträge wurde, auch nicht beim Tagungsordnungspunkt 11, vollständig vorgelesen, sondern nur bruchstückhaft. Schon die Art und Weise der Verlesung vermittelte den Eindruck, dass die Anträge nicht erwünscht und zudem die Anträge zu 3. und 4. nicht abstimmungsfähig seien.

Bei meinem 1. Satzungsänderungsantrag wurde die Begründung erst auf Nachfrage eines Mitgliedes eingeblendet aber nicht verlesen. Auch beim 2. Satzungsänderungsantrag erfolgte keine vollständige Verlesung meines Antrages und auch nicht der Begründung. Der von mir als 4. gestellte Antrag wurde dem 3. Antrag vorgezogen. Bei Behandlung des vorgezogenen 4. Antrages erfolgte die visuelle Einblendung des 3. Antrages.
Noch bevor die Mitglieder Kenntnis vom tatsächlichen Inhalt nehmen konnten, wurde bereits die Stellungnahme des Vorstandes angekündigt und erklärt, dass es in der neuen Saison keine Auswärtsdauerkarten geben würde. Schon zuvor im Bericht des Vorstandes hat Herr Kind in dem Bewusstsein, dass die Mitglieder den Antrag noch nicht inhaltlich zur Kenntnis nehmen konnten, die Ablehnung des noch zu behandelnden 4. Antrages erklärt.

Anstatt das Bemühen zu unterstützen, auch in der kommenden Saison Auswärtsdauerkarten angeboten zu bekommen, vermittelten die Verantwortlichen des Vereines den Eindruck, die Freude zahlreicher Mitglieder und Nichtauswärtsdauerkarteninhaber zu teilen, das die KGaA keine Auswärtsdauerkarten mehr zur Verfügung stellen wolle. Begrüßt der Vorstand das bereits in der Versammlung von mir kritisierte Verhalten?

Ist der Vorstand der Auffassung, dass mit den Antragstellern angemessen, fair und demokratisch umgegan worden ist?

7.)
Herr Kind hat im Rahmen der Behandlung des Antrages zur Thematik Auswärtsdauerkarten erklärt, die Zwangsbusanreise sei im Hinblick auf das Spiel beim BTSV ein einmaliger Vorgang gewesen und man könne die Thematik Auswärtsdauerkarten für die kommende Saison nochmals aufgreifen und diese insbesondere im Falle des Abstiegs des BTSV doch wieder anbieten.
Mit dem nun feststehenden Abstieg des BTSV ist kein Grund ersichtlich, Auswärtsdauerkarten nicht mehr zur Verfügung zu stellen, zumal es keinen Vorfall betreffend eines Auswärtsdauerkarteninhabers in der abgelaufenen Saison gegeben hat. Herr Kind betonte ausdrücklich, er habe Verständnis, wenn man seine Rechte wahrnehmen würde und kritisiere die Klagen insoweit nicht.

Wird der gesamte Vorstand sich für den Erhalt der Auswärtsdauerkarten einsetzen und wird Herr Kind seine Ankündigung umsetzen?

Für eine zeitnahe Beantwortung wäre ich dankbar. Ich bitte mir binnen 10 Tagen eine Antwort zukommen zu lassen. Anderenfalls bitte ich um eine Mitteilung, bis wann ich mit einer Antwort rechnen kann.

Mit freundlichen Grüßen

Ralf N.“

 

Pöbeleien

19 Apr

Pöbeleien haben ihren Platz im Fußball! Zwar gehören sie eigentlich ins Stadion und nicht ins Internet aber nun gut… Ab sofort präsentieren wir euch in unregelmäßigen Abständen die schönsten Pöbeleien, die die Macher dieses Blogs auf den verschiedensten Wegen erreichen.

Den Anfang macht ein Kommentar auf unseren Beitrag „Kind muss weg! – Aber warum?“ (https://briefankind.wordpress.com/2013/08/08/kind-muss-weg-aber-warum/). Dieses Kleinod aus der Kategorie „Einer musste es ja mal sagen, aber kann man sich auch schenken!“ möchten wir euch nicht vorenthalten. Wer allerdings dieses ominöse „ihr“ ist, dass in derartigen Verlautbarungen immer wieder angesprochen wird, bleibt uns nach wie vor verborgen. Wir schweigen einfach und genießen…

Selbstbeweihräucherung.
Hab aufgehört bei der Rechtfertigung der Fahne des Serienmörders Fritz Haarmann weiterzulesen. Freie Meinungsäußerung muss erlaubt sein? Bei einem Fußballspiel? Ihr habt einen an der Waffel. Demnächst bringt ihr auch noch Statements über Putin, Walfang, Fleischessen und Kinderpornografie.
Seid einfach mal loyale Fußballfans, statt Provokateure, vielleicht sogar bezahlt von Braunschweigern oder Bayern?
In jeder Firma würde man euch wegen Rufschädigung rausschmeisen, Schadensersatz inklusive. In einem Krieg würde man euch an die Wand stellen, denn mm Krieg der Bundesligisten gegeneinandner, seid ihr ganz erbärmliche Verräter.

Auf ein Letztes…

10 Mrz
Unsere Dankbarkeit ist ebenso groß wie Wut und Schmerz!

Exzellente Fanbetreuung und legendäre Saufgelage in spanischen Nächten auf den Straßen Madrids. Mit euch war alles möglich. Auch wenn es nicht mehr dasselbe sein wird… Eure Idee lebt weiter!

Danke Rote Kurve e.V.!

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Quo vadis, KGaA?

7 Jan

Die Frage, welchen Weg die KGaA im Umgang mit den Fans des Vereins einschlägt, ist mit dem heutigen Tage beantwortet. Von jeglichem Dialog hat man sich verabschiedet und wählt die absolute Konfrontation. Die Sinnigkeit der Maßnahme spielt dabei mal wieder keine Rolle. Möglichst drastisch und einschneidend soll sie sein – oder zumindest erscheinen… Der eingeschlagene Holzweg wurde inzwischen asphaltiert. Es ist ein weiterer Versuch, den Kunden zum Spion, zum Denunzianten zu machen und zeigt ein weiteres mal eindrücklich, dass man die Fanseele nicht versteht, ja nicht einmal den Versuch unternimmt, sie zu verstehen. Nach dem Hickhack um die Entlassung Mirko Slomkas gibt man sich erneut der Lächerlichkeit preis. Statt „Another world is possible“ heißt es bei 96 einmal mehr „Gefahrengebiet Fanblock“ und „1984“. DAS kann nicht die Lösung sein! DAS ist nicht die Lösung! Hättest Du unseren Brief mal aufmerksam gelesen, Martin! Dort stand die Lösung…

„Unter der Prämisse offener und ehrlicher Gespräche auf Augenhöhe haben sich die verschiedensten Gruppierungen der Hannoverschen Fanszene stets zum Dialog bereit gezeigt. Durch die Verdrängung der organisierten Fans aus dem Stadion berauben Sie sich selbst der wichtigsten Ansprechpartner. Sie, Herr Kind, reißen Lücken, in die Andere vordringen werden, die nicht gesprächsbereit, nicht organisiert und nicht fassbar sind. Auch Rassismus ist leider nicht völlig aus dem Stadion verdrängt, auch in Hannover nicht. Die Zerstörung organisierter Fankultur öffnet menschenverachtenden Ideologien Tür und Tor. Aktuelle Beispiele aus anderen Stadien belegen dies eindrücklich. Die Lösung der aktuellen Probleme ist es nicht, mehr Repressionen gegen Fans durchzusetzen, sondern der offene und ehrliche Dialog mit verbindlichen Abmachungen und die mutige Gewährung zusätzlicher Freiheiten für die aktive Fanszene über jedes bisher dagewesene Maß hinaus. Die Stärkung der Unabhängigkeit der Fanszene wäre visionär für Hannover 96 und würde den Fans die Möglichkeit geben, das Verantwortungsbewusstsein, das sie für sich in Anspruch nehmen, zu beweisen. Werden Sie sich über den Wert dessen, was Sie meinen bekämpfen zu müssen, bewusst. Nehmen Sie uns Fans und unsere Interessen ernst. Gemeinsam können wir Großes erreichen. Gegeneinander gibt es ausschließlich Verlierer!“

Dauerkarte-RK-Rückrunde-anonym

Update zum Thema „viagogo“

23 Aug

Update: „viagogo“ hat inzwischen per „Pressemitteilung“ auf unseren offenen Brief (https://briefankind.wordpress.com/2013/08/20/offener-brief-zum-thema-viagogo/) reagiert. Leider gehen die Äußerungen des Unternehmens wenn überhaupt nur oberflächlich auf die von uns erhobenen Vorwürfe und durch uns recherchierten Beispiele ein. Viel eher ist die vermeintliche Pressemitteilung lediglich getarnte Werbung, die die bekannten Euphemismen über das Unternehmen „viagogo“ verbreitet und sich mit Allgemeinplätzen versucht, der berechtigten Kritik zu entziehen. Garniert wird das ganze noch mit der „Drohung“, dass „viagogo“ auch weiterhin – auch unabhängig von offiziellen Partnerschaften – als Ticketmarkt sein Unwesen treiben werde. Um diese Werbung nicht noch zu verbreiten, verzichten wir auf eine Verlinkung. Wer sich die fragwürdige Pressemitteilung antun will, wird per Suchmaschine fündig werden. Außdrücklich durch uns begrüßt werden hingegen die Äußerungen Martin Kinds gegenüber der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung. Kind bezeichnete in der HAZ die Kooperation mit „viagogo“ als „Fehlentscheidung“, die „korrigiert“ werde. Überhöhte Ticketpreise, wie für die von uns beispielhaft genannten Partien gegen Wolfsburg und Braunschweig in der Rückrunde, bezeichnete er als „nicht seriös“ (http://www.haz.de/Nachrichten/Sport/Fussball/Hannover-96/Derby-zwischen-Hannover-96-und-Eintracht-Braunschwig-Unmut-ueber-Ticketpreise). Wir von „Brief an Kind“ werden die Angelegenheit weiter kritisch verfolgen, bis die „Partnerschaft“ mit „viagogo“ schnellstmöglich beendet und ein wahrhaft seriöser, AGB-konformer und fan-freundlicher Ticketzweitmarkt etabliert ist!

Mit schwarz-weiß-grünen Grüßen!

Das Team von Brief an Kind!